Kinder, Kinder

„Bonn direkt“

Derart weich in der Birne, schmolz uns der Asphalt unter den Sohlen weg.

Es war wohl einer der letzten Tage mit Sven-Plöger-Hitzewarnung in Berlin. Bloß raus aus dem Hotelschwitzkasten. Bloß ein bisschen ran an die Spree und sich der rammdösigen Hoffnung an den Hals werfen, dass allein schon die Nähe zum Wasser etwas Kühlung brächte. Derart weich in der Birne, schmolz uns der Asphalt unter den Sohlen weg. Die Karawane zog gesenkten und angesengten Hauptes weiter. Miese Stimmung. „Ach guckt“, röchelte ich trockenen Gaumens, „quatscht auf diesem Betonplätzchen drüben über dem Fluss nicht immer Tina Hassel mit Habeck, AKK, Scholz und Konsorten gegen das Sommerloch an?“

Die Meinen zuckelten weiter. „Bonn direkt!“, zog ich mein As aus dem schweißnassen Ärmel. Die Jungs: angeknipst, als hätte sie eine Dusche erwischt. Sie bogen sich. „Bloß kein Bier für Mutti!“ Sie weideten den Lapsus aus wie übermütige Welpen. Sei’s drum, ich gönnte ihnen den Fraß. Und derweil sie mich filetierten, sann ich darüber nach, wie sehr ich doch geprägt bin. Von Bonn. Beamtendorf mit Schlips-und-Kragen-Gähn. Sozialisiert mit Werner Veigels Nachrichtenauftakt: „Bonn. Wie aus dem Kanzleramt...“ Darauf schwenkten man einen Dujardin. Politisiert auf der Friedensdemo 1983 gegen den Nato-Doppelbeschluss. In Bonn. Das prägt. Das bleibt. Das wäre wieder fällig. Da fiele mir manches ein. In Berlin.

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