„Satire ist klar als solche erkennbar“

Ein Leser kritisiert eine Glosse als „männerfeindlich“ - doch es handelt sich um Satire. Der Ombudsrat antwortet.

Leser Reiner Enke schreibt zur Kolumne „Meine Herren“, die immer freitags auf der Niedersachsen-/Regionsseite erscheint:

Ich muss zum wiederholten Mal dieses einseitig männerfeindliche Gesabbele Ihrer zu Wort kommenden Frau Carewicz lesen. Ein guter Rat: Vergraulen Sie doch Ihre männlichen Leser nicht zum wiederholten Mal mit so platter, klischeehafter Verunglimpfung.

Der Ombudsrat schreibt dazu:

Auf der Seite „Niedersachsen & Region“ bzw. „Region“ erscheint täglich rechts oben eine Kolumne zu wechselnden Lebensbereichen. Die Veröffentlichung folgt einem festen Rhythmus; an jedem Freitag erscheint dort ein Beitrag der Redakteurin Jacqueline Carewicz, die unter der Rubrik „Meine Herren!“ über das allzu Menschliche zwischen Mann und Frau, über Geschlechterklischees und Machismo schreibt. Montags spießt dort Susanne Jasper in ihrer Kolumne „Kinder, Kinder“ Anekdoten aus dem Familienleben auf; mittwochs präsentiert Harald Likus Blüten aus dem Irrgarten der deutschen Sprache und so fort.

Die Kolumnen der genannten Autoren sind sogenannte Glossen. Der Duden definiert die Glosse als „spöttische Randbemerkung“. Im „Handbuch des Journalismus“ von Wolf Schneider und Paul-Josef Raue heißt es, bei der Glosse handle es sich um eine Form der Satire. Sie sei „ein unterhaltsamer, mitunter attackierender, bissig-böser oder sarkastischer Kommentar“. Die Glosse fällt folglich unter die Satirefreiheit, also die Freiheit zur öffentlichen Kommentierung von Personen und Ereignissen in einer erkennbar unernsten, übertriebenen, grotesken, verzerrten oder verfremdeten Form.

Die Zuschrift des Lesers Enke bezieht sich auf eine Glosse aus dem Januar. Damals schrieb die Autorin über Ehemänner als Beifahrer. Ein Auszug: „Wissen Sie eigentlich, wie sehr es Madames Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt, wenn Sie sich während einer an sich entspannten Tour beidhändig an den Haltegriff über der Beifahrertür klammern oder bei jedem Überholmanöver wehklagend die Hände vors Gesicht schlagen? Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten: Als Beifahrer sind Sie eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und nebenbei bemerkt eine fürchterliche Nervensäge.“ Übertreibung und Verzerrung sind hier als Elemente der Satire klar zu erkennen, ebenso der bissig-böse Angriff gegen die Marotten mancher Männer. Insofern handelt es sich tatsächlich um – wie der Leser schreibt – „klischeehafte Verunglimpfung“, die allerdings für eine Satire notwendig, zulässig und nicht zu beanstanden ist. Der feste Platz der Glosse auf derselben Seite, die Rubrik (beispielsweise „Meine Herren!“) und die pointierte Überschrift (beispielsweise „Wie der letzte Henker“) heben die satirischen Beiträge von den übrigen ernsthaft-informierenden Inhalten auf der Seite „Niedersachsen & Region“ ab.

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