Wie die Corona-Pandemie die Kriminalität verändert

Braunschweig.  14 Prozent weniger Straftaten gibt es in Niedersachsen – vor allem weniger Einbrüche. Dafür legen Betrügereien im Netz um 350 Prozent zu.

Es gibt viel weniger Einbrüche in Niedersachsen – dafür aber deutlich mehr Betrügereien im Netz.

Es gibt viel weniger Einbrüche in Niedersachsen – dafür aber deutlich mehr Betrügereien im Netz.

Foto: Daniel Maurer / dpa

Diskotheken, Bars und Kneipen? Zwischenzeitlich oder bis jetzt geschlossen. Volksfeste finden nicht statt. Beim Fußball kommen immerhin die ersten Fans zurück ins Stadion. Für das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen aber sind diese Einschränkungen des öffentlichen Lebens der Grund dafür, dass die Körperverletzungen zwischen Januar und August im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 15 Prozent zurückgegangen sind.

In anderen Bereichen sind die Zahlen sogar noch eindrucksvoller. Auf Anfrage erklärte das LKA, dass die Zahlen bei den Taschendiebstählen sogar um ein Drittel abnahmen, bei Wohnungseinbrüchen waren es fast ein Viertel, bei Auto-Diebstählen ebenso. LKA-Sprecherin Katrin Gladitz sagte: „Die höhere polizeiliche Präsenz bei gleichzeitiger Einschränkung der Bewegungsfreiheit könnte ebenfalls die Begehung mancher Straftat verhindert haben.“

Betrüger liefern die Ware nicht

Die Bilanz ist noch vorläufig, deshalb scheute das LKA davor, absolute Zahlen herauszugeben. Eine aber nannten die Ermittler: Von Januar bis einschließlich August gingen insgesamt etwa 346.000 Strafanzeigen bei der niedersächsischen Polizei ein. Das sind 14 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

In bestimmten Bereichen verzeichnen die Ermittler aber einen deutlichen Anstieg. So gab es beim Betrug mit sogenannten Fake-Shops im Internet in den ersten acht Monaten des Jahres eine ziemlich deutliche Zunahme von 354 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Viele Kriminelle hätten gerade zu Beginn der Pandemie Mund-Nasen-Schutz oder Hygieneartikel angeboten, die Ware aber nie geliefert, berichtete Gladitz.

Die Menschen waren im Home-Office, haben mehr Zeit im digitalen Raum verbracht. Das haben sich Kriminelle zunutze gemacht. So sei in Fake-Shops laut Gladitz alles Mögliche für im Urlaub Daheimgebliebene angeboten worden – vom Garten-Swimming-Pool bis zur Spielkonsole. Darüber hinaus wurden ältere Menschen häufiger Opfer von Betrügern, beim sogenannten Enkeltrick gab es einen Anstieg von 89 Prozent, bei falschen Polizeibeamten um knapp 31 Prozent.

Drogenhandel ist nicht eingebrochen

2020 wird ein besonderes Jahr in der Polizeilichen Kriminalstatistik werden – das ist schon jetzt klar. Gladitz vermochte nicht zu sagen, ob der insgesamt vom LKA beobachtete Rückgang der Straftaten nur temporär ist und sich nach der Corona-Pandemie vielleicht sogar ins Gegenteil umkehrt. „Das können wir nur spekulieren“, sagte sie.

Die Bundesregierung meldete für das erste Halbjahr bereits einen Anstieg rechtsextremer und antisemitischer Kriminalität. Die Polizei registrierte von Januar bis einschließlich Juni bundesweit 9305 Straftaten von Neonazis und anderen Rechten. Das sind 700 mehr als im ersten Halbjahr 2019.

Und auch der Drogenhandel ist trotz erschwerter Bedingungen beim Straßenverkauf nicht eingebrochen. Laut Bundeskriminalamt ist Rauschgift weiter hergestellt sowie per Luftfracht und auf dem Seeweg transportiert worden. Auch der Konsum sei wohl konstant geblieben. Die Drogenhändler hätten sich sehr schnell umgestellt: die Bestellung über Internet-Plattformen und der Versand kleinerer Mengen per Post – bevorzugt an Packstationen – hätten weiter zugenommen. Es scheint so, als ob Corona nur für eine Atempause sorgen würde.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder