Langjähriger HBK-Präsident Michael Schwarz gestorben

Braunschweig.  Sein Hochschul-Motto "Im Zentrum die Kunst" galt für den Braunschweiger Kunsthistoriker Michael Schwarz auch privat.

Der am 4. Januar gestorbene langjährige HBK-Präsident Professor Michael Schwarz auf der Biennale in Venedig 2019.

Der am 4. Januar gestorbene langjährige HBK-Präsident Professor Michael Schwarz auf der Biennale in Venedig 2019.

Foto: Regine Seemann

Es war eine private Radtour, die Michael Schwarz nach schwerer Krankheit im letzten Sommer unternahm, aber sie bekommt in der Erzählung seines Freundes Lienhard von Monkiewitsch etwas von einer Kunstaktion von Ulay und Abramovic: Der in den ersten Januar-Tagen verstorbene langjährige HBK-Präsident Schwarz fuhr noch einmal den Weg von seinem Sommerhaus im bretonischen Audierne nach Braunschweig, mit dem Rad, so wie er ihn vor zehn Jahren von Braunschweig nach Audierne geradelt war. Nun also die „Retour“, wie er sie selbst nannte, und auf den einzelnen Etappen begleiteten ihn immer andere Freunde, darunter Monkiewitsch, der auch viele Jahre sein Vize in der Kunsthochschulleitung war.

Gemeinsame Reisen

„Von Nancy bis nach Trier an die Mosel bin ich mit ihm gefahren. Die 2000-Kilometer-Tour vor zehn Jahren hatte er allein gemacht. Diesmal nahm er ein E-Bike, und die Freunde waren dabei. Es hatte schon etwas von Abschiednehmen“, erzählt Monkiewitsch am Telefon. Ihre Verbindung rührte schon aus Tagen, als Schwarz Geschäftsführer des badischen Kunstvereins in Karlsruhe war. „Er machte eine Ausstellung über menschenleere Räume, zu der ich beitrug. Unsere Gespräche waren sofort sehr angeregt, seitdem waren wir Freunde. Wir sind auch später mit unseren Frauen und Familien gemeinsam gereist, etwa zur Documenta in Kassel oder zur Biennale nach Venedig. Kunst war immer unser Gesprächsstoff.“

Als Monkiewitsch dann HBK-Professor wurde, hat er sich dafür eingesetzt, Schwarz, der Kunstgeschichte, Archäologie und Publizistik studiert hatte und in Münster über barocke Plastik promovierte, nach Braunschweig zu holen. 1983 übernahm Schwarz an der HBK eine Kunstgeschichtsprofessur, Schwerpunkt war die Moderne und Gegenwartskunst. Insbesondere für Lichtkunst engagierte sich Schwarz, gehörte mit Kulturdezernentin Anja Hesse, die bei ihm promoviert hat, und dem Architekturprofessor Gerhard Auer zu den Initiatoren des Lichtparcours. Er publizierte, auch nach der Pensionierung 2004, zur Lichtkunst und betrieb seit 2014 mit Daniel Hausig die internationale Datenbank „Light in Fine Arts“ mit Sitz an der Hochschule für Bildende Künste Saar.

Engagement für die Kunst in Braunschweig

Im öffentlichen Leben Braunschweigs war Schwarz insbesondere während seiner Zeit als Rektor 1987 bis 89 und dann Präsident der HBK von 1996 bis 2004 sehr präsent. Von 2006 bis 2014 engagierte er sich als Vorsitzender des Museums für Photographie in Braunschweig. Damals und auch später unterstützte er alle Versuche, in der Stadt mehr Ausstellungsmöglichkeiten für Gegenwartskunst zu schaffen. Zuletzt noch die Entstehung der „Quartiere 267“, die insbesondere für HBK-Künstler und große Ausstellungen des Museums für Photographie genutzt werden sollten. In der gegenwärtigen städtischen Ausstellungshalle Hamburger Straße 267 wurde zumindest ein Teil dieses Konzeptes realisiert.

Monkiewitsch beschreibt Schwarz als einen Präsidenten, der gut zuhörte, sehr versöhnlich war und keine Konflikte wollte. „Aber er war trotzdem sehr entscheidungsfreudig und überraschte dann mit einem plötzlichen ,so machen wir das jetzt‘ seine Kollegen.“ In seiner Präsidentschaft wurden internationale Kunstgrößen wie die Extrem-Performerin Marina Abramovic oder der mit seinen riesigen Freiluftgemälden bekannte Thomas Huber für die HBK gewonnen. „Ihm ging es darum, das Angebot möglichst breit aufzustellen“, so Monkiewitsch. Sein Motto „Im Zentrum der Hochschule steht die Kunst“ habe er auch auf angewandte Bereiche wie Design bezogen wissen wollen: „Auch da sollte mit den Augen der Kunst geschaut werden.“ Das Motto habe es damals sogar bis zu T-Shirt-Ehren gebracht, erinnert sich Monkiewitsch.

81 Jahre erfülltes Leben

Schwarz, der begeistere Segler, wurde übrigens in Greifswald (DDR) geboren und wuchs in Lassan vor der Ostseeinsel Usedom auf. Er kam nach dem Abitur als anerkannter Republikflüchtling in die Bundesrepublik. Gestorben ist er nun mit fast 81 Jahren in seinem längsten Wirkungsort Braunschweig.

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