Großteil der Bevölkerung hielt Corona-Regeln am Vatertag ein

Hannover.  Vor dem Vatertag gab es Warnungen und Appelle, sich an die Corona-Regeln zu halten. Das hat wohl geklappt – so lief der Corona-Vatertag.

Der Nussberg in Braunschweig. In diesem Park war es noch im Vorjahr zu Krawallen gekommen. 2020 verlief der Vatertag auch wegen der Corona-Beschränkungen sehr ruhig.

Der Nussberg in Braunschweig. In diesem Park war es noch im Vorjahr zu Krawallen gekommen. 2020 verlief der Vatertag auch wegen der Corona-Beschränkungen sehr ruhig.

Foto: Peter Sierigk / BZV

Kaum Bollerwagen, viele Ausflügler, aber alles ruhig am Vatertag: Inmitten der Corona-Pandemie haben die Menschen in Niedersachsen an Christi Himmelfahrt weitgehend den Infektionsschutz beherzigt.

Pistorius: „Ich bin sehr froh, dass wir so ein positives Fazit ziehen können“

„Das zeigt, dass die Gefahr durch das Coronavirus den Menschen sehr bewusst ist“, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Freitag. „Ich bin sehr froh, dass wir so ein positives Fazit ziehen können und bedanke mich auch im Namen der Einsatzkräfte für dieses besonnene Verhalten.“ Nach Beobachtung der Polizei zogen am Donnerstag nur vereinzelt Gruppen mit den für den Vatertag üblichen Bollerwagen durch die Gegend.

Dem Innenministerium zufolge waren landesweit knapp 2000 Beamtinnen und Beamte im Einsatz, davon rund 1200 von den Polizeidirektionen und mehr als 700 von der Bereitschaftspolizei. Sie leiteten 31 Strafverfahren und 69 Ordnungswidrigkeitsverfahren ein, darunter waren 63 Ordnungswidrigkeiten nach dem Infektionsschutzgesetz. Es gab fünf Körperverletzungsdelikte und sieben Widerstände gegen Beamte, ein Beamter wurde leicht verletzt. Im Vergleich zum Himmelfahrts- und Vatertag 2019 sind die Zahlen deutlich zurückgegangen. Damals wurden acht Polizeibeamtinnen und -beamte verletzt und 140 Körperverletzungsdelikte registriert.

„In den Naherholungsgebieten und Parkanlagen, die dieses Jahr im polizeilichen Fokus standen, kam es zu keinen besonderen Vorkommnissen“, hieß es. Demnach waren dort vor allem Kleinstgruppen und Familien mit Fahrrädern unterwegs, die sich größtenteils an die Regeln hielten.

Rad statt Bollerwagen in Braunschweig und Helmstedt

In Braunschweig waren die Menschen zwar draußen – aber eher mit dem Rad, als mit dem Bollerwagen. Die Polizei war bereit, die Alkoholverbote in den Parks rigoros umzusetzen, am späten Nachmittag hieß es aber aus dem Lagezentrum: „Es gibt überhaupt keine Vorkommnisse. Überall in der Stadt ist es ganz ruhig“. Es sei alles ruhig und „alles super“, sagte ein Polizeisprecher in Braunschweig. In einem Fall habe es ein Gespräch mit einer Gruppe von Vatertags-Ausflüglern gegeben, diese seien aber einsichtig gewesen, sagte der Sprecher.

Auch im Kreis Helmstedt war die Polizei verstärkt vor Ort. Bis zum späten Nachmittag gab es auch in Helmstedt, Königslutter und Schöningen keinen Einsatz. Auch im Kreis Helmstedt waren viele bei bestem Wetter mit dem Fahrrad unterwegs.

Ruhig und gesittet in den Kreisen Peine und Wolfenbüttel

Ruhiger, gesittet und mit mehr Abstand als sonst verging auch der Vatertag im Kreis Peine. Die Bevölkerung habe sich kreisweit geradezu vorbildlich an die Corona-Auflagen gehalten, berichtet die Polizei Peine – insbesondere die Abstandsregelung ist wichtig gewesen. Und obwohl die großen Seen im Kreis nicht gesperrt waren, uferte der Tag nicht aus.

Bollerwagen und große Ansammlungen von Männern? In diesem Jahr Fehlanzeige im Landkreis Wolfenbüttel. Dafür Ausflugsstimmung, etwa am Bismarckturm. Dort hatte die Polizei Kontrollen angekündigt und zeigte sich hinterher zufrieden: „Ein sehr entspannter Vatertag. Wir sind sehr zufrieden“, sagte Wolfenbüttels Polizeisprecher Frank Oppermann.

