Kommentar

Blamierter Trump

„Die Regierung Trump hat zu verantworten, dass Epstein seine dunklen Geheimnisse mit ins Grab nehmen kann.“

Ein prominenter Häftling mit blendenden Verbindungen zu Mächtigen und Prominenten, dessen Gerichtsprozess im nächsten Sommer Politik, Adel und Finanzwelt im Zusammenhang mit jahrelanger sexueller Ausbeutung von Minderjährigen hätte tief erschüttern können, stirbt in einem von der US-Regierung verantworteten Gefängnis unter merkwürdigen Umständen. Obwohl Jeffrey Epstein bereits vor drei Wochen bewusstlos in seiner Zelle mit Halsverletzungen gefunden wurde – ob nach einem Selbstmordversuch oder nach Gewalteinwirkung Dritter, ist bis heute unklar.

Wäre dieser Stoff aus einem Film-Drehbuch, könnte man von einem potenziellen Kassenschlager sprechen. Aber der Fall ist real. Und die Regierung von Donald Trump ist bis auf die Knochen blamiert. Sie hat es durch offenbar unterlassene Rund-um-die-Uhr-Beobachtung des Sträflings zu verantworten, dass der schillernde Milliardär seine dunklen Geheimnisse mit ins Grab nehmen kann. In dieser Gemengelage muss man von einem Präsidenten, noch dazu einem, der nach eigenen Worten einst mit Epstein die Leidenschaft für Partys und jüngere Frauen teilte, erwarten, präsidial zu agieren. Aber Donald Trump ist das Gegenteil von präsidial. Dass er über sein Twitter-Megafon substanzlose Verschwörungstheorien fahrlässig verstärkt, die Epsteins Tod dem früheren demokratischen Präsidenten Bill Clinton und dessen Frau Hillary in die Schuhe schiebt, ist selbst für Trumps Verhältnisse ein neuer Höhepunkt der Schlechtigkeit.

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