6 Millionen Euro für den Bienenschutz in Braunschweig

Braunschweig.  Tausende Quadratmeter städtischer Flächen sollen „wildbienengerecht“ werden und die Löwenstadt damit zur „Bienen-Hauptstadt“ Deutschlands.

Weidenkätzchen locken Bienen schon früh im Jahr an.

Weidenkätzchen locken Bienen schon früh im Jahr an.

Foto: Boris Roessler / picture alliance/dpa

Die Stadt Braunschweig und das Julius-Kühn-Institut (JKI) wollen die Löwenstadt zur „Bienenhauptstadt Deutschlands“ machen. Für das Projekt stehen in den nächsten Jahren rund sechs Millionen Euro an Fördergeldern zur Verfügung. Sie kommen von Bund, Land und aus Mitteln der Stadt. „Ziel ist es, Braunschweig in ein Refugium für verschiedene Wildbienenarten zu verwandeln, in dem sie Nahrung und Lebensraum finden“, erklärt der Erste Stadtrat Christian Geiger. Mit den Millionen sollen städtische Flächen „wildbienengerecht“ gemacht werden. Dächer und Fassaden sollen zusätzlich begrünt werden. Laut JKI-Experte Henri Greil sei der urbane Raum mit seiner kleinteiligen Struktur besonders geeignet, Insekten anzulocken. „Zunächst muss aber erhoben werden, wie viele Bienenarten bei uns leben“, so Greil.

„Oft wird an Bedürfnissen der Bienen vorbeigeplant“

Interview mit dem Bienen-Fachmann Henri Greil vom Julius-Kühn-Institut (JKI). Der studierte Architekt erklärt, wie Braunschweig zur „Wildbienenhauptstadt“ in Deutschland werden soll. Mit ihm sprach Dirk Breyvogel.

Was muss passieren, damit die Bienen sich in Braunschweig besonders wohlfühlen?

In den letzten Jahren sind die aufgestellten Nisthilfen oft leer geblieben. Leider wurde bei der Gestaltung von freien Flächen, ohne es zu wissen, in den letzten Jahren an den Bedürfnissen der Insekten vorbeigeplant. Das ist leider ein Phänomen, das deutschlandweit zu beobachten ist. Wir wollen in Braunschweig Vorreiter sein, das sich das ändert.

Was soll mit den Fördergeldern passieren, die jetzt zur Verfügung stehen?

Das Geld kommt aus zwei Fördertöpfen. Einer soll der Förderung der biologischen Vielfalt in der Stadt dienen, der andere beinhaltet Klimaschutzmaßnahmen. Wir als JKI begleiten die Maßnahmen und schauen, dass das Geld am Ende auch der Erweiterung der Wildbienenpopulation zugute kommt. Und wir wollen städtische Flächen und Gebäude begrünen. Wir erhoffen uns dadurch, dass der Anteil von C0 und Feinstaub in der Luft sinkt und gleichzeitig für Bienen die Anreize geschaffen werden, dort dauerhaft heimisch zu werden.

Sind Städte für Bienen attraktiver als ländliche Regionen?

Ja, denn sie sind im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Flächen kleinstrukturiert und abwechslungsreicher. Hier gibt es Bäume, Hecken- und Straucharten, die sich als Nahrungsquelle anbieten und bessere Nistgelegenheiten aufzeigen als die meisten ländlichen Räume. Es gibt Studien aus Großbritannien, die zeigen, dass vor allem Schreber- und Kleingärten sehr gerne von Bienen angeflogen werden.

Was sind Ihre Aufgaben konkret?

Zunächst steht ein Bienen-Monitoring an. Er soll aufzeigen, welche Bienenarten hier leben. In Deutschland gibt es rund 560 Arten. In Braunschweig ist die Datenlage noch sehr übersichtlich. Das müssen wir als erstes ändern.

Was folgt dann?

Es sollen auf einer Fläche von rund 100.000 Quadratmetern Wiesen, Blühstreifen sowie Staudenpflanzungen entstehen. Sechs weitere Streuobstwiesen und die Pflanzung von 500 Kopfweiden sind geplant. Dazu muss man wissen, dass dreiviertel aller Wildbienenarten im Boden nisten. Im urbanen Bereich wollen wir Dachflächen und Fassaden begrünen. Wir erhoffen uns den Effekt, dass sich auch für die Bürger so spannende städtische Räume entwickeln, die es neu zu entdecken gilt. Wir kooperieren hier eng mit dem Fachbereich Stadtgrün und Sport der Stadt Braunschweig. Denn es ist wichtig sich abzusprechen, wenn es beispielsweise um das Mähen von städtischen Wiesen oder Blühstreifen geht. Hier geht es darum, die Nahrungsverfügbarkeit für Bienen aufrecht zu erhalten.

Was ist Ziel des Projekts?

Es gibt in keiner anderen Stadt in Deutschland ein so umfängliches Projekt wie dieses. Unser Anspruch ist, dass wir die Bienenvielfalt und die Anzahl der Bienen insgesamt massiv erhöhen können. Ende 2022 ziehen wir dann eine Bilanz. Dann wissen wir, ob sich Braunschweig zu Recht „Wildbienenhauptstadt“ nennen darf.

Unser Leser Volker Eckhardt aus Braunschweig fragt: Was können Gartenbesitzer tun, um das Projekt zu unterstützen?

Es ist geplant, dass künftig alle Informationen und der aktuelle Entwicklungsstand auf einer Internetseite abrufbar sind. Diese befindet sich aber noch im Aufbau. Da bitte ich um etwas Geduld. Wir erhoffen uns über den Austausch Hinweise aus der Bevölkerung, wo Wildbienen in größerer Anzahl nisten.

Warum sind die Bienen eigentlich so wichtig in der Natur? An ihrem Wohl hat sich ja sogar der Volksentscheid in Bayern entzündet, an dem sich sehr viele Menschen beteiligt haben...

Die Bienen sind eine sogenannte Schlüsselart. Das bedeutet, von ihnen profitieren viele andere Tier- und Pflanzenarten. Die Bienen sind die Insekten, die mit Abstand am meisten Bestäubungsarbeit leisten. Wenn Wild- und Kulturpflanzen nicht bestäubt werden, entwickeln sich diese zurück. Den Tieren, unter anderem Vögeln, fehlt es an Früchten. Und die Menschen brauchen eine vielfältige Flora, um auf Dauer zu überleben.

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