Neue Kampagne: Lass doch mal öfter das Auto stehen!

Braunschweig.  Züge fahren bald halbstündlich, Radschnellwege kommen: In der Region nutzen viele dennoch häufig das Auto. Der Regionalverband steuert dagegen.

Volle Straßen sieht man in unserer Region häufiger.

Volle Straßen sieht man in unserer Region häufiger.

Foto: Martin Gerten / dpa

In unserer Region werden nicht nur besonders viele Autos gebaut, noch mehr als in anderen Teilen Deutschlands ist das Auto bei der Wahl des Verkehrsmittels bei uns die Nummer 1. Im Bundesschnitt liegt das Auto bei einem Anteil von 57 Prozent – zwischen Harz und Heide bei 62 Prozent. Umgekehrt ist es bei Bus und Bahn: Die Deutschen nehmen in zehn Prozent der Fälle öffentliche Verkehrsmittel, in unserer Region sind es nur sieben Prozent.

Das will der Regionalverband Großraum Braunschweig nun ändern. Der Ansatz: Das Angebot im öffentlichen Nahverkehr passt soweit, nur wissen das viele Menschen gar nicht. Das Ziel: Der Ausstoß von Treibhausgasen soll verringert werden, der Verkehr auf den Straßen spürbar abnehmen.

EU fördert die Kampagne mit 600.000 Euro

Der Verband startet eine großangelegte Kampagne. Er schaltet Anzeigen und Radiospots in regionalen Medien und Sozialen Netzwerken, verteilt Flugblätter in sämtlichen Haushalten zwischen Harz und Heide. Außerdem gibt es einen Image-Film und die neue Internetseite www.mobi38.de, auf der der Verband für den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr, aber auch auf das Fahrrad und mehr Wege zu Fuß, wirbt. Die EU fördert die Kampagne mit 600.000 Euro.

Tatsächlich hat der Regionalverband den noch vor einigen Jahren vergleichsweise schlechten öffentlichen Nahverkehr nach und nach ausgebaut. Auf der Schiene zum Beispiel gibt es fast überall in der Region einen Stundentakt. Ab Dezember wird es diesen auch auf der Strecke Braunschweig – Gifhorn – Uelzen geben. Dann fahren die Züge auf sämtlichen Strecken im Stundentakt. Verbandsdirektor Ralf Sygusch sagte am Mittwoch bei der Präsentation der Kampagne in Braunschweig: „Perspektivisch wollen wir auf sämtlichen Bahnstrecken einen 30-Minuten-Takt anbieten.“ Zwischen Braunschweig und Hannover gibt es diesen schon. „Das wissen viele Menschen in unserer Region zum Beispiel noch gar nicht“, sagte Projektleiterin Sabine Wolff.

Radschnellwege kommen

Neben den Bussen in den Städten und Landkreisen fahren 37 Regiobusse quer durch die Region – mindestens im Stundentakt, wie Fritz Rössig vom Regionalverband sagte. Auch das soll noch ausgebaut werden. Hinzu kommen ab dem nächsten Jahr noch sogenannte Midibusse. Diese fahren auf Abruf in den Landkreisen, die weniger dicht besiedelt sind. Auf diesen Strecken lohnt sich ein Linien-Verkehr nicht. 57 dieser Midibusse mit 8 oder 14 Sitzplätzen bestellt der Regionalverband. Sie kosten sieben Millionen Euro.

Auch mit Blick auf den Radverkehr strebt der Regionalverband Verbesserungen an. Ein Schlüssel sollen Radschnellwege sein, die der Verband federführend plant. Diese Radschnellwege sollen Braunschweig mit Wolfenbüttel, Salzgitter-Thiede, Wolfsburg und Vechelde verbinden. Für den Y-förmigen Radschnellweg zwischen Braunschweig, Wolfenbüttel und Salzgitter-Thiede gibt es 13 Millionen Euro Fördergeld vom Bund. Gebaut werden soll er aber erst 2024.

Der Verband will im nächsten Jahr außerdem ein komplettes Radverkehrskonzept vorlegen.

Die Corona-Krise schlug im ÖPNV voll zu

Der Regionalverband will mit seiner Kampagne zudem erreichen, dass die Menschen wieder mehr Wege zu Fuß zurücklegen. „Gerade Kinder gehen kaum noch zu Fuß“, sagte Wolff. „Sie werden von den Eltern zur Schule gefahren – oft von jeder Mutter einzeln.“ Der Verband sucht nach einer Pilotschule, bei der Kinder sich gemeinsam auf den Fußweg zur Schule machen. Das Beispiel soll dann auf andere Schulen übertragen werden.

Die Internetseite mobi38.de soll Radtouren in unserer Region aufzeigen. Das schon bestehende Pendlerportal soll aufgefrischt werden. Der Verband will den Fokus noch mehr auf Mitfahrangebote legen. Schließlich sollen sich mit Hilfe der Internetseite die Kommunen in unserer Region bei ihren Mobilitäts-Ideen gegenseitig inspirieren.

Und die Corona-Krise? Verbands-Direktor Sygusch gab zwar zu, dass die Pandemie stark auf die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr gedrückt habe. Die Menschen hatten Angst, sich anzustecken. Er glaube, dass der Corona-Rettungsschirm von 400 Millionen Euro für den öffentlichen Nahverkehr in Niedersachsen für das laufende Jahr aber erst einmal reichen werde. Dann müsse man sehen. Sygusch: „Den Mobilitäts-Wandel werden wir aber auch nach der Corona-Krise brauchen.“

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