Kommentar

VW unter Strom

„VW hat sich auf den Weg gemacht, so konsequent wie kein anderer der klassischen Autobauer.“

Andreas Schweiger

Volkswagen erlebt im Moment so etwas wie eine frühe Erntezeit. Vor vier Jahren machte sich der Autobauer auf, seine Kultur und seine Produkte neu auszurichten. Als Konsequenz aus dem Abgas-Betrug entstand die Elektrifizierungsstrategie. Nun, nach vier Jahren Vorbereitung, werden erste Ergebnisse sichtbar. In Frankfurt auf der IAA stellte das Unternehmen vor zwei Wochen sein erstes Modell der rein elektrischen ID.-Familie vor, am Montag nahm VW eine Pilotanlage für die Fertigung von Batteriezellen in Salzgitter in Betrieb.

Vermutlich wäre diese Trendwende sowieso gekommen , ohne Abgas-Betrug aber ganz sicher später und nicht mit diesem Druck. Für den Autobauer ist es Chance und Bürde zugleich, dass die Präsentation erster Ergebnisse der Elektrifizierungsstrategie ausgerechnet in eine Zeit fallen, in der die Debatte um den Klimaschutz viele andere Themen überlagert. Davon könnte der Ausbau der E-Mobilität profitieren, wenn er zentral und mit Nachdruck samt Ausbau der noch dringend erforderlichen Infrastruktur gesteuert wird.

Gewonnen hat VW bisher noch nichts. Zwar investiert der Autobauer Milliarden in seine Strategie, noch ist aber nicht sicher, wie die neuen Autos und die E-Mobilität angenommen werden. Das ist für das Unternehmen und seine Mitarbeiter ein großes Wagnis. Die richtig ertragreiche Erntezeit folgt erst, wenn die neuen E-Modelle breiten Zuspruch finden. Aber VW hat sich auf den Weg gemacht, so konsequent wie kein anderer der klassischen Autobauer.

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