Traditionsgaststätte in Wendhausen soll abgerissen werden

Wendhausen.  Ein Gebäude mit zehn Wohneinheiten soll dort an der Landesstraße folgen. Der Wendhausener Ortsheimatpfleger fordert örtliche Bauvorschriften.

Die direkt an der Landesstraße 295 gelegene Gaststätte Waldesruh soll abgerissen werden. Es soll ein Gebäudekomplex mit zehn Wohneinheiten entstehen.

Die direkt an der Landesstraße 295 gelegene Gaststätte Waldesruh soll abgerissen werden. Es soll ein Gebäudekomplex mit zehn Wohneinheiten entstehen.

Foto: dirk fochler / regios24

Mehrfamilienhaus statt Traditionsgaststätte. In Wendhausen soll das an der Landesstraße 295 gelegene Lokal Waldesruh abgerissen werden und eine Wohnbebauung mit zehn Einheiten entstehen. Die Bürger diskutieren den erneuten Verlust dörflicher Infrastruktur und eines Bauwerks, das die Ortsansicht mehr als über ein Jahrhundert mit geprägt hat.

Die Kritik wird von Einwohnern auch immer wieder in Sitzungen politischer Gremien vorgetragen. Dabei geht es eben meistens nicht um das Bauvorhaben an sich, sondern um Größe und Form neuer Gebäude in den historisch gewachsenen Ortskernen.

Bebauungspläne in dörflichen Lagen

Da es in innerörtlichen, dörflichen Lagen oft keinen Bebauungsplan gibt, über den Größe und Form von neuen Gebäuden detailliert geregelt werden könnten, greift dort Paragraf 34 des Baugesetzbuches. Danach müssen sich Bauvorhaben nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen. Auch darf das Ortsbild nicht beeinträchtigt werden.

„Diese Regelungen bieten sehr viel Spielraum, der gern genutzt wird, auch um wirtschaftliche Interessen zu befriedigen. Dabei bleibt oft das Ortsbild auf der Strecke, es werden Gebäude errichtet, die sich in ihrer äußeren Form und Farbgebung mitnichten an die vorhandene Bebauung anpassen. Und es gibt derzeit kaum Instrumente, um da regelnd eingreifen zu können", berichtete der Wendhausener Ortsheimatpfleger Günter Jung.

Kein Einfluss auf die Größe

Auch Helmut Bauwe, Vorsitzender des Bauausschusses des Gemeinderates, hatte unlängst in einer Sitzung des Gremiums in Bezug auf einen Neubau im Flechtorfer Ortskern festgestellt: „Gewünscht haben wir uns das so nicht, aber Einfluss nehmen auf die Größe des Gebäudes konnten wir nicht wirklich."

Ortsheimatpfleger Jung plädiert für eine behutsame Entwicklung der innerörtlichen Bausubstanz und sieht ein gewachsenes Ortsbild als durchaus schützenswertes Gut an. „Ich halte es für sinnvoll, örtliche Bauvorschriften zu erlassen – mit Augenmaß und auf keinen Fall zu detailliert, sonst wird die dörfliche Entwicklung abgewürgt", erklärte Jung.

Bauvorschriften erarbeiten?

Solch innerörtliche Bauvorschriften zu erarbeiten, könnte eine Aufgabe der Kommunalpolitik in Zusammenarbeit mit der kommunalen Bauverwaltung sein. Diese hat im Moment bei innerörtlichen Bauvorhaben in Bereichen ohne Bebauungsplan auch nur zu kontrollieren, ob grundlegende Abstandsregelungen oder Höhenmaße eingehalten werden. Sie wird bei derartigen Bauvorhaben von der Landkreis-Bauverwaltung, die letztendlich über Bauanträge entscheidet, um Stellungnahme gebeten.

Noch einen Schritt weiter geht der Wendhausener Max Martensen: „Ich würde es begrüßen, wenn es ein örtliches Konzept hinsichtlich der baulichen und verkehrlichen Entwicklung gäbe. Darüber könnte geklärt werden, wie sich ein Ort entwickeln sollte."

Leitbild-Workshops als Möglichkeit

Solch ein Dorfentwicklungskonzept könnte der jeweilige Ortsrat erarbeiten. In der Diskussion ist als weitere Möglichkeit, das Ganze breiter aufzustellen, um mehr Akzeptanz zu erwirken. Wohin und wie sich ein Dorf entwickeln sollte, diese Fragen könnten beispielsweise im Rahmen von Leitbild-Workshops, wie sie aktuell gerade in Flechtorf und Lehre laufen, beantwortet werden. An diesen von Experten moderierten Workshops nehmen Vertreter aus unterschiedlichsten Bereichen einer Dorfgesellschaft teil.

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