Burgplatz-Sommer-Oper im Wüstensand

Braunschweig.   „Lustige-Witwe“-Regisseur Klaus Christian Schreiber inszeniert für das Staatstheater Verdis „Nabucco“ auf dem Braunschweiger Burgplatz.

Ausstatterin Corinna Gasshauer und Regisseur Klaus Christian Schreiber stellen das Bühnenbild von "Nabucco" vor.

Ausstatterin Corinna Gasshauer und Regisseur Klaus Christian Schreiber stellen das Bühnenbild von "Nabucco" vor.

Foto: Andreas Berger

Wie eine Ausgrabungsstätte sieht das Bühnenbild aus, das Ausstatterin Corinna Gassauer für Verdis Freiheits-Oper „Nabucco“ auf den Braunschweiger Burgplatz stellen will. Wüstensand bedeckt die Spielfläche, historische Priesterfiguren geben Ambiente für ein Spiel um Machtgier, Liebe und Rache aus alter Vorzeit.

Es geht um den babylonischen König Nabucco, der die Juden knechtet und verschleppt, sich selbst zum Gott ausruft und mit Wahnsinn geschlagen wird, bis er konvertiert. Seine Tochter Fenena ist zunächst Geisel der Juden, später Gattin Ismaeles, Neffe des Königs von Jerusalem. Den aber liebt auch Abigaille, die vermeintliche erstgeborene Tochter Nabuccos, die vorübergehend in Babylon die Macht an sich reißt. „Für mich ist sie wie ein Katalysator der Handlung“, sagt Klaus Christian Schreiber. Ihre Machenschaften zwingen die anderen dazu, sich zu positionieren. „Und mich interessiert auch der Wahnsinn des Nabucco, der eine Religion, die die Opferung seiner Tochter verlangt, abtut und sich einer neuen zuwendet, sie also menschlichem Urteil unterwirft.“

Wie weit aus Machtbewusstsein oder Läuterung, wird sich zeigen, Schreiber ist jedenfalls schon tüchtig drin im Stoff. Dabei wurde ihm die Regie erst während seiner Inszenierung der „Lustigen Witwe“ angetragen, die Ende Februar im Staatstheater als knallbuntes Spektakel Premiere hatte. Es war das Regie-Debüt des Schauspielers, der u.a. bei Jürgen Flimm am Thalia-Theater gespielt hat, auch filmt und im Fernsehen auftritt („Tatort“, Soko Leipzig“). Die große Verdi-Oper ist seine zweite Regie, die er ohne Zögern annahm: „Wenn einem sowas angeboten wird, macht man’s auch.“ Er habe sich schon als Schauspieler fürs große Ganze interessiert, wohl auch gern mit Regisseuren diskutiert , insofern sieht er den Weg zum Inszenieren als natürlich an. Vom Aktualisieren einer Opernhandlung hält er auch bei einer Freiheits-Oper wie „Nabucco“ nichts. „Wir beginnen im Sand in der Nähe von Babylon, ungefähr so, wie es da jetzt aussieht, nachdem Saddam und der Irak-Krieg gewütet haben.“ Er grabe sich dann gewissermaßen in die Geschichte ein, lasse die historischen Figuren wiederauferstehen, aber wolle damit Grundsätzliches zeigen. „Das ist wie im Märchen, das muss ich nicht ins Heute übertragen“, betont Schreiber. Die psychologischen Beweggründe der Figuren und den Umgang mit Macht wolle er aber herausarbeiten.

Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Srba Dinic singen Ivi Karnezi und Kwonsoo Jeon aus dem Ensemble Fenena und Ismaele, Jisang Ryu den Zaccaria. Als Gäste sind Ivan Krutikov (Nabucco) und Yulianna Bawarska (Abigaille) dabei, außerdem Chor und Extrachor. Erstmals werde es deutsche Übertitel geben, kündigte Intendantin Dagmar Schlingmann an, sowie Burgplatzführungen hinter die Kulissen. Karten gibt es schon unter (0531) 1234567.

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