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So funktioniert das 9-Euro-Ticket in der Region Braunschweig

| Lesedauer: 8 Minuten
Das kann das 9-Euro-Ticket

Das kann das 9-Euro-Ticket

Mit dem 9-Euro-Ticket kann man zwischen Juni und August in ganz Deutschland mit dem Nahverkehr fahren. Wo man das Ticket kaufen kann und was beachtet werden sollte, zeigt das Video.

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Braunschweig.  Wo man es in der Region Braunschweig-Wolfsburg kaufen kann, wo es gilt und für wen sich der Kauf des 9-Euro-Tickets lohnt, lesen Sie im Überblick.

Manche träumen schon vom ÖPNV-Sommermärchen mit entspannten Ausflüglern auf der Schiene und weniger Autos auf den Straßen. Andere befürchten einen verkehrstechnischen Alptraum mit brechend vollen Zügen und überlastetem Personal: Ab Juni soll jeder für nur 9 Euro im Monat den Nah- und Regionalverkehr in Deutschland unbegrenzt nutzen können – bis August. So hat es die Ampelkoalition in Berlin beschlossen – und mit einigem Knatsch der Bundesrat durchgewunken.

Ziel ist, die Bürger angesichts steigender Energiepreise nicht nur an der Zapfsäule zu entlasten und Impulse für die Verkehrswende zu setzen. Der Verkauf ist am Montag in Niedersachsen gestartet. Der Verkehrsverbund Region Braunschweig (VRB) hat Anfang Mai bekanntgegeben, wie das befristete Angebot in unserer Region aussehen soll. Im Folgenden beantworten wir die wichtigsten Fragen.

Region Braunschweig: Wann und wo kann man das Ticket kaufen?

Erhältlich sein wird das 9-Euro-Ticket voraussichtlich ab dem 20. Mai. Fahrgäste können es an den Vorverkaufsstellen der Verkehrsbetriebe, bei den Fahrerinnen und Fahrern der Busse sowie an den Fahrscheinautomaten in den Straßenbahnen und auf den Bahnhöfen kaufen. Außerdem ist es als Handy-Ticket in der Verkehrsverbund-App „VRB Fahrinfo & Tickets“ erhältlich. Im Bereich „Ticketshop“ der Handy-Anwendung soll es gleich an erster Stelle angeboten werden. Außerdem soll für den Verkauf eine bundesweite Online-Plattform der Verkehrsunternehmen geschaffen werden.

Lesen Sie Tipps zum 9-Euro-Ticket:

Wie lange gilt das 9-Euro-Ticket?

Das Angebot ist begrenzt auf die Zeit vom 1. Juni bis zum 31. August. Jedes 9-Euro-Ticket gilt für jeweils einen kompletten Kalendermonat – für drei Monate würden also 27 Euro fällig. Die Bindung an die Kalendermonate bedeutet auch, dass es nicht möglich sein wird, Fahrkarten für einen monatsübergreifenden Zeitraum – etwa vom
15. Juni bis 15. Juli – zu kaufen.

Wo ist das 9-Euro-Ticket gültig – was kann ich in der Region Braunschweig-Wolfsburg damit fahren?

Die Tickets gelten für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in ganz Deutschland. Für 9 Euro pro Monat kann jeder alle Busse, Bahnen und Züge des Nah- und Regionalverkehrs in der zweiten Klasse nach Belieben nutzen.

Im Großraum Braunschweig beinhaltet das 9-Euro-Ticket auch die Nutzung des telefonisch buchbaren „Flexo“-Busangebots. Ausgenommen ist dagegen der Fernverkehr der Deutschen Bahn – also zum Beispiel ICE- oder IC-Züge. Den Fahrgästen, die das Ticket in verschiedenen Verkehrsverbünden nutzen wollen, rät Jörg Reincke, Geschäftsführer der Braunschweiger Verkehrs-GmbH und des VRB, sich über die regional unterschiedlichen Regeln zu informieren. „Die Möglichkeit, ein Fahrrad mitzunehmen, kann je nach Verbandsgebiet unterschiedlich sein. Da lohnt es, sich im Vorfeld schlau zu machen.“

Für wen rechnet sich der Kauf?

Fast jeder, der gelegentlich Bus oder Bahn fährt, dürfte mit dem 9-Euro-Ticket ein echtes Schnäppchen machen. Lediglich Kinder unter sechs Jahren fahren weiterhin kostenfrei. Das 9-Euro-Ticket ist nicht übertragbar, es gilt also nur für den Ticketinhaber. Bei Fahrten im VRB-Verbundgebiet können Hunde kostenfrei mitgenommen werden. Wer sein Rad mitnimmt, braucht aber weiter eine Fahrradtageskarte.

BSVG und Co.: Wie werden die 9-Euro-Tickets mit Fahrkarten-Abos verrechnet?

