Ein Corona-Plan muss her

„Es genügt nicht mehr, wenn die Verantwortlichen in Bund und Land jeweils nur auf die Neuinfektionszahlen starren.“

Um es vorweg zu sagen: Die große Mehrheit der Bevölkerung verhält sich in der Pandemie vorbildlich und hat mit Umsicht und Nachsicht dafür gesorgt, dass das Virus hierzulande weniger verheerend wirkte als bei vielen unserer Nachbarn. Dazu kamen Politiker, die Verantwortung trugen und nicht – Trump lässt grüßen – die Augen verschlossen. Oder die das Volk zum Versuchskaninchen erklärten wie in Schweden.

Aber das Streiten, hektische Nachsteuern und Umsteuern der politischen Führung hat einen kritischen Punkt erreicht. Es genügt nicht mehr, wenn die Verantwortlichen in Bund und Land jeweils nur auf die Neuinfektionszahlen starren . Bürger, Bildungseinrichtungen und Wirtschaft werden ungeduldig. Sie brauchen im zehnten Monat der Pandemie eine Perspektive entlang plausibler Szenarien. Und auch etwas Geduld bei der Analyse von Maßnahmen. Wie geht es weiter, wenn die Infektionszahl sinkt, gleich bleibt oder steigt?

Das sind drei Fragen, auf die Antworten gefunden werden müssen. Alle zwei Wochen zu streiten und dann neue Ansagen zu präsentieren wird bis zum Frühjahr nicht durchzuhalten sein. Zu lang ist die Liste der Widersprüchlichkeiten und des hektischen Umsteuerns. Selbst einsichtige Bürger verzweifeln langsam daran.

Mit dem Hin und Her bei der Maske ging es los. Dann die willkürlichen Ladenschließungen nach Fläche. Der jüngste Lockdown kam, als auch der letzte Gastronom seinen Betrieb mit Plexiglas, Heizpilzen und Gartenzelten Corona-sicher umgebaut hatte. Deutschland – und ganz Europa – brauchen einen Pandemieplan für mehrere Monate . Am besten erarbeitet mit einem breiter aufgestellten Expertenstab. Bei allem Respekt – es ist nicht Karl Lauterbach, der entscheidet, ob man an Weihnachten die Eltern sehen darf oder nicht.

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