Bis zu neun Corona-Impfzentren sollen in der Region entstehen

Braunschweig.  Jeder Landkreis wird wohl ein Impfzentrum erhalten, Braunschweig womöglich sogar zwei. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Möglichst bald soll mit der Impfung großer Teile der Bevölkerung in Niedersachsen gegen das Coronavirus begonnen werden.

Möglichst bald soll mit der Impfung großer Teile der Bevölkerung in Niedersachsen gegen das Coronavirus begonnen werden.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Die Erfolgsmeldungen aus der Corona-Forschung machen große Hoffnung. Doch wie sollen Millionen von Niedersachsen geimpft werden? Erst ab etwa 60 Prozent herrscht eine Herdenimmunität.

Niedersachsen wolle und werde vorbereitet sein, wenn die ersten Impfstoff-Chargen eintreffen, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) am Donnerstag bei der Vorstellung des Impfkonzepts der Landesregierung. Deshalb soll bereits jetzt die Planung für den Aufbau der bis zu 60 Impfzentren im Land beginnen – obwohl noch gar nicht klar ist, wann und in welcher Menge der erste Impfstoff in Niedersachsen verfügbar sein wird.

Die Aufgaben sind laut Innenminister Boris Pistorius (SPD) dabei wie folgt verteilt: Das Land kümmert sich um die Verteilung des Impfstoffs und trägt die gesamten Kosten. In Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung wird das Land zudem Ärzte rekrutieren, die die Impfungen vornehmen. Die Kommunen sollen geeignete Räumlichkeiten finden und im Auftrag des Landes die Impfzentren errichten und betreiben.

Das Land hat das Konzept, das unserer Zeitung vorliegt, am Donnerstag zusammen mit dem Landkreistag vorgestellt. Ebenfalls gestern erhielten die Kommunen das Konzept. Die Suche nach geeigneten Standorten beginnt also jetzt.

Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten:

Sind die Impfzentren wirklich notwendig?

Auch wenn so mancher Corona-Skeptiker es immer noch nicht wahrhaben will: Die Fallzahlen stagnieren trotz des erneuten partiellen Lockdowns auf hohem Niveau. Erst gestern meldete das Landesgesundheitsamt wieder 1527 Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag. Die Gesamtzahl liegt bei 59.674 gemeldeten Covid-19-Infektionen in Niedersachsen. Insgesamt wurden dem Landesgesundheitsamt 964 an Covid-19 Erkrankte als verstorben gemeldet. Das sind 16 mehr als am Vortag.

Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) sprach zwar angesichts des bald verfügbaren Impfstoffs von Zuversicht. Die Braunschweigerin machte aber klar: „Wir haben noch harte Wintermonate vor uns.“ Wir alle müssten unsere Kontakte noch stark einschränken, um die Lage zu stabilisieren.

Wo sollen Impfzentren entstehen?

Das ist noch nicht ganz klar. Das Gesundheitsministerium will wohl in fast jedem der 45 Landkreise und kreisfreien Städte in Niedersachsen ein Impfzentrum errichten – in Messehallen, Veranstaltungssälen, Gemeindehäusern und Kliniken. Insgesamt sind landesweit etwa 60 geplant. Einzig der Landkreis Lüchow-Dannenberg wird wohl kein eigenes Impfzentrum erhalten. Ein Impfzentrum soll etwa 150.000 Einwohner abdecken.

In unserer Region sollen – Stand jetzt – Wolfsburg und Salzgitter sowie die Landkreise Gifhorn, Peine, Helmstedt, Wolfenbüttel und Goslar je ein Impfzentrum erhalten. Braunschweig sogar zwei Impfzentren. Also selbst der Landkreis Helmstedt mit seinen etwa nur 91.000 Einwohnern soll sein eigenes Impfzentrum bekommen.

„Orte und die exakte Zahl der Impfzentren werden sich in den kommenden Wochen ergeben“, sagte Innenminister Pistorius. Aufbau und Betrieb liegt in der Hand der Landkreise und kreisfreien Städte, an der Organisation der Massenimpfungen sollen der Katastrophenschutz, Hilfsorganisationen und die Bundeswehr beteiligt werden. In Niedersachsen sollen dafür fünf bis sechs von bundesweit 60 Impf-Verteilzentren entstehen.

Wann nehmen die Impfzentren ihren Betrieb auf?

