„Maischberger“: Elke Heidenreich hat genug vom Corona-Blues

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Maischberger, Lanz und Co.- Das sind die deutschen Talkmaster

Maischberger, Lanz und Co.: Das sind die deutschen Talkmaster
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Berlin.  Im Talk von Sandra Maischberger ging es einmal mehr um die Corona-Pandemie. Selten bei dem Thema: Es gab eine erfrischende Plauderei.

Die Corona-Pandemie hat vielleicht auch etwas Positives. „Man kann mehr zu sich selber kommen, Schränke ausmisten, Kleidung aussortieren und viel öfter mit dem Hund nach draußen gehen“, zählte Elke Heidenreich , sprudelnd vor Ideen, bei „Maischberger. Die Woche“ auf. Und natürlich auch, die ganze Welt zu sich nach Hause holen – in Form von Zeitungen, Büchern, Fernsehen, Internet.

„Hört doch auf zu jammern“, appellierte die 78-jährige Autorin und Moderatorin im Einzelgespräch daher, gerichtet an jedermann und -frau, „wir können es überstehen“.

Elke Heidenreich über ihre Kindheit und Geschichtenerzählen

Die Frau hatte gut reden. Seit vielen Jahren wohnte sie in einem „zugegeben, schönen Zuhause“ in Köln-Marienburg. Und schon als Kind war sie oft alleine – erzählte sie dann von ihrer nicht besonders glücklichen Nachkriegskindheit, in der beide Eltern berufstätig, aber auch verbittert waren, wie lange sie falschen Idealen nachgelaufen waren.

Da habe sie damals viel mit sich selbst gesprochen. Und vermutlich auf diese Weise auch gelernt, wie Geschichtenerzählen geht, damit Zuhörer nicht genug davon bekommen konnten – am besten in einem Mix aus persönlichen und allgemeinen Lebenserfahrungen und mit einer witzigen Pointe am Ende.

„Maischberger. Die Woche“ – das waren die Gäste:

  • Elke Heidenreich (Schriftstellerin)
  • Karl Lauterbach, SPD (Bundestagsabgeordneter und Epidemiologe)
  • Wolfgang Kubicki, FDP (Bundestagsvizepräsident)
  • Maren Kroymann (Kabarettistin)
  • Oliver Köhr (ARD-Hauptstadtkorrespondent)
  • Jan Fleischhauer („Focus“-Kolumnist)

Die erfrischende Plauderei mit Elke Heidenreich gegen Schluss der Sendung lieferte jedenfalls schon mal einen zukunftsfrohen Vorgeschmack: Es wird die Zeit noch (wieder)kommen, da eine Talkshow lustig, anregend und geistreich sein kann, obwohl es „um Kleider und was sie mit einem machen“ geht (und damit um Promotion für ein neues Buch).

Corona-Pandemie beherrscht Talk bei Sandra Maischberger

Noch aber beherrschte die Pandemie als „Thema des Jahres“ den Talk-Abend von Sandra Maischberger. Neues gab es dabei wenig zu vermelden. Irgendwie wirkte die Sendung in den ersten 60 Minuten, als liefe der aktuelle Wochendurchblick mit ähnlich klingenden Kommentaren allen anderen Talks nur hinterher. Wer zum Beispiel wissen wollte, in welchem Ausmaß der neue Impfstoff unsere Zukunft erleichtern könnte, sollte sich gedulden bis nächste Woche.

An diesem Mittwoch wollte „Maischberger. Die Woche“ erst einmal klären: Sind die geplanten Lockerungen an Weihnachten angemessen? Oder – wegen der weiterhin hohen Infektionszahlen und der steigenden Sterberate – nicht sogar fahrlässig?

Corona-Lockerungen: „Rein politische Entscheidung“

Am seriösesten beantwortete die etwas seltsame Frage ARD-Hauptstadtkorrespondent Oliver Köhr: „Es ist eine rein politische Entscheidung“, sagte er und wünschte sich, die Bundesregierung würde das so klar auch kommunizieren.

Maren Kroymann, als Kabarettistin geübt in der lockeren Rede wie Elke Heidenreich, äußerte sich schon mutiger: Überflüssig fand sie die kurzzeitigen Lockerungen: „ Weihnachten ist ein sehr ambivalentes Fest. Ein Fest der Liebe, ja, aber auch der kolossalen Familienkräche“, erklärte sie. Die meisten Menschen ärgerten sich nach diesen drei Tagen – wenn nicht über die Familie, dann dass sie viel zu viel gegessen hätten…

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Corona-Warn-App: Scheitert sie am Datenschutz?

„Je länger die Frau regiert, desto mehr kommt die Pfarrerstochter durch“, kommentierte, bezogen auf Angela Merkel, Jan Fleischhauer einfach nur flapsig. Viel mehr als die Feiertagsregelung ärgerte den „Focus“-Kolumnisten, dass die Wirkung der Corona-Warn-App „nur durch den Datenschutz“ verpuffte: „Da haben 20 Millionen Deutsche diese App auf ihr Smartphone runtergeladen und erfahren trotzdem nicht, wo oder bei wem sie sich infiziert haben“.

„Das liegt nicht am Datenschutz“, widersprach Karl Lauterbach aufs Stichwort: „Das ist technisch auch bei den anderen Apps nicht möglich: Das Zeitfenster ist mit vier Stunden nicht klein genug, um eindeutige Zuordnungen liefern zu können“, erläuterte er sachlich. Da war er wieder: Der Gesundheitsexperte und Kenner aller Corona-Studien . Oder auch: Das „Gesicht zur Pandemie“, wie Sandra Maischberger den Politiker und Epidemiologen wegen seiner häufigen Talkshow-Auftritte – ungewollt? – ungalant vorstellte.

Diesmal war Karl Lauterbach nicht alleine eingeladen. Mit Wolfgang Kubicki (FDP) sollte er Face-to-Face im Studio klären, was sich beide bisher nur als Fernduell geliefert hatten: Wer mehr Expertise zu Corona bieten konnte. Den erhofften Streit löste der FDP-Mann aber salomonisch auf, bevor er noch begonnen hatte: Bei medizinischen Fragen sei es Karl Lauterbach, gab er zu, bei juristischen er, selbstverständlich.

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„Maischberger“: Karl Lauterbach und Wolfgang Kubicki im Dialog

Wie sich herausstellte, gab es darüber hinaus zum Streiten nicht viel Aktuelles, höchstens parteipolitische Meinungsunterschiede. Den Vorwurf, dass er oft zu alarmistisch sei, konterte der SPD-Mann jedenfalls sehr leicht mit Beispielen, wo er Entwicklung sehr früh und richtig vorhergesehen hatte: Regelunterricht an Schulen, zum Beispiel. Oder die zweite Welle, weil der erste Lockdown so früh gelockert wurde.

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Der FDP-Mann dagegen blieb bei seiner juristischen Einschätzung, dass flächendeckende Reglungen bei unterschiedlichen Inzidenzen rechtlich nicht möglich seien. Oder dass ohne Evidenz ganze Berufsgruppen nicht einfach lahmgelegt werden könnten, nur weil es ein Infektionsrisiko gäbe.

Am Ende waren sich beide Pandemie-Experten aber wieder vollkommen einig: Sie wollen sich impfen lassen, sobald es möglich ist.

„Maischberger. Die Woche“ – so liefen die letzten Sendungen

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