„CDU entschied sich für Solidität“

Die frisch gewählte CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (kurz: AKK)  beim Parteitag in Hamburg.

Die frisch gewählte CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (kurz: AKK) beim Parteitag in Hamburg.

Foto: KAI PFAFFENBACH / Reuters

Alle Leserbriefe beziehen sich auf „Kramp-Karrenbauer führt CDU“ vom 8. Dezember:

Die Entscheidung Merkels, sich nicht für den CDU-Vorsitz zu bewerben, verdeutlicht, dass weder sie noch Deutschland gegen Kräfte immun sind, die die Politik des Kontinents neu ausgerichtet haben: der Aufstieg populistischer Kräfte; der Rückschlag in der Migrationskrise; die Neuausrichtung politischer Verwerfungslinien von der historischen Links-rechts-Spaltung hin zu einem Kampf zwischen liberalen pro-europäischen Werten und ihrem nationalistischen Gegenteil. Merkel bastelte einst aus einem Mix aus CDU-Programm und Ideen der politischen Konkurrenz ein Programm, das Deutschland einte. Sie stand für eine breite politische Mitte. Heute ist in Merkels Regierungsprogramm von Zusammenhalt die Rede, doch das Land ist gespalten. Kramp-Karrenbauer muss die gesellschaftliche Spaltung im Inneren überwinden und sich zu Europa und zur europäischen Integration positionieren. Sie hat exekutive politische Erfahrung im Saarland gesammelt, ist kommunikativ einbindend und steht für konsequentes Handeln in der Migrationspolitik. Ihr analytisches Denken, ihr politischer Instinkt und ihre Durchsetzungsfähigkeit sind geeignet, Merkel zu beerben. Der Mut der CDU, mit Merz eine weitestgehende Erneuerung zu wagen, kam ihr abhanden, nicht zuletzt durch unkluges Verhalten des Kandidaten. Letztlich entschieden sich die Delegierten für Solidität.

Kurt Schlüter, Vordorf

Die Volkspartei CDU wird weiter zerfallen

Mit der Wahl von AKK hat die CDU ihre letzte Chance als Volkspartei verspielt, der Zerfall wird ungebremst weitergehen. Mit dieser Dame als Vorsitzender und zukünftiger Bundeskanzlerin wird es ein Merkelsches „Weiter so“ geben, und der Sozialstaat wird durch die ungebremste Masseneinwanderung zugrunde gehen. Parallel dazu wird mit dem Nachdenken über Fahrverbote für Euro 6-Diesel-Fahrzeuge die deutsche Schlüsselindustrie ruiniert werden. Armes Deutschland! Man sollte langsam an das Auswandern denken.

Rudi Böhm, Süpplingenburg

AKK ist auch ein Sieg für Deutschland

Millionäre sind eine Minderheit in dieser Welt, so kann ich Altkanzler Gerhard Schröder verstehen. Im Gegensatz zu AKK hätte Merz mehr Sympathie für Schröders Stand gehabt. Leider vergisst Herr Schröder immer und wieder, dass die SPD eine Arbeiterpartei war, bevor er zur Sache ging. Eigentlich sollte die SPD-Führung mit einer AKK besser umgehen können als mit einem Friedrich Merz (sprich Finanz-Heuschrecke). Aber für den ersten Groko-Gipfel mit AKK als CDU-Chefin am Mittwoch ist leider schon Streit vorprogrammiert. Es dreht sich um den Paragrafen 219a. Viele SPD-Mitglieder sehen darin eine Behinderung der Schwangerschaftsberatung. So können sogar Ärzte gegen die strengen Regeln verstoßen und sich strafbar machen. AKK ist ziemlich tolerant, aber in Sachen Abtreibung ist sie leider (katholisch) reaktionär. Trotzdem, im Gegensatz zum Braunschweiger CDU-Chef Frank Oesterhelweg lobpreise ich Gott im Himmel, dass AKK das geschafft hat. Das war nicht (nur ein) Sieg für Frau Merkel, das war auch ein Sieg für Deutschland!

Glen Mapp, Weddel

Die CDU hat ihre Chance nicht genutzt

Die Chance, abgewanderte Wähler zurückzugewinnen, hat mit einem erfahrenen Politiker wie Friedrich Merz, dazu noch aus der Wirtschaft, zweifelsfrei bestanden, doch wurde sie leider leichtfertig vergeben. Bei den nächsten Wahlen in 2019 wird es die für eine Volkspartei so dringend notwendige mehrheitliche Zustimmung wohl kaum geben. Mein Fazit: Der Fehlstart ist schon vorprogrammiert.

Walter Knigge, Braunschweig

Merz’ Wahl hätte wohl zu Neuwahlen geführt

Herr Merz hatte die Wahl eigentlich schon vorher verloren. Zum einen, weil er nicht mit der Wahrheit über seine Einkünfte rübergekommen ist, zum anderen, weil er eine eigene Meinung zu Migration hatte und wieder zurückrudern musste, und zum dritten, weil durch seine Wahl es nicht sicher gewesen wäre, ob Frau Merkel noch bis zum Ende der Legislaturperiode Bundeskanzlerin geblieben wäre. Er hätte sehr wahrscheinlich die Groko aufgelöst und damit Neuwahlen herbeigeführt, um endlich mal wieder eine handlungsfähige Regierung mit fähigen Politikern zu bestücken. Das wäre so manchem Minister, wie zum Beispiel Herrn Altmaier, der nur durch seine Inkompetenz glänzt, nicht recht gewesen. Darum war diese Wahl eine Systemwahl für das vorhandene Planstellenreiten. Eigentlich schade, zumal zu lesen ist, dass es selbst der SPD lieber gewesen wäre, mit Friedrich Merz als zukünftigen Verhandlungspartner zu arbeiten. Bei dieser Wahl hat einzig und allein das Interesse ganz bestimmter Gruppen um Frau Merkel entschieden.

Karl Kurz, Salzgitter

Merkel hat einen schlechten Job gemacht

Nach der Wahl von AKK zur neuen CDU-Vorsitzenden rechnet Horst Seehofer mit einem Unions-Aufschwung. Er spricht von 40 Prozent plus. Im Umkehrschluss heißt das, Merkel hat einen schlechten Job gemacht. Mein Reden!

Wolfgang Klokowski, Salzgitter

Wirkliche Macher werden kaltgestellt

Zuvorderst, Gratulation, Frau AKK. Obwohl es mir als „gottlosem Atheisten“ völlig egal ist, wer diese Partei führt. Nicht egal ist mir allerdings, das 2021 der Fall eintreten könnte, dass die CDU mit knapper Mehrheit vor SPD, Grünen und AfD den Kanzlerkandidaten stellt. Nach „Merkelscher Lesart“ ist das der- oder diejenige, der/die die Partei führt. Also Frau Kramp-Karrenbauer. Sie war Ministerpräsidentin im Saarland. Um Gottes Willen, wo liegt denn diese deutsch-französische Enklave überhaupt? Weder in Europa- noch in Weltpolitik hat diese Frau Erfahrung. Und würde dann Deutschland vertreten. Gegen Personalien wie Kurz, Orban, Macron, Erdogan und gar Putin und Trump. Für mich undenkbar. Denn auf internationalem Parkett ist sie völlig unerfahren. Eine Horrorvorstellung. „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht....“ (Heinrich Heine). Denn wirkliche „Macher“, wie ein Siegmar Gabriel, werden kaltgestellt.

Bernd Ohlhof, Schöppenstedt

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (17)