„Petitionen gab es auch vorher“

Zum Leserbrief „Die Schüler dürfen sich nicht beschweren“ vom 8. Mai:

Eine Petition der Abiturienten zur Mathematikklausur ruft also Leserbriefschreiber auf den Plan, die sofort wissen, dass daran nur die Freitagsdemonstrationen, besser gesagt das „alimentierte lustige Schuleschwänzen“ der Schüler schuld sein könne. Dazu sei erwähnt, dass es solche Petitionen schon vor der „Fridays for Future“- Bewegung gab.

In diesem Zusammenhang wird den Schülern außerdem unterstellt, dass sie ihr Abitur lieber „geschenkt“ bekommen wollen, weil konzentriertes Arbeiten ja unangenehm sei. Da möchte ich die Verfasser der Briefe doch einmal fragen, woher sie ihre Weisheiten haben.

Kennen sie die Prüfungsfragen, sind sie eventuell selbst Abiturienten? Haben sie genaue Zahlen, wie viele Abiturienten der Mathematikkurse an Freitagsdemos teilgenommen haben? Falls die Antwort auf diese Fragen „Nein“ lauten sollte, fände ich es unangemessen und den Schülern gegenüber ungehörig, solche Behauptungen auf diese diffamierende Art aufzustellen.

Jutta Schnelle, Braunschweig

Ebenfalls dazu:

Die Leserbriefe zum Mathe-Abitur von Ekkehard Senf und Wolfgang Frentzel sind für mich unerträglich. Ich möchte sie auch nicht weiter kommentieren. Ich bin den jungen Erwachsenen sehr dankbar, dass sie sich derart engagiert für den Klimaschutz einsetzen. Allen vorweg die bemerkenswerte Greta, die uns allen gezeigt hat, dass auch Einzelne etwas in Bewegung setzen können.

Liebe Schülerinnen und Schüler, lasst euch bitte nicht beirren: Die Welt braucht euch. Und ich drücke euch die Daumen, dass es beim Mathe-Abi zu einer fairen Entscheidung kommt, die von Menschen getroffen wird, die das beurteilen können.

Doris Lange, Wolfenbüttel

Zu „Eine Million Arten vom Aussterben bedroht“ vom 7. Mai:

Ich habe seit Anfang der 60er Jahre eine Landwirtschaft östlich von Königslutter betrieben. Seitdem haben viele Landwirte ihre Höfe aufgegeben, weil es sich nicht mehr lohnte. 1976 habe ich meine letzte Tierhaltung (Schweine) aufgegeben, weil die Umweltauflagen in meinen alten Ställen nicht mehr zu halten waren. Die Fenster waren offen, Rauchschwalben konnten nisten, Schweine lagen auf Stroh, und es trat etwas Jauche aus, worin die Fliegen ihre Eier legten. Ein neuer Stall mit Auflage des Bundes-Immissionsschutzgesetzes hätte zur Massentierhaltung geführt, sonst hätte es sich nicht gelohnt. Der Mist wurde an der Feldkante zwischengelagert, um nach der Ernte ausgebracht zu werden. Das wurde verboten wegen Grundwasserschutz. Die Vögel im Feld hätten gerne die Fliegenlarven im Mist vertilgt, nun sind die Vögel verschwunden. Auch die Bodenbrüter sind seit der Krähenverordnung (Krähen sind vom Aussterben bedroht) kaum noch vorhanden.

Zu Beginn habe ich zehn verschiedene Feldfrüchte angebaut, am Ende nur noch drei: Weizen, Gerste, Zuckerrüben. Die Mechanisierung und fallende Preise zwangen, Schwerpunkte zu setzen, dadurch ging die Vielfalt zurück. In den Dörfern bauten VW-Arbeiter und Städter die verwaisten Höfe sehr schön um, aber der Misthaufen verschwand und die Mehlschwalben, die am Haus nisten, verschwanden, weil sie Dreck machen, unter ihren Nestern. Jede Ameise und sonstiges Ungeziefer wird mit chemischen Mittel verfolgt. In den Gärten gab es in der letzten Ecke einen Abfallhaufen für Bioabfall, ein El Dorado für Kleinlebewesen, aber auch für Ratten, und deshalb verschwanden viele dieser Haufen. So ging die Artenvielfalt zurück, ein schleichender Prozess. Nicht nur die Bauern sind schuld (und schon gar nicht Glyphosat allein), wir alle sind beteiligt, und auch übertriebener Umweltschutz hat dazu beigetragen.

Kai Haller, Braunschweig

Zu „Europa braucht 10.000 zusätzliche Grenzschützer“ vom 27. April

Die zu schützende Grenze ist eine Meeresgrenze, zumindest in Richtung Afrika und Nahost.
10.000 Frontex-Beamten sollen diese Grenze schützen? Was sollen diese Beamten machen? Die in brüchigen Booten ankommenden Menschen willkommen heißen? Sollen sie deren (oft fehlende) Pässe kontrollieren? Sollen sie das EU-Asylverfahren durchführen, bei dem die EU-Kommission entsprechend „UN-Flüchtlingspakt“ Asyl für alle als Vorgabe anordnet? Sollen sie die nicht Asylberechtigten mit ihren maroden Schiffen auf das Meer zurückschicken?

Hans Jürgen Wienroth, Schwülper

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