Schwülperanerin spielt in Braunschweig Komödie

Braunschweig.  Ronja Geburzky machte in Hamburg eine Musical-Ausbildung und ist ab Donnerstag in „Frühstück bei Monsieur Henri“ am Altstadtmarkt zu sehen.

Ronja Geburzky geht ihre Karriere selbstbewusst an.

Ronja Geburzky geht ihre Karriere selbstbewusst an.

Foto: Andreas Berger

Fit sein gehört für Ronja Geburzky zum Beruf. Täglich macht sie ihre Ballettübungen, will sich als Tänzerin und Sängerin einsatzbereit halten, auch wenn die gelernte Musical-Darstellerin zurzeit nur Theater spielt: in Braunschweigs Komödie am Altstadtmarkt. Für die gebürtige Braunschweigerin, die in Groß Schwülper aufwuchs und am Lessinggymnasium ihr Abitur machte, ist es ein Heimspiel, das ihr viel Spaß macht und endlich mal Fähigkeiten abfragt, die in den typisierten Musicalrollen weniger verlangt sind.

„Ich mag es, in Rollen zu schlüpfen, die äußerlich meinem Typ nicht entsprechen. Das Verwandeln ist mir wichtig.“ Ihren gerade beendeten Einsatz als junges verliebtes Fräulein in „Charleys Tante“, das nur darauf wartet, dass der Student sie erobert, sieht sie da durchaus kritisch. „Ich bin überhaupt nicht dieses naive junge Mädchen und hätte das gern anders, selbstbewusster gespielt. Aber die Braunschweiger Produktion war die Übernahme aus Bonn, da kann man sich nicht mehr streiten mit dem Regisseur, da muss man eben liefern. Normalerweise diskutiere ich gern“, betont sie. Und Komödienchef Florian Battermann, der in dem neuen Stück „Frühstück bei Monsieur Henri“ ihr Partner ist, gehe darauf auch ein.

In der klassischen Komödie von Ivan Calbérac geht es um einen griesgrämigen Witwer, der eine junge Studentin bei sich aufnimmt und sie mit seinem Sohn verkuppeln will. „Das ist ein Stück mit vielen Emotionen und auch Tiefgang“, betont Geburzky und lobt, dass Battermann in seinem Haus solche Schauspiele anbietet. Reine Schwänke zum Schenkelklopfen seien nicht so ihr Ding, und die ewigen Schlüpfrigkeiten schon gar nicht. „Man muss Pointen trocken servieren wie Uli Kinalzik, der so wunderbar den Witwer spielt. Wenn man immer eins draufsetzt, wird es albern. Uli haut es einfach raus, und es sitzt.“

Für zwei Jahre hat die 26-Jährige endlich mal den Terminkalender voll mit Theater und Choreographie, sonst standen immer noch viele Castings an, wie sie bei Musicals üblich sind. Tourneen mit Best-Off-Hits und jeden Tag eine andere Stadt hat sie auch schon mitgemacht. „Ich bin gern schon vorm Frühstück eine Runde gelaufen, damit ich überhaupt wusste, in welcher Stadt ich war. Aber dadurch habe ich auch gesehen, was es für schöne Ecken in Deutschland gibt.“

Hätte es nicht auf der Hamburger Musical-Schule geklappt, wäre sie sonst wohl erstmal ins Ausland gegangen, ein Fremdsprachen-Abi mit Englisch, Spanisch, Französisch wäre auch ihr beruflicher Ausgangspunkt geworden. Die Schülerin, die im Lessinggymnasium eine Schulband gegründet hatte und Singer-Songwriterlieder schrieb, hatte Vorbehalte, dass ihre Leidenschaft für Musik leiden könnte, wenn sie daraus einen Beruf machte.

Aber man wollte sie in der Hamburg School of Entertainment, die direkt an der Reeperbahn liegt. „Gleich am ersten Tag gab es Schlagzeilen, weil jemand vor unserer Tür erschossen wurde, da waren meine Eltern nicht so erfreut.“ Die Ausbildung war sehr professionell. „Ich hatte bis dahin nur Hip-Hop und etwas Jazzdance in einer Tanzschule in Schwülper getrieben. Aber hier ging es plötzlich um klassisches Balletttraining“, sagt sie.

Doch schnell entstand wieder Eigeninitiative: mit vier Mitschülerinnen entwarf sie die von Songs getragene Revue „Heaven can wait“, in der sie als fünf Engel Zeitgeisterscheinungen wie den Handyzwang selbstironisch aufs Korn nehmen. Damit touren sie noch heute.

Im Sommer hat sie bei Freiluftspielen einen Auftritt zu Pferde. „Gut, dass ich mal geritten bin.“ Während ihres Engagements in Braunschweig, das sich in der nächsten Saison fortsetzt, wohnt Ronja Geburzky wieder bei den Eltern in Schwülper. Zur Vorstellung fährt sie mit dem Rennrad. Fit sein ist alles.

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