Kommentar

Problem-Wolf?

„Die FDP-Forderung nach einem Machtwort der Kanzlerin ist durchsichtig. Sie spielt mit irrationalen Ängsten.“

Redakteur Dirk Breyvogel

Wissenschaftler wie Ralf Georg Czapla erforschen den Wolf im Lichte seiner Darstellung in der Literatur. Der Germanist sagt, es gebe kein Tier, dessen Bild in der Öffentlichkeit so angstbesetzt sei wie das von Meister Isegrim. Auch deshalb nimmt die Debatte in Deutschland über den Wolf skurrile Züge an. Die FDP im Bundestag verlangt in Sachen Wolfsabschuss nun ein Machtwort der Kanzlerin. Die Liberalen fordern, im Zweifel die Tötung des Tieres zu erleichtern. Merkel müsse handeln, da die Positionen der zuständigen Fachminister im Kabinett – Schulze (SPD) und Klöckner (CDU) – sich gegenseitig blockieren würden.

Die Liberalen stellen sich insbesondere auf die Seite der Landwirte, die am lautesten fordern, das einst so scheue Tier, räumlich in seine Schranken zu weisen. Gerade die Bauern, die auf Schafzucht setzen, sehen durch den Wolf ihre Lebensgrundlage bedroht. Immer mehr Risse zeugten davon, sagen sie. Die Angst der Bauern ist nachvollziehbar. Wie kaum eine andere Berufsgruppe ist ihr Wirtschaften abhängig von Faktoren, die sie selbst nicht beeinflussen können. Frost im Mai, Hitze bis Mitte Oktober. Und jetzt der renitente Wolf...

Die „Machtwort“-Forderung an Merkel ist dennoch durchsichtig. Sie ist von dem Populismus getrieben, die sie anderen vorwirft. Die FDP spielt mit irrationalen Ängsten, mit den Mythen und Märchen über das Tier. Und sie suggeriert eine politische Dringlichkeit, die es nicht gibt. Deutschland hat größere Probleme als den Wolf.

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