„Anne Will“: Das ist Armin Laschets neue Corona-Strategie

Berlin.  Wie reagiert der NRW-Landeschef auf die steigenden Corona-Zahlen? Bei Anne Will geriet Armin Laschet bei einem Thema ins Schwimmen.

Coronavirus: Fachbegriffe kurz erklärt

In der Berichterstattung über Corona verwenden Experten und Politiker viele Fremdwörter und Abkürzungen. Im Video werden die häufigsten Corona-Begriffe erklärt.

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  • Die Corona-Zahlen steigen überall in Deutschland. Die Pandemie war auch das Thema von Anne Will am Sonntagabend
  • Mit dabei war auch NRW-Regierungschef Armin Laschet, der sich um das Amt des CDU-Vorsitzes bewirbt
  • Bei der Frage, warum die Gesundheitsämter trotz des erwartbaren Fallzahlenanstiegs überfordert sind, war seine Antwort nicht eindeutig

Die Corona-Krise ist für Armin Laschet eine besondere Bewährungsprobe. Mit seiner Pandemie-Politik hat sich der NRW-Landeschef lange als Öffner und Anti-Söder positioniert. Für die einen war das umsichtig; für die anderen zu forsch.

Das waren die Gäste von „Anne Will“

Bei „Anne Will“ gab es am Sonntagabend eine Chance darauf, zu sehen, wie sich Laschet an die neue Situation angepasst hat. „Hat Deutschland noch die richtige Strategie?“, lautete die Leitfrage der Runde.

Neben Laschet diskutierten

  • Michael Müller (SPD),
  • Kaschlin Butt vom Gesundheitsamt Wiesbaden,
  • die Virologin Helga Rübsamen-Schaeff,
  • Gerhart Baum (FDP) sowie
  • der Professor für Philosophie, Julian Nida-Rümelin.

„Anne Will“: Neue Corona-Regeln sieht Laschet skeptisch

In der Debatte wurde klar: Ein großer Anhänger von neuen, noch strengeren Regeln ist Armin Laschet nach wie vor nicht. „Die eine Maßnahme, die erreicht, dass sich die Kurve verflacht, ist eine Illusion“, befand er. Auch gönnte er sich einen Seitenhieb auf die strengen Pandemie-Politiker wie den besagten Markus Söder: „Manche Rede klingt so: ‚Jetzt machen wir mal zack, zack, zack‘“, sagte Laschet. So einfach sei es aber nicht, da es nach wie vor um Einschränkungen der Grundrechte gehe. Auch interessant: Laschet will Parteitag verschieben – Merz ist strikt dagegen

Das klang fast wie der Laschet aus dem späten Frühjahr. Und doch hat sich natürlich auch er an die Realität der steigenden Zahlen angepasst. „Das werden sehr, sehr harte Wochen“, prognostizierte Laschet in Linie mit Angela Merkel.

Laschets Strategie? Ein persönlicher Lockdown jedes Einzelnen

Seine Strategie ist vor diesem Hintergrund offenbar, nichts auszuschließen. Kita- und Schulschließungen? Eine klare Absage konnte Anne Will aus Laschet zu diesem Thema nicht herauskitzeln. Stattdessen: „Wir tun alles dafür, dass das nicht passiert“ – zumal, weil sich im Frühjahr gezeigt habe, dass die schnelle Entscheidung in dieser Sache falsch gewesen sei. Lesen Sie auch: Corona-Pandemie: Die meisten Unis bleiben weiterhin leer

Doch wie will Laschet erreichen, dass es so weit nicht kommt, wenn er das Maßnahmen-Portfolio doch mehr oder weniger ausgeschöpft sieht? Jeder Einzelne soll es richten. „Jetzt, wo es exponentiell steigt, alles sein lassen, damit die Kurve wieder abflacht“, lautet seine Forderung. Ein persönlicher Lockdown, sozusagen. Auch das fordert im Prinzip die Kanzlerin.

Warum sind die Gesundheitsämter trotz absehbarer zweiter Welle überfordert?

Ins Schwimmen geriet Laschet nur bei einem Thema. Warum denn die Gesundheitsämter trotz der absehbaren zweiten Welle nun überfordert seien, wollte die Gastgeberin von ihm wissen. Auch interessant: Merkel: „Kontakte reduzieren, viel weniger Menschen treffen“

Man habe im Frühjahr verstärkt, dann wieder abgebaut – und schicke nun erneut mehr Verwaltungsmitarbeiter und Bundeswehrsoldaten zur Unterstützung, lautete Laschets Antwort zusammengefasst. Überzeugend war das nicht, wenn man bedenkt, dass die Ämter vielerorts bereits von einem Kontrollverlust sprechen.

Das Fazit

Der Auftritt bei Anne Will machte deutlich, dass sich Armin Laschet ein stückweit umpositionieren muss. Der Aufwind, den sein Ansatz im Sommer aufgrund von niedrigen Corona-Zahlen hatte, ist mit der zweiten Welle verschwunden. Seine neue Strategie scheint plausibel: Abwarten, den Ernst der Lage gebührend begleiten – ein Corona-Verharmloser ist Laschet nicht.

Und doch blitzte immer wieder auf, dass der NRW-Landeschef nicht kurzerhand zum zweiten Söder werden wird. Mit kleinen aber feinen Äußerungen setzte er sich auch bei Anne Will von dessen Ansatz ab. Gut möglich, dass wir nach dem Winter im Falle einer erneuten Entspannung wieder den alten Armin Laschet erleben werden.

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