„Die Retter später nicht vergessen“

 Ein Plakat mit der Aufschrift "Vielen Dank an alle Pfleger und Verkäufer" hängt vor einem Supermarkt in Stralsund.

Ein Plakat mit der Aufschrift "Vielen Dank an alle Pfleger und Verkäufer" hängt vor einem Supermarkt in Stralsund.

Foto: Stefan Sauer / ZB

Zur Corona-Krise:

Ein Dank an die Retter und alle anderen, die in dieser Krise unsere Gesellschaft „am Leben halten“, ist mehr als angezeigt und längst überfällig. Dies freut mich insbesondere für eine Vielzahl von Menschen in den Berufen, die bislang wenig Wertschätzung und Anerkennung erfahren haben. Allerdings befürchte ich auch, dass in der hoffentlich bald einsetzenden Phase der Entspannung, aber auch Verklärung, diese Erkenntnis schnell wieder in Vergessenheit geraten wird.

Katrin Bodendiek,

Salzgitter

Das maximaleWiederbelebungsrecht

Zum Artikel „Elsass: Patienten über 80 werden nicht beatmet“ vom 27. März:

Emotional tief aufgewühlt und zutiefst erschüttert bin ich von ihrem Artikel „Patienten über 80 Jahre werden im Elsass nicht beatmet“. Ich bin jetzt 66 Jahre alt. Nach diesem Kriterium hätte ich damit ein maximales Wiederbelebungsrecht von 13 Jahren. Wann wird diese Zahl auf 70, 60 oder 50 Jahre festgelegt?

In den USA und in Brasilien ist heute schon die Wirtschaft wichtiger als die „paar“ Tote. Wir geben heute zig Milliarden Euro mehr für die Rüstungsindustrie zur Vernichtung des menschlichen Lebens aus als zur Lebensrettung. Ist das unsere freiheitliche Gesellschaft? Ist das unsere humanistische Erziehung, ist das Aufklärung, Kant, Hegel, Goethe, Schiller, Heine etc.? Ich hoffe, dass es gegen solche Vorschläge und Praktiken massiven Protest geben wird. Auch wir Alte haben ein Recht zu leben und entsprechend wiederbeatmet zu werden.

Siegfried Müller, Braunschweig

Wo die Nüchternheit dich verlässt

Zu Hölderlins 250. Geburtstag:

Beide Beiträge von Florian Arnold und Andreas Berger betonen das schwärmerische Moment und beziehen sich hauptsächlich auf den Briefroman „Hyperion“, der doch ziemlich zeitgebunden, das heißt im 8. Jahrhundert verwurzelt ist. Wichtiger wäre ein Blick auf Hölderlins Lyrik, vor allem die reifen (nicht mehr von Schiller abhängigen) Gedichte seit etwa 1799. Für sie gilt sein Diktum: „Da, wo die Nüchternheit dich verlässt, da ist die Grenze deiner Begeisterung.“ Die Gedichte werden den „Hyperion“ überdauern. Zu ihrer Interpretation verweise ich auf meine 2017 erschienene und im Buchhandel erhältliche Abhandlung: „Versöhnung ist mitten im Streit. Hölderlins Konzeption von Dichter und Dichtung.“

Dr. Ingeborg Gerlach,

Braunschweig

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