Traum vom Haus der Musik in Braunschweig wird konkreter

Braunschweig.  Eine der letzten Brachen in Braunschweigs Innenstadt auf dem Markthallengelände hinter St. Andreas könnte Musikschul- und Konzertzentrum werden.

Das Gelände der ehemaligen Markthalle am Großen Hof in Braunschweig. Hier könnte der Musikschul-Neubau mit Konzertsaal entstehen.

Das Gelände der ehemaligen Markthalle am Großen Hof in Braunschweig. Hier könnte der Musikschul-Neubau mit Konzertsaal entstehen.

Foto: Andreas Berger

Man wundert sich, dass es sowas in Braunschweigs Innenstadt noch gibt. Von der ehemaligen Markthalle hinter St. Andreas sind nur noch graffitibeschmierte Mauern übrig, dazwischen Parkplätze, davor eine Kolonne von Müllcontainern, trauriger kann ein zentraler Ort in bester Lage kaum fehlgenutzt werden.

Stadtverwaltung und Parteien, Musiker und Musikfreunde haben aber längst einen gemeinsamen, sich langsam harmonisierenden Traum, wie aus dieser Brache ein kultureller Leuchtturm werden kann. Die Städtische Musikschule, bislang auf schöne, oft aber wenig zweckmäßige Standorte verteilt, braucht dringend ein zentrales Gebäude, an dem ihre Schüler angemessen proben und ihr so hundertfach bei „Jugend musiziert“ prämiertes Können auch in Konzerten vorstellen können.

Bisgerige Musikschulstandorte desolat

Es hier auf dem Brachgelände des sogenannten Großen Hofes neu zu bauen, wäre pragmatisch und visionär zugleich, denn es machte die Leistungen einer alle sozialen Schichten überspannenden musikalisch engagierten Jugend brillant sichtbar. Und es wäre attraktiv auch für andere Veranstalter, wenn man darin auch Konzertsäle vorhielte in jenen Größenordnungen, die in der Stadt immer wieder fehlen: Ein Kammermusik- und Liedsaal bis zu 200 Personen, ein möglichst modulabler, also vielleicht auch drittelbarer Konzertsaal für um die 800 Personen für das Jugend-Sinfonieorchester, das Spohr-Orchester oder den Brahms-Chor.

Die Kulturverwaltung ist bereits aktiv geworden. Kulturdezernentin Anja Hesse sieht nach der Realisierung der Kufa-Halle für die Rock- und Indie-Szene nun durchaus Bedarf für die Musikschule und jene kleineren Klassik- und Jazz-Formate, die zum Ausbildungsprogramm der Musikschüler gehören.

„Die bisher genutzten Gebäude sind sanierungsbedürftig. Neue Brandschutzbestimmungen machen ständig teure neue Umbauten nötig, obwohl wir auf längere Sicht diese Gebäude für den Musikschulbetrieb ohnehin nicht geeignet finden“, erklärt sie. Allein am Magnitorwall 16 würden aktuell 1,6 Millionen Euro dafür fällig.

Kulturausschuss unterstützt Machbarkeitsstudie

Im Kulturausschuss stimmte man mit breiter Mehrheit den Ideen zu einem zentralen Musikschulgebäude am Großen Hof und einer Machbarkeitsstudie zu, die klären soll, was dort alles untergebracht werden kann, wie der Raumbedarf wäre und welche Finanzierungsmodelle es gäbe. Ein früherer Entwurf ging von 18 Millionen Euro für einen Neubau mit 1860 m2 Unterrichts- und 1035 m2 Veranstaltungsfläche aus.

Andere Verwaltungspläne sehen auf dem Gelände auch noch den Bau einer neuen Grundschule vor. Die Hoffnung auf gemeinsame Raumnutzung könnte sich angesichts erweiterten Nachmittagsprogramms an verlässlichen Grundschulen als Trugschluss erweisen. Eine private Initiative der Unternehmensberater Volker Eckhardt und Frank Ptok will in ihr Konzept eines „Erlebnisraums Musik“ lieber noch andere musikalische Initiativen und sogar das Staatsorchester einbeziehen.

