Neues Schuljahr, altbekannte Probleme in Niedersachsen

Hannover.  Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) steht nach Einschätzung der GEW ein weiteres Problemjahr an den Schulen bevor.

Laura Pooth, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, und Christian Hoffmann, Pressesprecher der GEW, bei einer Pressekonferenz am Montag in Hannover.

Laura Pooth, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, und Christian Hoffmann, Pressesprecher der GEW, bei einer Pressekonferenz am Montag in Hannover.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Was tut die Landesregierung gegen den Lehrermangel?

Das fragt eine Leserin aus Gifhorn, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Das Thema recherchierte Michael Ahlers.

Es war der 8. August 2018, als Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) einen „Stabilisierungspaket Schulqualität in Zeiten des Lehrkräftemangels“ vorstellte. Zu den Punkten des Plans zählten eine höhere Besoldung der Grund-, Haupt- und Realschullehrer, höhere Zuverdienstgrenzen für pensionierte Lehrer, eine bessere Bedarfsplanung mit „Anpassen“ der entsprechenden Ausbildungskapazitäten für die angehenden Lehrer und auch eine Werbekampagne für den Beruf. In einem Brief warb Tonne im März 2019 außerdem bei „Bestandslehrkräften“ um freiwillige Mehrstunden . Der Ausgleich könne dann auch durchaus finanziell erfolgen.

Der Kampf um Lehrer und bessere Unterrichtsversorgung gehört zum Kerngeschäft der Landesregierungen. Schon niedersächsische Kultusminister wie Rolf Wernstedt (SPD) ersannen Modelle flexibler Arbeitszeitregelungen in Zeiten erhöhten Bedarfs, und nicht nur die CDU-Ministerin Elisabeth Heister-Neumann ließ notgedrungen umfangreiche Maßnahmenkataloge gegen Lehrermangel und für mehr Unterricht entwickeln . „Die Versorgung mit Lehrkräften stellt gegenwärtig für alle Länder eine große Herausforderung dar“, sagte der gegenwärtige Amtsinhaber Tonne im Juni im Landtag.

Gelöst ist sie offenbar nicht. „Unverkennbare Probleme“ gebe es an den Haupt-, Real- und Oberschulen, erklärte jedenfalls ein Sprecher des Ministeriums am Montag. Insbesondere in ländlichen Regionen gebe es an diesen weiterführenden Schulen ohne gymnasiales Angebot einen spürbaren Bewerbermangel. „Da gegenzusteuern wird eine Hausaufgabe sein. Entsprechende Maßnahmen sind in der Vorbereitung und werden auch vorgestellt“, hieß es mit Blick auf die geplante Schuljahres-Pressekonferenz von Minister Tonne am Mittwoch. „Ein freiwilliges Arbeitszeitkonto kann durchaus ein Baustein sein, um mehr Unterrichtsstunden zu generieren“, bekräftigte der Sprecher eine Forderung der GEW. Darüber werde der Minister mit den Verbänden in Gespräche gehen. Die GEW hatte zwei Tage vor Tonne zum Ausblick aufs Schuljahr gebeten.

Zu den Dauerbrennern der Diskussion zählt auch der Appell an Teilzeitlehrer, ihre Stundenzahl vielleicht doch zu erhöhen. Weiter setzen Länder in der Not vermehrt auf Quereinsteiger und auch Pensionäre.

An Gesprächen und runden Tischen aller Art hat es allerdings auch in der Vergangenheit selten gemangelt. Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) wies am Montag auch noch einmal unter anderem auf 1425 zusätzliche Planstellen für Studienräte an Gymnasien und Gesamtschulen zum August 2020 hin. Niedersachsen kehrt zurück zum Abitur nach 13 Jahren. Das Ganze sei auf Kante genäht, meinte Niedersachsens GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth zur Lage vor dem neuen Schuljahr 2019/2020.

Nach Einschätzung der GEW fehlt es für den Befreiungsschlag vor allem am politischen Willen. Die Bildungsgewerkschaft fordert neben mehr Studienplätzen seit langem eine bessere Bezahlung der Lehrer von Grund- bis Oberschulen.

Mit Zulagen hatte Tonne versucht, den Abstand zu Gymnasiallehrern zu mindern . GEW wie der Philologenverband mahnen auch eine verlässliche Bedarfsplanung des Landes an – also eine Antwort auf die Frage, wie viele Lehrer eigentlich künftig gebraucht werden. Eine entsprechende Arbeitsgruppe von Kultus- und Wissenschaftsministerium habe aber bisher keine Ergebnisse vorgelegt, sagte Pooth. Niedersachsen müsse Investitionen in Bildung ermöglichen, forderte sie weiter. Für die Forderung, dazu auf die Schuldenbremse zu verzichten, gebe es längst auch Unterstützung wirtschaftsnaher Ökonomen.

Die Lehrergewerkschaft setzt nun verstärkt auf die Unterstützung von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). „Es wird in Kürze ein Gespräch mit ihm stattfinden“, sagte Pooth. Für Kultusminister Tonne gibt es allerdings mindestens einen Hoffnungsschimmer am Horizont: Der Saldo der jüngsten Einstellungsrunden – Neueinstellungen einerseits und Pensionäre – war jeweils positiv.

Der Landeselternrat wiederum hatte an die Lehrer appelliert, ihren Beruf nicht zu negativ zu sehen – und dadurch Nachwuchs abzuschrecken.

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