„Viele werden nichts daraus lernen“

Pflegekräfte erhalten in der derzeitigen Corona-Krise viel Applaus von allen Seiten. Unser Leser meint, zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der „wahren Helden“ wird viel zu wenig getan.

Pflegekräfte erhalten in der derzeitigen Corona-Krise viel Applaus von allen Seiten. Unser Leser meint, zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der „wahren Helden“ wird viel zu wenig getan.

Foto: Felix Kästle / dpa

zu „Auto-Experte fordert: Prämien aufstocken“ vom 6. April:

Die wichtigsten Helfer in dieser schweren Krise über Leben und Tod neben Ärzten sind Pflegekräfte, Rettungssanitäter und Reinigungskräfte. Diese Berufe wurden in den letzten Jahren immer unattraktiver. Voll ausgebildete Pflegekräfte gingen lieber zur Industrie, wo sie beim Zusammenschrauben von Autos das Doppelte verdienen. Betten und Personal reduzierte in letzten Jahren der Gesundheitsminister radikal. Statt diesen Berufsgruppen zuerst entsprechende Wertschätzung zukommen zu lassen, wurden bereits hunderte Milliarden Steuergelder an die Wirtschaft verteilt. Heute rächt sich das. Pflege- und Reinigungskräfte müssen oft ungeschützt bis zur Erschöpfung arbeiten. Von dem im letzten Jahr in Kraft getretenen Pflegestärkungsgesetz hatten die Pflegekräfte wenig. Erst jetzt fordern immer mehr Politiker und Gewerkschaften eine bessere Bezahlung dieser Berufsgruppen. Allerdings verschweigen sie bewusst, wer das bezahlen soll. Wenn Zuzahlungen für Pflegeheime weiter erhöht werden, wird die häusliche Pflege stark ansteigen. Wie sich pflegende Angehörige dann täglich abrackern, sieht ja niemand. Viele werden aus dieser lebensbedrohenden Krise nichts lernen. Schon heute fordert der Autoexperte Bratzel in dieser Krise, in der wir alle unseren Wohlstand etwas zurückschrauben müssen, höhere Rabatte vom Staat für Autokäufer. Müssen, wie beispielsweise bei VW, unverschämt hohe Millionen-Gehälter und Bonis zu Lasten der Autokäufer gezahlt werden? Für Vorstände, Reinigungs- und Pflegekräfte hat der Tag gleich viele Stunden. Da kann man sich mit Recht fragen, wer mehr arbeitet. Viele kleine Leute haben schon Geld für die wahren Retter in dieser Krise gespendet. Wo bleiben aber die über eine Million Millionäre in Deutschland, auch mal ihr Portmonee zu öffnen? Das werden sicher – wenn sie denn überleben – die Gewinner dieser Coronakrise sein.

Rüdiger Kammerhoff,
Königslutter

Datenschutz muss notfalls zurückstehen

Zu: „Niedersachsen – Thiel: Weitergabe von Corona-Daten rechtswidrig“ vom 7. April:

Während der Corona-Pandemie kämpfen wir mehr oder weniger ums Überleben. Es handelt sich wohl um die bisher größte Belastungsprobe für Staat und Gesellschaft in der Nachkriegszeit. Vieles steht uns noch bevor. Da erhebt sich nun die Datenschützerin, Barbara Thiel, und trägt mit ihrer Aussage, dass die Meldung der Daten von Corona-Infizierten an die Polizei einen schwerwiegenden Verstoß gegen geltendes Recht darstellt. Damit schürt sie neue Ängste. Außerdem vergisst sie, dass die Polizei uneingeschränkt Teil der öffentlichen Verwaltung ist und sich an Recht und Gesetz zu halten hat. Das ist also keine plaudernde Kneipenrunde, sondern eine Institution, die verpflichtet ist, jeden Einzelnen von uns schützen. In einer so gefährlichen Notstandssituation muss der Datenschutz notfalls zurückstehen!

Claus-Peter Brasche,
Braunschweig

Vermisse kritischen Blick auf Maßnahmen

Zu unserer Berichterstattung über die Regeln zur Eindämmung des Coronavirus:

Es braucht einen kritischen Blick auf staatliche Maßnahmen. Diesen vermisse ich in Ihrer Zeitung seit Beginn der Corona-Krise gänzlich. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass Sie sich als Sprachrohr der Regierenden verstehen und willig als erhobener Zeigefinger agieren, die drastischen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie bloß einzuhalten. Es hat den Anschein, dass bei Ihren Lesern nicht mal der Funke des Gedankens aufkommen soll, ob der Ruin der wirtschaftlichen Existenz von Tausenden wirklich ein angemessenes Mittel sein kann. Stattdessen lese ich kernige Überschriften wie „fatale Entwicklung in Wolfsburger Altenheim“ und andere Artikel über die Älteren in unserer Gesellschaft, die zwar keine wirtschaftlichen Einbußen aufgrund von Corona zu befürchten haben, denen es allein zu Hause jetzt aber langsam doch zu einsam wird.

Sandra von Schilling, Salzgitter

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