Kommentar

Wofür keiner klatscht

„Vielleicht zwackt sich der eine oder andere Spargelbauer ja doch eine Sonderzahlung für sie ab.“

Hannah Schmitz

Es gibt böse Sprüche in den sozialen Medien, nach denen sich doch die nationalistischste Partei im Bundestag und auch Rechtsextreme jetzt freuen dürften: Die Grenzen sind zu, die Äcker frei, ran, ihr Deutschen, an den Spargel! Es ist zynisch, aber auch wahr. Schon lange machen Deutsche diese schwere Arbeit nicht mehr. Unser Edelgemüse stechen Polen, Rumänen und Bulgaren. Auch Erdbeeren pflücken sie und Himbeeren, sie säen Tomaten und Salat, ernten Bohnen und Kohl. In der Corona-Krise melden sich nun auch Deutsche, die entweder die Höfe einfach nur unterstützen wollen oder aber Geld verdienen möchten, weil sie etwa in Kurzarbeit sind.

Das Virus zeigt uns einmal mehr, wer eigentlich wichtig ist in unserer Gesellschaft, wenn es um vermeintlich banale Dinge geht: Die Versorgung mit frischem Obst und Gemüse. In diesem Falls sind es die erfahrenen Saisonarbeiter aus Osteuropa. Auf sie sind die Landwirte angewiesen.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ordnet sie nun zu Recht als systemrelevant ein, sie müssten wieder einreisen dürfen. Die Bundesregierung hatte vergangene Woche einen Einreisestopp für Saisonarbeiter verhängt.

Die, die trotz Corona-Krise kamen, werden wohl kaum wie Supermarkt-Mitarbeiter einen Bonus erhalten, für sie klatscht auch keiner. Wertschätzung darf man ihnen und ihrer Arbeit aber entgegen bringen – und vielleicht zwackt sich der eine oder andere Bauer ja doch eine Sonderzahlung ab.

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