Da staunt sogar der Frosch

Im Herzog-Anton-Ulrich-Museum beginnt eine Ausstellung mit Blumenbildern.

Braunschweig. Besser hätte es das Museum nicht treffen können: Jetzt wo alles grünt und die Natur schier explodiert vor üppig-filigraner Farben- und Formenlust, steht auch das Museum in voller Blüte. Noch dazu gibt es Entwarnung für alle, die vom Heuschnupfen geplagt sind: Hier muss niemand niesen. Einen Vorteil gibt es auch für Melancholiker: Diese Blüten welken nicht. Sie blühen schon seit mehr als 300 Jahren. Es handelt sich um Blumenporträts aus Aquarell- und Deckfarben auf Pergament. Sie stammen von Johanna Helena Herolt.

Die Künstlerin lebte von 1668 bis 1728 und war die älteste Tochter der berühmten Malerin und Naturforscherin Maria Sibylla Merian. Gemeinsam mit der Mutter und der Schwester Dorothea Maria Graff bildete sie in Amsterdam ein wirtschaftlich erfolgreiches Familienunternehmen. Der bestens eingeführte Name Merian sei in Wirklichkeit als ein „Sammelbegriff für die familiäre Arbeitsgemeinschaft“ zu verstehen, erläuterte Museumsdirektor Jochen Luckhardt bei der Präsentation der Schau.

Insofern sei es nicht so leicht, Werke der Herolt eindeutig von denen der Mutter zu unterscheiden, ergänzte der Leiter des Kupferstichkabinetts, Thomas Döring. Zumal beide ja nicht direkt nach der Natur, sondern nach zum Teil gemeinsamen Vorlagen ihre Pergamente komponiert hätten. Die Mappe mit den 49 Blättern, die bereits vor 1785 ins Museum gelangten (wie, weiß man nicht), sei aber eindeutig Herolt zuzuordnen. Denn sie habe 1698 eigenhändig ein Verzeichnis geschrieben. Jetzt werden die Bilder zum ersten Mal komplett ausgestellt.

Wollten diese Blätter, die oft als Auftragsarbeiten für Naturalienkabinette entstanden, nun Wissenschaft sein oder Kunst oder gar Gotteslob durch zeichnerische Feier der Naturschönheit?

Es war wohl alles in einem. Wobei sich von der Mutter zur Tochter der Akzent etwas mehr zum Ästhetischen neigte: Kustos Andreas Uhr macht plausibel, dass Herolts Blätter plastischer waren, farbintensiver und oft schlichter komponiert als Merians. Wenn man so will: moderner.

Und sie leuchten, lodern, schimmern wie am ersten Tag. Das Wunder der Schöpfung wird verfolgt und vergegenwärtig bis in die feinsten Verästelungen einer Blüte, in die filigransten Linienstrukturen eines Blättchens, die hauchzarte Architektur eines Insektenflügels.

Auf einem Blatt ist ein Laubfrosch zu entdecken, der vor einer prachtvoll emporflammenden Lilie auf dem Rücken liegt: Womöglich – mit feiner Ironie eingefügt – eine Betrachterfigur: schier überwältigt von der Schönheit.

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