Kein Verfahren in Wolfsburg, Kleinigkeiten in Salzgitter

In Wolfsburg hatte die Polizei vor allem im Allerpark Präsenz angekündigt. Die zeigte sie auch – und hatte nichts zu tun. Um 17 Uhr meldete Polizeisprecher Sven-Marco Claus: „Durch das überwiegend solidarische Verhalten und das verantwortungsvolle Handeln gab es bis zum späten Nachmittag kein einziges Verfahren.“ Bollerwagen-Gruppen waren nirgends zu sehen.

In Salzgitter war die Polizei vor allem am Salzgittersee präsent – so wie auch viele Bürger. Abgesehen von ein paar Ansprachen gab es für die Beamten nichts zu tun. Dafür war die Feuerwehr gefragt: Bei einem kleinen Flächenbrand, der schnell gelöscht war. Die Polizei musste lediglich einem Gastronomen den richtigen Abstand der Tische erklären. Alles ruhig also in der Stahlstadt, die Polizei beendete ihren Einsatz vorzeitig.

Friedliches Treiben am Tankumsee, eine einzige Bollerwagensichtung in Gifhorn

Den ersten Bollerwagen hat unser Reporter in Gifhorn um kurz nach 17 Uhr gesichtet – mit zwei wackeren, aber ziellos wirkenden Jugendlichen. Ansonsten war auch Gifhorn weitgehend bollerwagenfreie Zone. Am Schlosssee war so wenig los, dass nicht einmal die Polizei dauerhafte präsenz zeigte – und am Tankumsee war eher Familienfest als Sauftour angesagt. Der Vatertag unter blauem Himmel in Gifhorn gehörte der Familie.

Einzig am Abend schlug der Gast einer Vatertagsfeier in einem Meiner Kleingarten über die Stränge. Laute Musik sorgte für Streit zwischen den Parzellen, die Polizei musste einschreiten, für einen Vatertagsfeierer endete der Tag in Gewahrsam.

Ausflügler und Fahrradfahrer in der Region Hannover

Bei sonnigem und warmem Wetter seien viele Ausflügler und Radfahrer in der Region Hannover unterwegs gewesen, sagte eine Sprecherin der Polizei Hannover. Aber die Beamten hätten „erfreulich wenige Verstöße“ etwa gegen die Abstandsregeln registriert.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hatte zuvor starke Polizeipräsenz am Vatertag angekündigt. Er betonte, in diesem Jahr müsse Christi Himmelfahrt „unter völlig anderen Vorzeichen“ stattfinden, „enthemmte Bollerwagentouren“ seien nicht möglich. „Corona ist nicht vorbei. Die Gefahr ist nicht gebannt“, sagte Pistorius. Lockerungen der Corona-Maßnahmen müssten nötigenfalls zurückgenommen werden, sollte die Zahl der Neuinfektionen wieder deutlich steigen.

Ordnungswidrigkeitsanzeigen gegen große Gruppe in Hannover

Die typischen Bollerwagentouren mit Teilnehmern aus mehr als zwei Haushalten konnte es nach der landesweiten Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie nicht wie üblich geben. Demnach muss in der Öffentlichkeit - soweit möglich - ein Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden, ausgenommen sind nur Menschen aus dem eigenen oder einem weiteren Haushalt.

In der Innenstadt von Hannover habe eine „große Gruppe“ von Menschen die Abstandsregeln missachtet, in zwölf Fällen habe es Ordnungswidrigkeitsanzeigen gegeben, sagte die Polizeisprecherin. Aber im Raum Burgdorf und Wedemark sei „kein einziger Bollerwagen“ gesehen worden, in Hannover vereinzelt - und dann seien es Familien mit Kindern gewesen. „Sehr viele Menschen“ seien im Raum Steinhude und am Steinhuder Meer unterwegs, es sei „sehr voll“ - die Polizei empfehle daher auf digitalen Anzeigen, Steinhude zu meiden. Zwischenfälle habe es aber nicht gegeben.

Nur kleinere Vorkommnisse in Lüneburg, alles ruhig in Göttingen

In Lüneburg seien Sonderstreifen unterwegs gewesen, vereinzelt habe es Einsätze gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Hin und wieder sei „eine Ansage“ nötig gewesen, dass es reiche - Spektakuläres habe es nicht gegeben. „Keine Hinweise auf Verstöße gegen die Corona-Regelungen“ meldete die Polizei in Oldenburg. Ein Sprecher der Polizei Göttingen sagte: „Bislang ist alles friedlich“. Die Leute hielten sich an die Verordnung. Ein Sprecher der Polizei Osnabrück resümierte: „Alles ruhig.“ dpa/eng

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