Leitartikel

Die VW-Wette

Niemand will sich blamieren, schon gar nicht Konzernchef Herbert Diess.

Andreas Schweiger

Die Uhr tickt, die Wette läuft. Deshalb brodelt es bei VW. Und die Temperatur wird noch steigen. Explosion nicht ausgeschlossen. Dafür sorgt das Jahr 2019. Es soll ein historisches werden für den Autobauer. Klassische Modelle wie der Golf sollen in der jüngsten Generation die vollständige Anbindung ans Internet so selbstverständlich beherrschen wie das Schlucken von Bodenwellen. Neue Modelle wie der rein elektrische ID. sollen zusätzlich die Tür zu einer sauberen, Image-schmeichelnden Mobilität aufstoßen.

Das ist technisch eine riesige Herausforderung, vor allem mit Blick auf Software und digitale Anwendungen. VW fehlt Know-how und Personal. Diese Lücke lässt sich nicht über Nacht schließen. Das Unternehmen will zwar an den Terminen für die Markteinführung beider Modelle festhalten, dennoch wird es wohl deutliche Abstriche geben beim Produktionsvolumen und bei der anfänglichen Ausstattung. Das ist mindestens ein Dämpfer, der die Temperatur steigen lässt. Niemand will sich blamieren, schon gar nicht Konzernchef Herbert Diess.

Eine riesige Herausforderung ist auch die Vermarktung des ID. Anders als sein Verbrenner-Pendant Golf ist er nicht eine bekannte, bewährte und erfolgreiche Autogröße. Und er hat einen ganz neuen, einen elektrischen Antrieb. Niemand weiß, wie dieses Modell angenommen wird – es ist eine Wette auf die Zukunft. Aus wirtschaftlichen und aus Image-Gründen ist VW auf den Erfolg dieses Autos angewiesen. Das sorgt für zunehmende Nervosität in Wolfsburg, die die Temperatur steigen lässt.

Die angesprochenen Probleme vertiefen die Sorgenfalten beim Betriebsrat. Jede Verzögerung, jede Reduzierung des Produktionsvolumens kann auf die Beschäftigung durchschlagen und Jobs gefährden. Das werden sich die Arbeitnehmervertreter nicht ewig anschauen. Der Unmut wächst – und lässt die Temperatur steigen.

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