Richy Müller bei VW  – ein Gast, kein Ermittler

Frankfurt  Die komplette VW-Konzern-Familie versammelt sich in Halle 3. Die Marke VW zeigt ein neues I.D.-Modell.

Parallel-Universen sind nicht immer Science-Fiction – etwa in Frankfurt. Vor dem Messegelände sollen schwer bewaffnete Polizisten Sicherheit gewährleisten. Ein martialischer Anblick, der vor wenigen Jahren noch Aufsehen erregt hätte, inzwischen aber zum Alltag gehört. Auf der anderen Seite des Zauns, auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), ein ganz anderes Bild: In zahllosen, zu aufwendigen Shows gepimpten Premieren werden unter grellen Lichtblitzen die neuesten Modelle der automobilen Welt gefeiert. Doch trotz des Aufwands: Wegen der Verdichtung geraten die einzelnen Spektakel zu einer Art Massenware.

In einem ganz eigenen Universum ist VW auf der IAA präsent. Der Konzern belegt mit seinen Marken gleich die komplette Halle 3. Zwischen Audi und Porsche, Bugatti und Lamborghini wirkt der Stand der Konzern-Kernmarke VW fast schon schlicht, aber auch nur fast. Neben den Brot-und-Butter-Modellen, die das Geld für die Zukunftsinvestitionen einspielen, werden den Besuchern natürlich auch Neuerungen gezeigt. So können sie beispielsweise selbst Assistenzsysteme ausprobieren, die in den nächsten Jahren mehr und mehr das Autofahren durchdringen werden.

Die vielen ausgestellten Modelle überragt eine Studie der Konzerntochter VW-Nutzfahrzeuge. Der Campingwagen California XXL basiert auf dem Crafter und ist mit seinen sechs Metern etwa einen Meter länger als der T6. Das Hochdach ist komplett verglast, lässt somit viel Licht ins Fahrzeuginnere. Eine Küchenzeile gehört genauso dazu wie vier Schlafplätze. Und weil die technische Entwicklung nicht vor dem Campingurlaub stehen bleibt, finden sich im ganzen Auto USB-Anschlüsse. Ein Clou ist der Beamer, der das Bild auf eine Schrankwand projiziert – so lässt sich auch im Campingurlaub bequem im Bett ein Film sehen. Wann dieses Auto für Menschen mit viel Fernweh gebaut wird, ist ebenso offen wie der Preis.

Zuwachs hat die VW-I.D.-Familie bekommen. Zum Kompaktwagen I.D. und dem Kleinbus I.D. Buzz gesellt sich nun noch der I.D. Crozz –ein Mischling aus SUV und Coupé. Die Autos der I.D.-Familie werden rein elektrisch angetrieben.

Erstmals folgt ihre Architektur nicht mehr der von Autos mit Verbrennungsmotor. Das erlaubt eine freiere Raumgestaltung. Für diese Modelle baut VW ein eigenes Baukastensystem auf – den Modularen Elektrifizierungs-Baukasten (MEB) –, um Teile und Produktion aus Kostengründen zu vereinheitlichen und vereinfachen. Die Produktion der I-D.-Modelle soll 2019 starten, 2020 sollen sie dann verkauft werden.

Die Vorbereitung für die Serienfertigung wird neun bis elf Monate vorher beginnen, sagte Frank Welsch, Chefentwickler der Marke VW, unserer Zeitung. Dazu gehört unter anderem der Aufbau der Produktionsanlagen. Wo die E-Modelle gebaut werden, ist nach Angaben Welschs noch nicht entschieden. Es biete sich aber ein deutsches Werk an. „Dann sind das Know-how, die Fachleute, die technische Entwicklung und die Anlauf-Erfahrung immer in der Nähe“, sagte er. Das klingt nach Wolfsburg.

Neue Wege hat der VW-Konzern bei seinem Konzernabend beschritten. Diese Veranstaltung zum Auftakt der IAA fand, um Kosten zu sparen, nicht mehr in einer eigenen Halle statt, sondern direkt in der Ausstellungshalle auf dem Messe-Gelände. 1500 Besucher waren der Einladung des Konzerns gefolgt. Unter ihnen waren Promis wie Andries Jonker, Trainer der Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg, und ARD-Tatort-Kommissar Richy Müller.

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