Jetzt wird er wild

Braunschweig  Lienhardt von Monkiewitsch zeigt und erklärt sein Lebenswerk.

Der Künstler vor seinem Bild „Die Macht der Skizze“ von 1981.Foto: Nahrwold

Der Künstler vor seinem Bild „Die Macht der Skizze“ von 1981.Foto: Nahrwold

„Ich war beeindruckt von den Riesenformaten der amerikanischen Farbfeldmalerei. In der Größe wollte ich auch mal arbeiten.“ So startet Lienhard von Monkiewitsch die Führung durch seine Ausstellung „Überräume“ im Städtischen Museum. „Die Gelegenheit dazu bekam ich 1979 als Stipendiat der Villa Massimo in Rom: Mein Atelier dort war acht Meter hoch!“

Der ehemalige HBK-Professor steht vor zwei Werken aus dieser Zeit, Leinwänden im Format von etwa 4 mal 3-5 Metern. Auf der Fläche täuschen sie dreidimensionale Ensembles von Kuben vor, die, nach hinten wegstürzend, über dem Boden schweben; durch einen Spalt schimmert kaltes Neonlicht. Die Malschichten aus römischen Erden und sizilianischer Vulkanasche haften als dicke Krusten auf dem Grund.

Begonnen hat Monkiewitsch 1970 als 23-Jähriger mit akribischen Zeichnungen von Fußböden. Das Thema Raum zieht sich durch sein Lebenswerk. Innerhalb eines strengen Regelwerks entfaltet es eine erstaunliche Bandbreite an Variationen bis hin zu den jüngsten Arbeiten, in denen nun auch eine „wilde“, gestisch bewegte Malerei zum Zuge kommt. „Ich bin weniger ein denkender als ein spielender Mensch, ein Homo ludens“, sagt der Maler.

Zwei spätere Arbeiten zeigen sich überlappende farbige Rechtecke, wobei die Überschneidung, ein transparentes Weiß, wie eine Plexiglasscheibe anmutet. In Wirklichkeit ist dies auf „die schlimmsten, spelzigsten Hartfaserplatten gemalt. Diesen Kontrast von schöner Illusion und Banalität des Materials mag ich“, so Monkiewitsch. Den gleichen Effekt erzielte er mit Beton und schwerem Eichenholz aus dem 17. Jahrhundert als Malgrund.

Für die Folge „Rekonstruktion eines Zufalls“ bat der Künstler seine Freunde, aus Pappe geschnittene Quadrate zu werfen, und übernahm dann deren zufällige Anordnung ins Bild. „So kombiniere ich Exaktes mit Unkontrolliertem.“ Dabei entwickelte er sein charakteristisches, den Blick in die Tiefe saugendes Schwarz: Auf die feuchte Ölfarbe stäubt er mehrere Schichten Pigment und reibt sie mit einer Bürste ein, bis die Farbschicht gesättigt und völlig glanzlos ist; die nach unten rieselnden Partikel bilden einen schwarzen Nebel, der eine Bewegung der Quadrate auf ultramarin leuchtendem Grund suggeriert.

In der Serie „Zwei Schnitte in das suprematistische Rechteck“ von 1987 trennte er von diesem schwarzen Rechteck zwei schmale, lange Dreiecke ab, um sie an anderer Stelle wieder anzufügen. Über 200 Varianten hat er ausgeführt. Bekannt wurde er für seine Verwendung der Fibonacci-Zahlen. Oft legte er die Breite der farbigen Ränder – Rot, Grün, Blau, Gelb – nach diesen Zahlen fest und füllte das Feld dazwischen mit Schwarz aus. Einmal sprang dabei genau Malewitschs Quadrat heraus. „Malewitsch war mein Säulenheiliger“, bekennt Monkiewitsch. „Aber mit diesem Bild habe ich ihn in mir abgeschafft.“ Seinem Œuvre hat das gut getan.

Bis 8. Juli, Di.-So. 10-17 Uhr; Künstlerführung am 23. Juni um 15 Uhr.

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