Kommentar

Das Leben vor Corona

„Alles, was noch vor Wochen interessierte oder empörte, ist vermeintlich unwichtig geworden. Ist es aber nicht!“

Redakteur Dirk Breyvogel

Die Karwoche hat begonnen, streng genommen startete sie schon am Sonntag, am Palmsonntag. Es ist eine besondere Woche. Und es sind besondere Zeiten, für die Kirche, Würdenträger und Mitglieder, die jetzt vor verschlossenen Türen stehen. Das Coronavirus hat alles verändert. Das Virus hinterfragt alle Gewissheiten. Alles, was noch vor Wochen interessierte, verwunderte und empörte, ist irgendwie unwichtig geworden – ist es aber nicht! Ein Test gefällig?

Wissen Sie noch wer Tobias R. war? Nein? Macht es klick, wenn dieses Datum fällt? 19. Februar. Nein? Immer noch nicht: Vielleicht jetzt: Hanau. Das Attentat dort erschütterte Deutschland bis ins Mark, jetzt scheint es unendlich weit weg. Ein Deutscher richtete unzählige Menschen hin, weil sie nicht in sein Menschenbild passten. Eine zutiefst unchristliche Tat. Oder: Sagt Ihnen Thomas Kemmerich noch etwas? Möglich. Wochenlang wurde über seinen Fauxpas diskutiert. Der FDP-Politiker hatte sich in Thüringen mit Stimmen der AfD kurzzeitig zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Ohne rot zu werden, sorgte er für ein politisches Erdbeben in Deutschland. Auch das war im Februar. Alles verdrängt, alles verschwunden im Corona-Schlund.

Ostern steht an. Die Kirchen müssen jetzt auf die spirituellen Fähigkeiten ihrer Mitglieder setzen. Sie sollen beten und vom Fenster aus sich der Auferstehung Jesu erfreuen. Zeit zum Innehalten gibt es genug. Man sollte sie zum Nachdenken nutzen. Zum Nachdenken auch darüber, was vor Corona war – und wie es in unserem christlich geprägten Land nachher sein soll.

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