Streeck mahnt bei „Markus Lanz“ zur Corona-Langzeitstrategie

Berlin.  Markus Lanz diskutierte über die Entwicklung des Impfstoffs. Berliner Bürgermeister Müller stellt den Plan für die Verteilung vor.

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Die Zwischenergebnisse bei der Erprobung des Corona-Impfstoffs wecken neue Hoffnungen. „Die Nachricht vom Impfstoff hat die Welt gestern wirklich elektrisiert“, stellte Markus Lanz am Dienstagabend in seiner ZDF-Talkshow fest. Gemeinsam mit seinen Gästen diskutierte der Moderator über die rasante Entwicklung des Impfstoffs – und über die Fragen, die weiterhin offen bleiben.

„Markus Lanz“: Erfolgversprechende Zwischenergebnisse der Studien

Laut eigenen Angaben könnten die Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer bereits in der dritten Novemberwoche eine Notfallzulassung in den USA beantragen und somit einen potenziellen Impfstoff auf den Markt bringen. Lesen Sie hier: Wie der Corona-Impfstoff von Biontech unseren Körper schützt

Der Virologe Hendrik Streeck äußerte sich gespalten hinsichtlich der rasanten Entwicklung. „Ich glaube, dass die Ergebnisse, soweit man sie überhaupt gesehen hat, einen vorsichtig optimistisch stimmen können“, so Streeck.

Man müsse zunächst unterscheiden ob eine Impfung überhaupt vor einer Infektion oder der Erkrankung selbst schütze. Dies sei bisher noch nicht erforscht. Fest steht hingegen: In der dritten Phase der Impfstoffentwicklung infizierten sich von rund 44.000 Probanden insgesamt 94 Testpersonen mit dem Virus. Lesen Sie hier: Drosten: „Der Impfstoff hat eine beeindruckende Effizienz“

Auf die Frage, ob sich der Virologe selbst impfen lassen würde, erhielt Markus Lanz keine eindeutige Antwort. „Ich bin ein Impf-Fan. Ich bin gegen alles geimpft“, sagte Hendrik Streek bevor er sich mit weiteren Aussagen vor einer direkten Antwort drückte.

„Markus Lanz“: Das waren die Gäste

  • Michael Müller (SPD), Regierender Berliner Bürgermeister
  • Hendrik Streeck: Virologe
  • Carola Holzner: Oberärztin der Notaufnahme der Uniklinik Essen
  • Johannes Hano: Journalist, ZDF-Korrespondent in New York
  • John Bolton: Politiker, ehemaliger Sicherheitsberater von Donald Trump

Regierender Bürgermeister bei „Lanz“: Berlin bereitet sich auf Corona-Impfung vor

„Ich bin da nicht so ängstlich“, betonte der regierende Berliner Bürgermeister Michael Müller. Laut Müller sei die Impfung möglicherweise ein Schritt nach vorne in Richtung mehr Sicherheit und Normalität.

Demnach bereite sich die Hauptstadt gerade auf ein Szenario vor, bei dem rund 20.000 Menschen pro Tag geimpft werden könnten. Dies soll durch dezentrale und mobile Impfzentren realisiert werden.

„Das bereiten wir jetzt vor, in der Hoffnung, dass es schon mit diesem Impfstoff klappt. Wenn es damit nicht klappt, sind wir aber vorbereitet für den nächsten“, sagte der Bürgermeiste in der Talkshow. Zudem solle es eine Prioritätenliste geben, die Risiko- und Berufsgruppen besonders berücksichtigt.

Oberärztin empört über Corona-Leugner und Demonstrationen

Trotz erfolgreicher Zwischenergebnisse steigen die Infektionszahlen und damit auch die Zahlen der Intensivpatienten. Für Corona-Leugner und Großdemonstrationen hat Carola Holzner nur eins: eine Menge Unverständnis.

Holzner, Oberärztin an der Uni-Klinik Essen, berichtete, dass sich die Zahl der Covid-Erkrankungen im Vergleich zum vergangenen Monat vervierfacht habe und im Vergleich zum ersten Lockdown verdoppelt. Für sie sei der Lockdown „allerhöchste Eisenbahn“.

Virologe Streeck bei „Lanz“: Mehr über Langzeitstrategien nachdenken

„Wir reden viel zu wenig über Langzeitstrategien“, wandte Hendrik Streek. So könne laut dem Virologen ein Lockdown keine entscheidende Lösung sein, vielmehr müsse man multiperspektivisch an die Sache herangehen.

Michael Müller wies die Vorwürfe zurück. „Es ist eine tägliche Auseinandersetzung und Diskussion“, argumentierte der Berliner Bürgermeister. So habe die Regierung vor allem aus den Maßnahmen des Frühjahres gelernt und Konzepte ausgebaut. Laut Müller habe man eindeutig bei der Entwicklung der Corona-App versagt. „Herr Lanz, wer kann denn hier sitzen und sagen: Wir haben keine Fehler gemacht?“, fragte der SPD-Politiker.

US-Wahl: Trump geht weiterhin von Wahlbetrug aus

Fehler eingestehen können jedoch nicht alle. Allen voran: Donald Trump. Zu Beginn seiner Gesprächsrunde diskutierte Markus Lanz neben Coronapolitik auch über das aktuelle Geschehen in Washington.

„Donald Trump hat schon gleich nach den Wahlen den Sprengsatz an die amerikanische Demokratie gelegt und er hat jetzt die Zündschnur angezündet“, sagte Journalist Johannes Hano per Video aus New York. Trump beteuert weiterhin mehrfach auf Twitter seinen Wahlsieg und löst damit weltweit Kopfschütteln aus. Alles Wichtige im Newsblog: Trump erkennt Wahl-Niederlage nicht an – Biden: „Peinlich“

„Das Ganze wird hier sehr gefährlich werden aus meiner Sicht“, so Hano. Bereits im Prozess der Auszählung warf der Präsident den Demokraten einen gigantischen Wahlbetrug vor. So leitete der Republikaner mehrere Gerichtsverfahren ein, die Beweise fehlen allerdings. Laut Journalist Johannes Hano sei es ein „politischer Kampf, der hier stattfindet“.

„Lanz“: Muss Trump aus dem Weißen Haus geholt werden?

Die Anhänger des Präsidenten seien genauso wie Trump selbst überzeugt, Beweise für den angeblichen Betrug vorliegen zu haben. In einem kurzen Videoausschnitt, den Lanz einblendete, berichtet ein Trump-Unterstützer von Videomaterial auf der App TikTok, die eindeutig auf Wahlbetrug schließen lasse

Auch der ehemalige Sicherheitsberater Trumps, John Bolton, ist sich sicher: Ohne Wirbel wird Trump das Weiße Haus nicht verlassen. „Angenommen er würde sich weigern, was würde passieren?“, fragte Markus Lanz am Dienstagabend. „Ich glaube schon, dass Trump das Weiße Haus verlassen wird, aber nicht anständig“, betonte Bolton.

So „elektrisierten“ die Nachrichten des Impfstoffs nicht die gesamte Welt. Für Trump kamen die Nachrichten über die Impfstoffzulassung zu spät. Auf Twitter deklarierte der Präsident die verspätete Berichterstattung als Teil der demokratischen Verschwörung.

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