Kommentar

Zerbrechliche Freiheit

„Einen weiteren Lockdown für einen kurzfristigen Profit zu riskieren, ist nicht zu verantworten.“

Ohne Frage: Eine Maske ist unangenehm. Es wird heiß, schwitzig – sie ist nicht der angenehmste Begleiter bei einer Shoppingtour. Doch um Bequemlichkeit geht es in einer Pandemie – und in dieser befinden wir uns noch immer – nicht.

Eine Maskenempfehlung ist mit einem „Alles kann, nichts muss“ zu übersetzen und damit mit dem Ende eines einheitlichen Standards. Das Abschaffen der Maskenpflicht würde Unternehmer in eine unmögliche Position bringen: Sie müssten auf einmal abwiegen zwischen dem wirtschaftlichen Gewinn und der potenziellen Gefährdung ihrer Mitarbeiter. Das ist unfair, sogar unmoralisch.

Denn schnell würden auch hier marktwirtschaftliche Prinzipien greifen: Wer seine Kunden zum Maskentragen oder zum Abstandhalten nötigt, droht ihn plötzlich an einen Konkurrenten zu verlieren, der es mit dem Mitarbeiterschutz nicht ganz so eng sieht. Wer nun aus Sehnsucht nach alter Normalität ein Ende der Vorsicht fordert, muss seinen Blick nur nach Gütersloh richten, um zu sehen, wie fragil allein unsere aktuelle Freiheit ist.

Es ist daher schon aus wirtschaftlichen Gründen geboten, grundlegende Vorsichtsmaßnahmen wie die Maskenpflicht aufrechtzuerhalten. Einen weiteren Lockdown für einen kurzfristigen Profit zu riskieren, ist nicht zu verantworten. Und auch aus menschlicher Sicht sag ich ja zur Maske. Sie ist ein Zeichen der Solidarität und schützt nicht mich, sondern die Schwächsten unter uns. Und Solidarität ist mehr als nur ein Accessoire.

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