Handschuhe – in Corona-Zeiten Helfer in der Not?

Wolfsburg.  Ob das Tragen von Gummihandschuhen vor einer Ansteckung hilft, hängt von den Gewohnheiten und der Art des Gebrauchs ab, sagen Experten.

25.03.2020, Baden-Württemberg, Eßlingen: Ein Markthändler gibt mit Handschuhen eine Tüte an eine Kundin. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen ist das öffentliche Leben weitgehend zurück gefahren. Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

25.03.2020, Baden-Württemberg, Eßlingen: Ein Markthändler gibt mit Handschuhen eine Tüte an eine Kundin. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen ist das öffentliche Leben weitgehend zurück gefahren. Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

An öffentliche Orte zu gehen, was für gewisse Erledigungen nun mal unvermeidlich ist, ist derzeit so eine Sache: Muss ich dabei unterwegs viele Flächen berühren, die möglicherweise kontaminiert sind? Wie kann ich mich schützen? Immer mehr Menschen sind deshalb mit Handschuhen unterwegs, etwa im Supermarkt, in der Apotheke oder beim Tanken. Apotheken bestätigen, dass es seit Beginn der Corona-Krise ein deutlich erhöhtes Bestellvolumen nicht nur bei Schutzmasken, sondern auch bei Einmalhandschuhen gibt. Daher werden Kunden mancherorts sogar aufgefordert, den Einkauf auf den persönlichen Bedarf zu beschränken, um die Versorgung aller Kunden gewährleisten zu können.

Gummihandschuhe auf links ausziehen

Wer seine Hände bedeckt, kommt mit Flächen nicht direkt in Kontakt, so der logische Gedanke. Aber sind Handschuhe als Schutzmaßnahme wirklich sinnvoll? Virologe Professor Luka Cicin-Sain vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig knüpft an das Tragen von gummierten Handschuhen die Bedingung, dass man sie oft genug wechselt. Dann sei es durchaus sinnvoll und könne etwa bei einem Arbeitsablauf mit Risikopotenzial helfen, wenn man danach die Handschuhe auszieht oder wechselt. Dabei sei es allerdings wichtig, den Handschuh auf links auszuziehen, sodass es nicht zum Kontakt mit der äußeren Oberfläche des Handschuhs kommt.

Dr. Wolfgang Schneider-Rathert, Facharzt für Allgemeinmedizin in Braunschweig, macht die Antwort auf die Handschuh-Frage abhängig von den persönlichen Gewohnheiten: „Fasse ich mir mit Handschuhen seltener ins Gesicht, dann sind sie sinnvoll. Fasse ich mir dennoch genau so oft ins Gesicht, sind sie sinnlos. Wer sich mit mindestens 70-prozentigem Alkohol die Hände regelmäßig desinfiziert, kann auf das Handschuhtragen im Alltag verzichten.“ Viel wichtiger sei das Tragen von selbstgenähtem Mundschutz. „Mundschutz schützt vor Tröpfchen wie ein Regenschirm, Handschuhe können diesen Schutz ähnlich wie Gummistiefel ergänzen“, sagt Schneider-Rathert.

„Gründliches Händewaschen ist sinnvoller“

Dr. Emily Wimmer von der Online-Arztpraxis Zava glaubt zwar auch, dass Latexhandschuhe die Hände vor Kontakt mit dem Coronavirus schützen können. „Die Gefahr ist aber, dass sich viele Menschen durch das Tragen von Handschuhen in falscher Sicherheit wägen und dementsprechend nachlässiger bei wichtigeren Hygieneregeln verhalten. Wenn man sich mit den Handschuhen ins Gesicht fasst, wird das Virus nämlich genauso übertragen. Es ist außerdem nachgewiesen, dass regelmäßiges Händewaschen für mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife viel sinnvoller ist als das Tragen von Handschuhen.“

Coronavirus in der Region – hier finden Sie alle Informationen

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