Es ist Zeit, Schätze im Bücherregal zu entdecken

Braunschweig.  Stöbern Sie doch einmal im Bücherregal. Das lohnt sich ganz bestimmt. Sie werden so manchen vergessenen Schatz entdecken.

Die Klassiker aus der Kiste wollen entdeckt werden.

Die Klassiker aus der Kiste wollen entdeckt werden.

Foto: Stefani Koch

Es gibt da seit Jahren diese zwei Fächer im Bücherregal – gefüllt mit Klassikern. Und Werken mit regionalem Bezug. „Ein Leben als Tochter des Kaisers“ zum Beispiel. Mit Widmung der Herzogin Viktoria Luise. Alle Bücher stammen aus einem Nachlass. „Herrlich. Da lese ich mich durch“, lautete vor Jahren der Plan. Bei diesem Vorsatz ist es lange geblieben. Corona hat es geschafft. Hat für die Gelegenheit gesorgt, endlich loszulegen. Doch womit? Erstmal durchsehen… Ich kann mich dabei verlieren, Bücher im Regal neu zu sortieren, hineinzuschauen und dabei auch ihren Duft wahrzunehmen.

David Copperfield – Gab es da nicht gerade eine Neuverfilmung?

Beim Stöbern stoße ich auch auf Charles Dickens – David Copperfield. Gab es da nicht gerade auch eine Neuverfilmung!? War da nicht was? Corona hat auch diesen Filmstart irgendwie vermasselt. Na, wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl ist. Los geht’s. Es ist immer das gleiche Ritual. Das Buch in die Hand nehmen. Daumen auf die Seiten, und sie wie bei einem Papierkino am Auge vorbeisausen lassen. Es ist eine Ausgabe aus den 1960er Jahren, mit Zeichnungen illustriert.

David Copperfield. Klar. Oft gehört, viel zitiert – und doch hatte ich den Roman bisher nie gelesen. Allein schon die Perspektive des Ich-Erzählers, der in der Rückschau auch analysiert und bewertet, ist etwas Besonderes. Dickens hat David Copperfield als „sein Lieblingskind“ bezeichnet. Und das ist beim Lesen deutlich zu spüren. Herrlich einfallsreich schildert er die zugegeben vielen Menschen. Kostprobe gefällig? Bitteschön: „Dr. Strong kam mir beinahe so verrostet vor wie die hohen Eisengitter und -tore vor dem Haus und fast so steif und schwerfällig wie die großen steinernen Urnen, die neben dem Portal und überall auf der Ziegelsteinmauer standen.“

Skurril und ein wenig verrückt ist der Klassiker schon

Kurzweilig ist der wahrlich skurrile und ein wenig verrückte Klassiker. Auf den gut 800 Seiten, die diese Ausgabe hat, kommt keine Langeweile auf. Keine Sekunde. Ein Lesevergnügen, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte. Kaum vorstellbar, dass all dies auf zwei Stunden Kinofilm komprimiert werden kann.

Ein anderer Klassiker, der in der Schatzkiste zum Vorschein kam, ist „Der Schimmelreiter“. Theodor Storms Novelle hatte ich schon einige Male angelesen – und immer wieder aus der Hand gelegt. Das Lesen war mir zu mühsam. Warum, kann ich nicht erklären. Das Thema aber finde ich extrem spannend. Als ich neulich in der Mediathek auf das Reclam-Hörbuch traf, fackelte ich nicht lange und lud es herunter.

Wer das Meer und alte Geschichten liebt, wird den Schimmelreiter schätzen

Es war die richtige Entscheidung. Wer das Meer liebt, wer alte Geschichten mag, die irgendwie etwas Geheimnisvolles haben, wird dieses Hörbuch schätzen. Hans Sigl spielt nicht nur den Bergdoktor – der Österreicher liest auch für den Reclam-Verlag Literaturklassiker. Darunter eben auch „Der Schimmelreiter“.

Ganz egal, ob Sie dem Schimmelreiter ganz entspannt auf dem Sofa lauschen, beim Radeln oder beim Bügeln: Das gibt Gänsehaut. Es wird so richtig schön unheimlich. Dazu braucht es keine modernen Krimis. Versprochen. Hören Sie rein. Es lohnt sich.

Ich werde weiter in den Schätzen im Bücherregal stöbern. Es wartet zum Beispiel noch: „Das Versprechen“ von Friedrich Dürrenmatt. Bisher immer verschmäht, weil ich die Verfilmung „Es geschah am hellichten Tag“ mit Gert Fröbe und Heinz Rühmann aus dem Jahr 1958 so unsagbar schätze. Eigentlich ist es ja oft so, dass ein Film nicht mit der Literaturvorlage mithalten kann. Ich fürchte, in diesem Fall wird es anders sein…

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