Alle Fahrgäste, die für den Zeitraum von Juni bis August Dauerkarten oder Abonnements besitzen, die deutlich teurer als 9 Euro sind, sollen den Differenzbetrag ausgeglichen erhalten. Laut VRB müssen diese Kunden dafür selbst nichts unternehmen. „Für alle Abonnenten wird der monatliche Abo-Preis für den Zeitraum von Juni bis August 2022 automatisch auf 9 Euro angepasst“, teilt der Verkehrsverbund mit. Es werde dann nur der verringerte Betrag abgebucht. Die bereits zugesandten Abo-Karten behalten demnach ihre Gültigkeit, neue Tickets werden nicht verschickt.

Wer eine Abokarte besitzt, die zusätzliche Leistungen beinhaltet, für den gelten diese Leistungen weiterhin – allerdings nur im Gültigkeitsgebiet des VRB. Dies betrifft etwa Mitnahmeregelungen, heißt es in der Mitteilung: „So können Inhaber eines Plus- oder Job-Abos bei Fahrten in den auf der Abo-Karte eingetragenen Tarifzonenwerktags ab 19 Uhr sowie am Wochenende und an niedersächsischen Feiertagen einen Erwachsenen und bis zu drei Kinder zwischen 6 und 14 Jahre oder anstelle eines Erwachsenen ein Fahrrad kostenfrei mitnehmen.“

Das sagt die VRB: Wie ist es mit Schüler- und Semestertickets?

Was für die Abos gilt, gilt auch für die Schülertickets. „Auch bei ihnen werden in dem betreffenden Zeitraum nur 9 Euro pro Monat abgebucht“, erklärt VRB-Sprecherin Gisela Noske auf Nachfrage unserer Zeitung. Und auch Studierende, die über ein Semesterticket verfügen, sollen von dem Entlastungspaket profitieren. Für sie sollen die gleichen Bedingungen gelten. Reincke berichtete auf Anfrage unserer Zeitung Anfang Mai: „Wir verhandeln derzeit mit den betroffenen Hochschulen und Studentenvertretungen über eine möglichst einfache und praktikable Lösung.“

Mit welchem Andrang rechnen die Verkehrsbetriebe?

Schon vor dem Verkaufsstart am 23. Mai erhielten die Geschäftsstellen der Verkehrsbetriebe in unserer Region nach eigenen Angaben schon zahlreiche Anfragen danach. Deshalb und weil der Zeitraum des 9-Euro-Tickets mit den Sommerferien zusammenfällt, rechnete der VRB damit, dass das Angebot „gut angenommen“ werde. Andererseits sei die Situation, vor allem in den städtischen Bussen und Bahnen, in der Ferienzeit erfahrungsgemäß entspannter, sagte Reincke. Dies spreche gegen eine mögliche Überlastung, zumindest in Braunschweig.

Dass der VRB sein Angebot im Nah- und Regionalverkehr für die 9-Euro-Aktion nicht aufstockt, hat aber auch andere Gründe als die schwer kalkulierbare Zahl der Fahrgäste. „Aufgrund der personellen und technischen Bedingungen“ werde man nur vereinzelt weitere Fahrzeuge einsetzen können, heißt es in der Mitteilung. „Wir bitten um Verständnis, dass Busse und Züge auch schon mal sehr voll werden können oder Fahrgäste keinen Sitzplatz bekommen.“

Schlimmere Zustände werden teils überregional befürchtet. Kurz nach dem Start des Tickets ist das lange Pfingstwochenende. Züge und Personal seien knapp, mahnte etwa ein Bahn-Betriebsrat gegenüber der dpa. Auch Fahrgastvertreter warnen. Schon zu heutigen Preisen seien an sonnigen Wochenenden die Züge von den Großstädten zu touristischen Zielen zum Teil übervoll, sagte Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender von Pro Bahn. Er nannte etwa die Strecken von Berlin an die Ostsee oder von Hamburg nach Sylt. Ohne zusätzliche Regionalzüge seien „chaotische und abschreckende Zustände“ zu erwarten.

Was passiert nach der 9-Euro-Aktion?

Ab September gelten im öffentlichen Nah- und Regionalverkehr wieder die alten Fahrpreise. Einzelne Landesverkehrsminister warnen aber bereits davor, dass die Preise, wenn der Bund nicht künftig mehr Geld gibt, deutlich erhöht werden müssten.

Auch im VRB hofft man deshalb, dass die 9-Euro-Sommeraktion nicht folgenlos bleibt. Ralf Sygusch, Chef des Regionalverbands Großraum Braunschweig und einer der Geschäftsführer des VRB, pocht wie Reincke auf eine bessere Finanzierung des ÖPNV. Nur so könne man das Angebot ausweiten, verbessern und vor allem im ländlichen Raum attraktiver werden, damit mehr Leute häufiger ihr Auto stehen lassen. „Die Erkenntnis wird kommen, dass es dafür mehr braucht als günstige Tickets.“

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