Kommentar

Ernstfall im Stadion

Bei bis zu 16.000 Zuschauern wie in Dortmund wird auch einiges an Unvernunft unterwegs sein.

Es handele sich um „eine Art Experiment“, erklärte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), nachdem sich Bund und Länder darauf geeinigt hatten, in einem sechswöchigen Probebetrieb wieder Zuschauer in Bundesliga-Stadien zu lassen – und zwar 20 Prozent der jeweiligen Kapazität. Logischerweise haben die Politiker dafür viel Lob geerntet: von Fans, die endlich wieder ihrer Leidenschaft nachgehen dürfen, sowie von nahezu allen Vereins- und Verbandsvertretern.

Zweifel an der Richtigkeit dieser Entscheidung gab es öffentlich kaum. Doch zumindest eine Debatte wäre angebracht. Es handelt sich dabei um ein Experiment, in dem im Extremfall Leben auf dem Spiel stehen. Das Coronavirus ist immer noch da. Zudem verweisen Virologen immer wieder auf die Gefahr von Massenveranstaltungen, bei denen ein Infizierter Hunderte anstecken kann. Wem das nicht als Entscheidungsgrundlage reicht, hätte sich die Übertragung einiger DFB-Pokalspiele anschauen können. In Rostock durften 7500 Zuschauer ins Stadion, in Magdeburg waren 5000 dabei. Von den geforderten Abständen auf den Tribünen war nicht viel zu sehen. Es sei massiv gegen Auflagen verstoßen worden, mussten Rostocks Politiker einräumen.

Das Experiment steht und fällt mit dem Verantwortungsbewusstsein der Zuschauer. Doch bei bis zu 16.000 erlaubten Fans wie in Dortmund wird auch einiges an Unvernunft unterwegs sein. Es ist eine riskante Entscheidung, die Leben kosten kann.

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