Erster schwerer Herbststurm - Baum stürzt im Kreis Peine auf Auto

Hannover  Der erste schwere Herbststurm hat vor allem im Norden Niedersachsens Schäden angerichtet. Auch in unserer Region gab es einige Feuerwehreinsätze.

Ein Feuerwehrmann zerkleinert in Ebstorf (Niedersachsen) einen umgestürzten Baum mit einer Motorsäge.

Foto: Philipp Schulze/dpa

Ein Feuerwehrmann zerkleinert in Ebstorf (Niedersachsen) einen umgestürzten Baum mit einer Motorsäge. Foto: Philipp Schulze/dpa

Sturmtief „Sebastian“ ist mit schweren Böen in Orkanstärke am Mittwoch über Niedersachsen und Bremen gezogen. Über der Nordsee wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern erwartet. Besonders betroffen waren die nördlichen Gebiete Niedersachsens und Bremen. In der Küstenregion gab es gewaltige Böen, wie Robert Scholz vom Deutschen Wetterdienst sagte. Die Unwetterwarnung für die Region galt zunächst bis 20.00 Uhr.

Bis zum Abend wurden kaum größere Schäden und nur zwei Verletzte gemeldet. „Die vielen Einsätze waren lästig, aber es ist bisher nichts richtig Schlimmes passiert“, sagten Polizeisprecher in Bremen und Hannover.

Im Kreis Gifhorn waren Im Laufe des Nachmittags von den Feuerwehren vereinzelt Bäume von Straßen zu beseitigen. Zudem musste ein Hausdach in Wedelheine von einem Baum befreit werden. Auch in Rötgesbüttel gab es einen größeren Einsatz. Hier war ein Baum in eine Hochspannungsleitung gefallen. Die Zahl der Einsätze im Zusammenhang mit dem Wetter, beläuft sich auf etwa zehn und verteilt sich auf die Stadt Gifhorn, die Samtgemeinden Papenteich, Isenbüttel und Wesendorf.

Auf einem Wohnhaus im Braunschweiger Stadtteil Querum wurde eine Antennenanlage abgeknickt und drohte auf den Fußweg zu stürzen. Von der Drehleiter aus wurde die Antenne demontiert. In der Folge rückten Berufs- und Freiwillige Feuerwehr zu insgesamt 12 Einsatzstellen mit umgestürzten Bäumen, Bauzäunen und losen Dachziegeln aus, die eine Gefahrensituation darstellten. Durch den Fachbereich Stadtgrün wurden ebenfalls einige Einsatzstellen mit entwurzelten Bäumen und abgebrochenen Ästen im Stadtgebiet abgearbeitet.

Den Gemeinden im Landkreis Peine bescherte Sturmtief Sebastian mit Ausnahme der Gemeinde Lengede ebenfalls einiges an Arbeit. Ein schwerer Unfall ereignete sich im Ort Adenstedt. Hier stürzte ein Baum auf einen PKW, im dem der Fahrer eingeklemmt und verletzt wurde. Er wurde durch die Feuerwehr mit technischem Gerät aus seinem völlig zerstörten Fahrzeug befreit und mit dem Rettungsdienst ins Klinikum Peine transportiert. Auch im Landkreis Peine wurden 12 Einsatzstellen durch die Feuerwehren abgearbeitet.

Die Feuerwehren im Landkreis Wolfenbüttel waren in den Gemeinden Baddeckenstedt, Schladen-Werla, Elm-Asse, Sickte und der Stadt Wolfenbüttel gefordert. Den langwierigsten Einsatz hatte die Feuerwehr Cremlingen zu bewältigen. In der Straße Am Moorbusche drohte durch den Sturm ein ca. 20 Meter Hoher Werbeträger umzustürzen. Die Feuerwehr sicherte den Gefahrenbereich weiträumig ab, sperrte hierzu die Straße Im Moorbusche und die Umgehungsstraße K 140 für den Verkehr und ließ den Parkplatz eines Einkaufszentrums räumen. Es wurde versucht, eine Firma mit dem Abbau des Turmes zu beauftragen. Zur Unterstützung der Kameraden aus Cremlingen wurde noch die Ortsfeuerwehr Schulenrode hinzugezogen. Im Landkreis Wolfenbüttel wurden insgesamt 8 Sturmeinsätze gefahren, berichtete die Feuerwehr.

