Das Paläon bekommt einen Aussichtsturm

Schöningen  Ministerpräsident Stephan Weil lässt sich auf seiner Sommerreise von den Förderern des Speerezentrums überraschen.

Ministerpräsident Stephan Weil bestaunt das Ausmaß eines Schädels der Säbelzahnkatze. Grabungsleiter Jordi Serangeli zeigt ihm hier eine Nachbildung.

Ministerpräsident Stephan Weil bestaunt das Ausmaß eines Schädels der Säbelzahnkatze. Grabungsleiter Jordi Serangeli zeigt ihm hier eine Nachbildung.

Das Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere bekommt eine neue Attraktion: einen Aussichtsturm oberhalb des Grabungsgeländes im Tagebau, wo die steinzeitlichen Jagdwaffen vor 20 Jahren gefunden wurden.

„Damit sollen die Besucher ein Gefühl für die Ausmaße des Tagebaus bekommen“, begründet Wolf-Michael Schmid die Idee. Der zweite Hintergedanke: Der Turm als Anziehungspunkt soll eine Verbindung zwischen der fortwährenden Grabung im Tagebau und der Ausstellungsräume im Paläon schaffen.

Der Vorsitzende des Fördervereins Schöninger Speere sagte dies beim Empfang von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der das Schöninger Paläon auf seiner Sommerreise als letzte Station besucht hat.

Nicht nur der prominente Gast staunte nicht schlecht, als Schmid das Vorhaben kurz skizzierte. 15 Meter hoch soll das Bauwerk werden, von wo aus Besucher das gesamte Panorama wahrnehmen können. 600 000 Euro könnten der Turm samt Zuwegung kosten; allein die Planungskosten gehen in die Zehntausende. Geld, das der Förderverein allein durch Sponsoren akquirieren werde.

Wann der Turm fertiggestellt sein soll, ließ Schmid vorerst offen. Andere Ideen – dazu gehören eine Brücke oder ein Skywalk – ließen sich aus finanziellen sowie aus technisch-rechtlichen Gründen am Hang des Tagebaus nicht realisieren.

Ein weiteres Bonbon halten die Paläon-Betreiber bereits seit einigen Wochen bereit: Besucher können fortan regelmäßig Führungen auf die archäologische Grabung buchen. Die Experten unter Leitung von Dr. Jordi Serangeli öffnen am Wochenende jeweils um 16 Uhr „ihre Schatzkammer“, wie sie sagen.

Was das heißt, erfuhr Ministerpräsident Weil am Mittwochvormittag während eines gut einstündigen Rundgangs durch die Grabungsebenen. Ihm gezeigt wurden Replikate von den Originalspeeren, Holz- und Knochengeräte der Steinzeitmenschen von vor 300 000 Jahren und eine Nachbildung der Säbelzahn-Katze. Noch so ein Fund, dem man in Schöningen in Zukunft eine ganz besondere Aufmerksamkeit schenken werde. Die dazu geplante Ausstellung werde Champions-League-Format haben, deutete Schmid ein weiteres Pfund an, mit dem das Paläon künftig wuchern möchte. Bis zu 60 000 Besucher jährlich zeigen den enormen Zuspruch, würdigte Christoph Schulz, Aufsichtsratschef der Betreibergesellschaft. Damit sind die Speere-forscher und -förderer auf einem guten Weg, im Helmstedter Südkreis ein „kulturtouristisches Highlight“ zu entwickeln.

Thomas Terberger vom Landesamt für Denkmalpflege betonte gegenüber dem Ministerpräsident, dass Schöningen immer für eine Sensation gut sei – „und das wird auch so bleiben“.

Allerdings hat das Wissenschaftsministerium den Forschungsauftrag ab kommenden Jahr an die Frankfurter Senckenberg-Gesellschaft vergeben werden. Den damit in Schöningen ausgelösten Unmut versuchte Stephan Weil mit dem Versprechen zu entkräften, dass die neuesten Ergebnisse der Forschung auch künftig nirgendwo anders präsentiert werden als dort, wo sie hingehören – ins Schöninger Paläon.

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