Dass die Impfzentren gleich zu Beginn des nächsten Jahres in Betrieb gehen, hält Ministerin Reimann für sehr unwahrscheinlich. Sie sprach vom 2. Quartal. Das hängt nicht damit zusammen, dass die Kommunen es so schnell nicht hinbekommen würden. Das liege ganz einfach daran, dass Niedersachsen in den ersten Monaten des neuen Jahres wohl noch nicht über genügend Impfdosen verfügen wird. Die ersten Impfungen werden daher in der Hand von mobilen Teams liegen. Die mobilen Teams werden auch dann noch eingesetzt, wenn die Impfzentren längst in Betrieb sind. Sie sollen gezielt Alten- und Pflegeheime und Kliniken ansteuern. Später sollen dann die Hausarztpraxen die Impfungen übernehmen. Wann das der Fall sein wird, steht noch nicht fest. Laut Reimann sind die etwa 60 Impfzentren eine „Brückenlösung“.

Welche Rolle spielen die Lagerbedingungen?

Eine große. Die Minister Reimann und Pistorius waren am Donnerstag so ehrlich und erklärten, dass die Logistik und auch die Lagerbedingungen der Impfdosen noch nicht vollkommen geklärt seien. Die größte Herausforderung spielt dabei der derzeit am weitesten entwickelte Impfstoff: Das ist der von Biontech aus Mainz und Pfizer aus den USA. Er muss bei minus 70 Grad gelagert werden. Bei anderen derzeit entwickelten Corona-Impfstoffen wird eine Kühlschranktemperatur ausreichen.

Wer wird als erstes geimpft?

Die Braunschweigerin Reimann machte klar, dass diese Frage nicht vom Land Niedersachsen geklärt wird, sondern von der Ständigen Impfkommission (Stiko). Die Bundesregierung erwartet laut Reimann in zwei bis drei Wochen eine Empfehlung der Expertengruppe. Niedersachsen wird der Stiko-Empfehlung dann folgen.

Schon klar ist aber jetzt: Vorrang werden Risikogruppen sowie Beschäftigte in Kliniken, Heimen, Kindergärten und Schulen haben. Die Impfzentren sollen vorrangig in Niedersachsen Versicherten offen stehen. Berufspendler, etwa aus Hamburg oder Bremen, kommen aber auch infrage. Die beiden benachbarten Stadtstaaten legen aber ein eigenes Impfkonzept vor.

Wie bekomme ich einen Termin?

Das Land plant ein einheitliches, zentrales Terminmanagement, das neben Onlinebuchungen auch auf ein Bürgertelefon und einen Bürgerservice – vor allem für ältere Bürger – setzt. Erforderlich ist nach der ersten Impfung ein zweiter Termin. Je nach Impfstoff wird dieser nach 14 oder 21 Tagen sein.

Angesichts des enormen Aufwands für die Kommunen zog Hubert Meyer, der Hauptgeschäftsführer des Landkreistages, mehrfach einen Vergleich zur Flüchtlingskrise in den Jahren 2015 und 2016. Damals suchten Kommunen händeringend nach Unterkünften.

Geprüft wird noch, wie bei der Terminvergabe gewährleistet werden kann, dass jemand zu einer Risikogruppe gehört und sich niemand vordrängelt. Möglicherweise soll dies über einen QR-Code geschehen, den man zuvor von seinem Arzt erhält. Das berichtete Ministerin Reimann. Es gebe solche Überlegungen beim Bund. Ob das praktikabel sei, werde sich zeigen müssen.

Gibt es genug Personal?

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen soll sich darum kümmern, dass genügend Ärzte zur Verfügung stehen. Ein Aufruf ist geplant. Das sei durchaus eine Herausforderung, sagte Reimann, aber es sei auch schon bei den Corona-Testzentren gelungen, genügend Ärzte zu finden. Das Land rechnet mit 20 Impfungen pro Stunde für ein Impfteam, das jeweils von einem Arzt geleitet werden soll.

Ist eine Impfpflicht geplant?

Ministerin Reimann verneinte diese Frage eines Journalisten während der Vorstellung der Impfstrategie ganz entschieden. „Ich erwarte eher, dass sich viele eine Impfung wünschen“, sagte Reimann. Sie versprach, dass das Land die Impfungen dokumentiere, um so mögliche Nebenwirkungen zu erkennen und gegebenenfalls bei den Herstellern melden zu können.

Wer bezahlt die Impfung?

Die Impfungen zahlen die Krankenkassen.

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