Wegen Sturmschäden auf allen Strecken hat die Bahngesellschaft Metronom den Zugverkehr stark eingeschränkt und teilweise eingestellt. Im gesamten Netz war es zu massiven Behinderungen und Zugausfällen gekommen. Auch die Nordwestbahn meldete Zugausfälle im Nordwesten und stellte den Verkehr auf allen vier Linien im Weser-Ems-Netz ein. Am Bremer Hauptbahnhof bot die Bahn Hotelzüge für Reisende an, die nicht weiter kamen.

„Normalerweise erwischen uns die Stürme eher im Winter, wenn die Laubbäume keine Blätter mehr haben“, sagte Meteorologe Scholz. Nun böten die Bäume mit dem vielen Laub eine große Angriffsfläche. „Bäume können sehr leicht entwurzelt werden.“ Menschen sollten sich vor herabfallenden Ästen und Dachziegeln in Acht nehmen. „Man muss vor allem im Norden vorsichtig sein.“

In Ostfriesland waren die Feuerwehren besonders gefordert. Bis zum Nachmittag gab es 670 Einsätze, davon 400 im Zusammenhang mit dem Sturm. Die Zahl der Notrufe war nach Angaben der Regionalleitstelle viermal so hoch wie an normalen Tagen. Überwiegend ging es um Bäume, die auf Straßen oder Carports fielen.

Herausragende Einsätze waren die Versorgung von Reisenden eines Zuges bei Norden, der nach von Leitungsschäden stoppen musste. Außerdem wurden am Fähranleger in Norddeich rund 500 Reisende betreut, für die es mit der Fähre nicht zur Insel Norderney weiterging.

Auch an anderen Küstenorten war der Schiffsverkehr beeinträchtigt. Zwischen Wangerooge und Harlesiel fuhr am Morgen nur jeweils ein Schiff. Alle anderen Fähren fielen dort aus, wie das zuständige Unternehmen mitteilte. Auf der Strecke zwischen Neßmersiel im Landkreis Aurich und der Insel Baltrum wurden die Schiffsfahrten der Reederei Baltrum-Linie abgesagt.

Der Katamaran „Halunder Jet“ von Hamburg über Cuxhaven nach Helgoland blieb ebenfalls im Hafen, weil Orkanböen und bis zu sechs Meter hohe Wellen erwartet wurden. „Das können und wollen wir weder den Passagieren noch Besatzung und Schiff zumuten“, hieß es von den Betreibern der Linie. Die Elbfähre Glückstadt-Wischhafen stellte den Betrieb ein.

Heftig ging es auch in Bremen zu. Eine 28 Jahre alte Radfahrerin wurde nach Polizeiangaben von einem umfallenden Baum erfasst und leicht verletzt. Am Flughafen Bremen fiel ein Flug aus. Eine Maschine, die aus Amsterdam erwartet wurde, kam wegen des dortigen Unwetters nicht an, so dass das Flugzeug auch nicht von Bremen nach Amsterdam zurückfliegen konnte.

Die Landkreise Verden, Osterholz und Osnabrück meldeten ebenfalls viele Schäden durch umstürzende Bäume, herabfallende Äste oder umherfliegende Gegenstände. In Drakenburg rettete die Feuerwehr vier Schüler einer achten Klasse aus der Weser, nachdem sie mit ihren Kanus gekentert waren. Bis auf einen leichten Schock blieben die Schüler unverletzt. Bei Peine wurde ein Autofahrer mit seinem Wagen von einem umstürzenden Baum eingeklemmt und leicht verletzt.

Glück im Unglück hatten auch Schüler einer Schule in Friedrichsfehn (Kreis Ammerland), als ein Baum während der Unterrichtszeit auf den leeren Schulhof kippte. Die Kinder mussten eine kurze Zeit im Gebäude warten, bis die Feuerwehr das Gelände gesichert hatte.

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