Chinas Autobauer wollen nach Europa

Frankfurt  Chery und Wey treten auf der IAA voller Selbstbewusstsein auf. Sie bieten SUV an und setzen auf E-Antriebe.

Während Autobauer wie Daimler oder Volkswagen eigene Hallen belegen, führen chinesische Hersteller auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt ein Schattendasein – noch. Die überschaubaren Stände der chinesischen Unternehmen Chery und Great Wall Motors mit seiner Marke Wey gehen in der riesigen Messehalle 8 beinahe unter. Darunter leidet das Selbstbewusstsein des Managements beider Autobauer aus dem Reich der Mitte aber keineswegs. Ihre Botschaft: Sie wollen den europäischen Markt erobern. Zur Zielgruppe zählen beide Unternehmen junge, hippe, dynamische Kunden.

Während die junge Marke Wey bislang noch auf den chinesischen Markt fokussiert ist, verkauft Chery seine Autos nicht nur in China, sondern auch in anderen Teilen Asiens, in Russland und in Südamerika. Chery-Vorstandschef Anning Chen berichtete gestern, dass sich das Unternehmen seit seiner Gründung vor 20 Jahren vom Produzenten von Verbrennungsmotoren zum weltweit führenden chinesischen Auto-Hersteller entwickelt habe.

Von den insgesamt 6,1 Millionen Autos, die Chery bisher verkauft habe, seien 1,2 Millionen im Ausland abgesetzt worden. Dass der Abstand zu den globalen Autoriesen dennoch riesig ist, zeigt folgender Vergleich: Der VW-Konzern verkauft aktuell 6 Millionen Autos in nur etwas mehr als sieben Monaten.

Wann Chery nach Europa will, ist nach Unternehmensangaben noch offen. „In den nächsten Jahren“, sagte ein Sprecher. Klar ist aber, dass dann keine veralteten Autos zu uns kommen. Die in Frankfurt gezeigten Modelle sind überwiegend SUV oder ans SUV-Segment angelehnt. Damit bedient Chery einen globalen Trend: Kein Fahrzeugsegment wächst weltweit so stark wie das der Gelände-Limousinen. Deren Anbindung ans Internet ist ebenso selbstverständlich wie der Einsatz von Fahrer-Assistenten.

Ein Punkt, den beide chinesischen Autobauer ganz besonders hervorheben: Ihre Modelle bestünden selbst die strengsten Crashtests mühelos. Frühere Modelle aus China fielen noch in sich zusammen, wenn sie auf ein Hindernis trafen. Dieses Manko hatte das Image „Made in China“ nachhaltig beschädigt. Qualität und Sicherheit sind nun aber zwei Begriffe, die in den Präsentationen sehr häufig fallen.

Mit Blick auf die Motoren setzen die chinesischen Hersteller stark auf Elektro-Antriebe. Kein Wunder, ist das Reich der Mitte doch Schrittmacher bei der Entwicklung der E-Mobilität. Daher werde Chery seine Autos in Europa gar nicht mehr mit Verbrennungsmotor anbieten, sondern rein elektrisch oder als Plug-in-Hybrid, sagte ein Sprecher. Vorstandschef Chen betonte: „Bis 2025 werden wir auf dem Markt der Nicht-Verbrennungsmotoren führender Hersteller sein.“

Auch Jens Steingräber, Chef der Great-Wall-Marke Wey, gab sich angriffslustig. Er sei sicher, dass sich Wey in naher Zukunft zu einem weltweit führenden Hersteller von Premium-SUV entwickeln werde. Great Wall Motors ist nach eigenen Angaben bereits der größte chinesische SUV-Produzent. Die Tochter Wey zielt nun ins Premium-Segment. Weil Wey ein rein chinesisches Unternehmen sei, könne es das aktuelle System „von Joint Ventures, die Autos zu atemberaubenden Preisen verkaufen“, durchbrechen, betonte Steingräber – eine Kampfansage gegen die Kooperationen von gestandenen ausländischen Autobauern wie etwa VW mit chinesischen Partnerunternehmen. Das Konzept von Wey lautet also: Luxus zum Niedrigpreis. „Das ist ein neuer Standard für die gesamte Autoindustrie“, sagte Steingräber.

Die gestern gezeigte SUV-Studie XEV von Wey verfügt über zwei E-Motoren, beschleunigt in 4,6 Sekunden auf Tempo 100 und soll mit einer Ladung 530 Kilometer bewältigen können. Das Auto soll zudem dank Assistenten vollautomatisch und kabellos geladen werden können.

Obwohl Steingräber Wey als rein chinesischen Autobauer anpreist, will er auf eine internationale Komponente nicht verzichten. So erläutert er gegenüber unserer Zeitung, dass es in Deutschland bereits ein Entwicklungszentrum gebe, ein zweites sei in München geplant, ein weiteres in den USA. „Wir brauchen internationale Standorte“, sagte Steingräber. Wohl auch, weil der Sprung auf andere Märkte längst geplant ist. Zunächst aber gelte es, das Händlernetz in China zu verdichten.

Trotz seiner Begeisterung für die chinesische Autoindustrie behält Steingräber, der nach eigenen Angaben 30 Jahre für Audi gearbeitet hat, die deutsche Branche im Blick. „VW ist eine sehr gute Marke“, sagte er zum Abschied und warnte davor, den Ruf des Wolfsburger Autobauers weiter zu beschädigen.

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