Kinder, Kinder

Zimmerreise

„Ich blieb unerbittlich und gab die Reisezeiten bekannt: Abflug in die erste Etage. Jetzt!“

Bleiben wir also zu Hause. Jan van Eycks Striche für die Ewigkeit im Museum in Gent zu sehen, hätte bestimmt den Horizont erweitert. Aber was willste machen. Ich schlug als Alternative eine Zimmerreise vor. Nun sind die Jungs keine Blödiane vom Planeten Nixcapito. „Deinen verkappten Aufräumtrip kannste allein machen“, blieben sie auf dem Sofa kleben. „Ich habe uns schon auf Zimmerreise umgebucht, Stornierungen vertragsrechtlich nicht möglich.“ Sie finsterten mich an. „Ach kommt, ihr Spaßbremsen, ihr werdet bestimmt auch längst vergessene Schätze heben.“ Sie lachten: „Dein Ernst!? Was soll da sein außer Staub?“ Ich blieb unerbittlich und gab die Reisezeiten bekannt: „Abflug in die erste Etage. Jetzt!“ Okay, Staub war auch auf meiner Zimmerreise ein Begleiter von nicht unbeachtlichem Ausmaß. Aber was ich alles aufgestöbert habe! Ein Kästchen mit gesammelten Zetteln von den Kindern. Erste krakelige Versuche, sich die Welt der Schrift zu erobern: Papa is lip. Eine weizenfeldblonde Locke. Ein Döschen mit Milchzähnen. Ich war weit weg, weiter als Gent jemals sein könnte, hab’ mich in vergessene Gedanken und nicht zu Ende geplante Vorhaben fallen lassen. Und die Jungs? Ab und an hörte ich sie laut auflachen in ihren Zimmern. Sie sind wohl auch noch unterwegs . . .

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