Tischgespräche

Nicht nur für die Herren

„In ein gut gezapftes Bier lässt der Wirt vorsichtig eine Pikkolo-Flasche Sekt (0,2 Liter) laufen. Und dann: Prost.“

Ein guter Freund von mir erhielt dieser Tage eine gute Nachricht, wie er sagte, und kündigte an, dieselbe am Abend mit einem Herrengedeck zu feiern. Sein bevorzugtes Herrengedeck besteht aus einem Glas Bier und einem guten Korn. Oder einem Kräuterlikör aus Wolfenbüttel. Wäre er im Rheinischen zu Hause, würde er einen Langen (Bier, das in der sogenannten Stange serviert wird, je nach Landstrich Kölsch oder Alt) und einen Kurzen (Schnaps) trinken wollen. Gut, der Kurze ist auch im Norden bekannt und heißt hier „Lütter“ (wer es nicht weiß: lütt ist Plattdeutsch und bedeutet klein beziehungsweise kurz). Das Herrengedeck ist eigentlich ein kurioser Cocktail. In ein gut gezapftes Bier lässt der Wirt vorsichtig eine Pikkolo-Flasche Sekt (0,2 Liter) laufen. Und dann: Prost. Experten wollen wissen, dass dieses spezielle Herrengedeck eine Erfindung der Reeperbahn-Wirte sei, also die, bei denen es Nackttänzerinnen zu sehen gab. Der Eintritt war frei, aber Mindestverzehr war ein Herrengedeck – Bier mit Sekt. Extrem teuer, schaffte aber Stimmung. Und für die Damen gab es entsprechend ein Damengedeck: Sekt mit O-Saft. Diese Nachricht muss man nicht feiern. Kenner der Materie wissen, dass dieser Reeperbahn-Cocktail auch gern in der DDR getrunken wurde. Und sogar die Bayern trinken Herrengedeck. Allerdings wird der Sekt dort in ein Helles gegossen. Ins Weizen kommt schon mal Bananensaft. Aber das ist ein anderes Thema.

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