Kaufmanns Konter

Schwarz und Weiß

„Die Mitbegründerin der Black-Lives-Matter-Bewegung spricht von einem ‘Krieg gegen Schwarze’. Aber findet in den USA tatsächlich ein solcher statt?“

Tony Timpa starb, während ein Polizist in Dallas ihn mit dem Knie zu Boden drückte – 13 Minuten lang. Das war im August 2016. Die USA waren da gerade in Aufruhr wegen der Tötung zweier Afroamerikaner im Vormonat durch Polizisten. Es gibt einiges, was Timpa von den anderen beiden Männern unterscheidet: Er war unbewaffnet und hatte selbst die Polizei gerufen. Außerdem hat sein Tod kaum Medienaufmerksamkeit erregt. Der offensichtlichste Unterschied aber war seine Hautfarbe: Timpa war weiß.

Seit dem Tod von George Floyd als Folge eines brutalen Polizeieinsatzes ist von einer „Epidemie“ rassistischer Polizeigewalt die Rede. Die Mitbegründerin der Black-Lives-Matter-Bewegung, Opal Tometi, spricht von einem „Krieg gegen Schwarze“. Aber findet in den USA tatsächlich ein solcher Krieg statt?

Die Statistiken belegen dies nicht. Jedes Jahr sterben etwa 1000 US-Amerikaner durch Polizeigewalt. Etwa 750 davon sind nicht schwarz, so wie Tony Timpa. Aber, wie der Politikwissenschaftler Wilfred Riley schreibt: Den rund 75 Prozent der Opfer sind weniger als zehn Prozent des Medieninteresses gewidmet.

Bei einem Anteil von 13 Prozent an der Gesamtbevölkerung sind Schwarze in der Todesstatistik überrepräsentiert. Zudem sind etwa die Hälfte Prozent aller Opfer tödlicher Gewaltverbrechen in den USA Schwarze. Allerdings sind in mehr als 90 Prozent dieser Fälle auch die Täter schwarz. Der Großteil der Verbrechen in den USA findet innerhalb und nicht zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen statt. Doch Weiße werden fünf Mal so häufig Opfer von Schwarzen wie umgekehrt. Und die Rate der Schwerverbrechen ist bei Schwarzen mehr als doppelt so hoch wie bei Weißen.

Das erklärt auch ihren überproportionalen Anteil als Opfer von Polizeigewalt: Er ergibt sich aus den häufigeren Kontakten mit der Polizei. Der US-Ökonom Roland Fryer kam in einer Studie 2016 zu dem Ergebnis, dass sich nach Kontrolle aller relevanter Variablen „keine Rassenunterschiede bei Schießereien mit Beteiligung von Polizisten zeigen“. Zugleich lässt sich belegen, dass das Schussrisiko für schwarze Verdächtige steigt, wenn sie von schwarzen oder hispanoamerikanischen Polizisten kontrolliert werden.

All das bedeutet nicht, dass es keinen Rassismus in den USA gibt. Oder gar, dass das Verhalten brutaler Polizisten akzeptabel ist. Aber wer jetzt die Polizei verteufelt und sogar ihre Abschaffung fordert, ignoriert, dass es die Polizei ist, die verhindert, dass in abgehängten Vierteln in US-Großstädten noch mehr junge schwarze Männer erschossen werden. Tatsächlich zeigt sich, dass die Polizei sich nach aufgeblasenen Rassismusvorwürfen sicherheitshalber aus Problemvierteln zurückzieht. In Chicago stieg 2016 daraufhin die Zahl von Schießereien um 80 Prozent. Die Opfer dieser Gewalt waren vornehmlich arm und schwarz. Das sollte bedenken, wer die Polizei als Müll verunglimpft, ihr pauschal Rassismus unterstellt oder sogar, wie in Berlin, sie per Gesetz dazu nötigt, ihre nicht rassistische Gesinnung zu beweisen.

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