Castingshow

"The Voice": "Popstars"-Sieger scheitert bei Blind Auditions

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"Popstars"-Sieger Sascha Salvati bei "The Voice".

"Popstars"-Sieger Sascha Salvati bei "The Voice".

Foto: SAT.1//ProSieben //Christoph Assmann

Berlin  Ein Castingshow-Gewinner will zurück ins Rampenlicht, ein Musical-Student liegt auf der Bühne: Bei "The Voice" gibt es viel Drama.

Am Donnerstagabend zeigt die siebte Folge von "The Voice of Germany", dass manche Menschen auf die Bühne gehören, obwohl sie nicht besonders gut singen oder Töne treffen können. Es wird deutlich, dass Charisma, die richtige Portion Theatralik oder einfach nur ein starkes Vibrato mittelmäßige Musikalität ausbalancieren können.

Die Kandidatinnen und Kandidaten legen die Messlatte für Dramatik dabei bereits in den ersten Performances des Abends hoch: Ein "bayerisch-amerikanisches Showgirl" bringt so viel Energie und gute Laune auf die Bühne, dass es beim Tanzen die Kontrolle über seine Stimme verliert, so sieht es jedenfalls Sarah Connor. Eine Osttirolerin klärt über ihre Intergeschlechtlichkeit und ihren nicht realisierbaren Kinderwunsch auf, bevor sie eine jazzige Interpretation eines Taylor-Swift-Songs vorträgt. Ein spanischer Rapper aus dem Pott klage-rappt "Qué Pena" von Baluma und J Baldwin. Und diese Performances sollten nicht die einzigen dramatischen Auftritte bleiben.

Ehemaliger "Popstars"-Gewinner tritt bei "The Voice" an

Mit Sascha Salvati traut sich ein Kandidat auf die Bühne, der sich vor fast 14 Jahren schon einmal durch eine Castingshow gekämpft hat. Ende 2007 gewann er die sechste Staffel "Popstars" und wurde Teil der Band Room 2012, die sich nur drei Jahre später wieder auflöste. Die Enttäuschung saß laut eigener Aussage so tief, dass sich Salvati von der Musik abwandte. Nun wolle er sie wiederfinden, sagt er - in seinem Einspielfilm glitzern Tränen in seinen Augen: "Wenn sich niemand umdrehen würde, wäre das für mich echt eine Demütigung."

Es kommt, wie es bei so einer Ankündigung fast schon kommen muss: Salvati singt "Lieb mich dann" von Helene Fischer und niemand dreht sich um. "Es ist schön, aber es ist zu viel", raunt Mark Forster Nico Santos noch während der Performance zu. Rettung naht schließlich von Reserve-Coach Elif: Salvati darf auf die Comeback-Stage, fliegt demnach nicht aus der Show und bekommt somit eine zweite Chance.

Berliner ist der dramatischste Kandidat des Abends

Doch niemand legt so viel Theatralik auf die "The Voice"-Bühne wie Kandidat Joel aus Berlin-Kreuzberg, der sich im wahrsten Sinne des Wortes mehrmals auf die Bühne legt. Der Musical-Student erzählt im Einspieler zunächst, er sei in einer streng-religiösen, fast sektenähnlichen Familie aufgewachsen. Erst als sein Vater an Krebs erkrankt und später auch daran verstorben sei, habe Joels Freiheit begonnen, sagt er: "Das klingt blöd, aber je schlechter es ihm ging, desto besser ging es allen anderen."

Als Joel schließlich die ersten Töne des Lizzo-Songs "Cuz I Love You" ins Mikro schreit, wirken die Coaches zunächst irritiert. Nur Mark Forster dreht sich anfangs um. Beim beeindruckenden Vibrato am Ende einer mittelmäßigen Performance holt Joel – der gerne Oper hört und demnächst in Berlin-Neukölln als Alice Weidel selber in einem Stück auftritt – schließlich das maximale Drama aus sich heraus: Alle verbliebenen Coaches hauen zeitgleich auf die Buzzer, Joel geht ins Team Sarah. "Sehr aufreibend und dramatisch", urteilt diese. "Intensiv", findet auch Forster.

Emotionales Michael Jackson-Tribut bei "The Voice"

Es ist allerdings nicht alles schrill und laut an diesem Abend, und verantwortlich dafür ist niemand geringeres als Michael Jackson mit seiner musikalischen Hinterlassenschaft. Besonders Nico Santos wird von seinen Co-Coaches als glühender Jackson-Fan geoutet. Er kenne alle Texte auswendig: "Das ist seine größte Stärke, aber kann auch ganz schön nervig sein", lästert Johannes Oerding scherzhaft.

Nun bekommt Santos in der siebten "The Voice"-Episode eine weitere Jackson-Bewunderin an die Seite: Die 17-jährige Kira, ebenfalls aus Berlin, singt besonnen und mit charakterstarker Stimme den Klassiker "Man in the Mirror" – und bekommt dafür Angebote von drei Coaches und zahlreiche mit den Händen geformte Herzen aus dem Publikum.

Der vielleicht schönste Moment des Abends entfaltet sich schließlich, als die Coaches, angeführt von Mega-Fan Santos, den Song in einem harmonischen Quintett erneut mit Kira vorsingen. "Dankeschön, ihr seid alle so cool", quietscht Kira und springt vor Freude auf der Bühne herum. Als sie Sarah Connors Team beitritt, zieht es Santos für eine weitere spontane Einlage ans Klavier. Er singt in Anlehnung an sein vermeintlich gebrochenes Herz "It’s too late to apologize". An diesem Abend lieben eben alle dramatisch.

"The Voice" - So liefen die bisherigen Sendungen

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