Privatinitiative will Begegnung der Profis und Laien fördern

Dabei geht es auch darum, Sponsoren und weitere Einnahmen zu gewinnen. In ihrem ausführlichen Papier, das durchaus auf der Verwaltungsvorlage fußt, ist zum Beispiel vorgesehen, dass auch selbständige Musiklehrer dort Räume für Kurse mieten können, oder Bands oder Chöre. Tatsächlich dürften Klavierlehrer wohl eher zu Hause unterrichten, aber für Bands oder Chöre könnte das eine Option sein. „Es gibt in Berlin und deutschlandweit Unternehmen, die solche Probenräume vermitteln“, erläutert Ptok.

Wichtig sei den beiden, dass hier auch verschiedene Musikformen zusammenkommen, und dass sich Profis und Laien begegnen. Daher auch ihr dreistufiges Modell, das einen immer größeren Konzertsaal vorsieht. In der dritten Stufe mit 1200 Plätzen soll er auch für die Sinfoniekonzerte des Staatsorchesters genutzt werden, das ebenfalls seine Proben hier abhalten sollte.

Generalintendantin Dagmar Schlingmann kann sich das nur dann vorstellen, wenn sie dafür anderswo die Mieten sparen würde. Bislang finden die 20 Sinfoniekonzerte der Saison in der Stadthalle statt, mit allerdings 2200 Plätzen, da müsste sie im neuen Haus entsprechend öfter spielen.

Stadthallenchef will Staatsorchesterkonzerte weiter in Stadthalle

Auch will Stadthallen-Geschäftsführer Stephan Lemke darauf nicht verzichten: „Seit der Eröffnung sind die Sinfoniekonzerte des Staatsorchesters wesentlicher Bestandteil unseres Programms. Das wollen wir nicht ändern, auch nicht nach der Sanierung.“ Das Staatsorchester sei ein sicherer Mieter und stehe dem Kongressgeschehen nicht im Wege. „Klar, die Proben am Sonnabend vor dem Konzert liegen manchmal ungünstig, wenn wir abends noch eine andere Veranstaltung laufen lassen könnten“, räumt er ein. Das Orchestermanagement kooperiere aber sehr flexibel. „Es hätte jedenfalls keinen Sinn, deswegen einen weiteren großen Saal vorzuhalten.

Eckhardt und Ptok sehen sich nur als Ideengeber, gebaut werden müsse nach Bedarf, auch die mittlere Variante mache Sinn. Die Kulturverwaltung ist immerhin auf den Vorschlag eines etwas größeren Konzertsaals eingegangen, sie bittet in der jüngst dem Kulturausschuss vorgelegten Planungsergänzung um die „Aufplanung“ eines Konzertsaals für bis zu 1000 Personen, während bislang nur ein Proben- und Konzertsaal bis zu 200 vorgesehen war. Damit wären Konzerte des Jugend-Sinfonieorchesters, aber auch bislang ins Lessingtheater Wolfenbüttel ausgewichene prominente Kammerabende von Soli Deo Gloria im Zentrum von Braunschweig unter akustisch angemessenen Bedingungen möglich.

CDU-Fraktion für „Priorisierung“ des Musikschulneubaus

Annette Schütze von der SPD-Fraktion zeigt sich jedenfalls privat schon mal sehr angetan von den Ideen. Für die CDU erinnert Kulturausschussvorsitzender Sebastian Vollbrecht daran, dass seine Fraktion gefordert habe, den Musikschulneubau und dabei den Standort Großer Hof gegenüber allen städtischen Vorhaben zu priorisieren. Auch die Nähe zu Straßenbahn und Parkhäusern sei gut.

Der Traum scheint also konkret werden zu können. Man sieht sich schon von dem wunderschönen Platanenhof zwischen Säulen statt Müllcontainern dem Konzertsaal zustreben und nachher im Restaurant auf dem Dach über Braunschweigs Dächern mit Blick zu St. Katharinen und Dom den genossenen Melodien nachhängen.

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