Corona in der Region: Salzgitter bei Inzidenzwert vo 101,87

Hannover.  Salzgitter, Peine, Wolfsburg und Braunschweig liegen bereits über der kritischen Marke von 50. Wolfenbüttel nähert sich schnell.

 "Bitte halten Sie Abstand!" steht auf einem Schild in der Fußgängerzone in Verden. In Niedersachsen ist der Inzidenzwert über 50 gestiegen.

"Bitte halten Sie Abstand!" steht auf einem Schild in der Fußgängerzone in Verden. In Niedersachsen ist der Inzidenzwert über 50 gestiegen.

Foto: Sina Schuldt / dpa

In unserer Region steigt die Zahl der Corona-Infektionen rasant an. Immer mehr Städte und Kreise nähern sich der kritischen Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Die Stadt Salzgitter hat diese Marke bereits überschritten; der Inzidenzwert stieg am Mittwoch auf 101,87. Auch im Landkreis Peine steht die Corona-Ampel nun auf Rot.

In Braunschweig meldete die Stadtverwaltung eine Sieben-Tage-Inzidenz von 53,7. Die Stadt Wolfsburg hat am Mittwoch einen Inzidenzwert von 52,3 angegeben. Die Stadtverwaltung geht auf Nummer sicher: Ab Mittwoch gilt eine neue Allgemeinverfügung und damit in der Wolfsburger Innenstadt schärfere Corona-Regeln. Im Kreis Wolfenbüttel liegt der Wert bei 48,8, im Kreis Gifhorn bei 30,6. Im Kreis Helmstedt liegt der Sieben-Tage-Inzidenzwert bei 31,8.

Die Polizei hat in Niedersachsen am Wochenende in vielen Städten Verstöße gegen die Corona-Regeln verfolgt – angesichts steigender Krankenzahlen wurde verstärkt kontrolliert. In Hannover mussten zahlreiche Bordelle geschlossen werden, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. In Delmenhorst wurden private Feiern aufgelöst und ein Friseurgeschäft geschlossen, außerdem wurden Verstöße gegen die Sperrstunde erfasst. Die 80.000-Einwohner-Stadt westlich von Bremen hatte am Sonntag in Niedersachsen mit 314,6 den landesweit höchsten Wert von Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche.

Wert über 50 hat auf Landesebene keine Auswirkungen

Der kritische Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche wurde am Sonntag erstmals auch auf Landesebene überschritten, das Landesgesundheitsamt meldete am Montagvormittag einen Wert von 57,3 für ganz Niedersachsen. Das Überschreiten der 50er-Marke hat allerdings keine weiteren Konsequenzen – entscheidend für eine Verschärfung der Corona-Regeln ist nicht der Landeswert, sondern die Werte in den 45 Kreisen und kreisfreien Städten. „Ausschlaggebend sind die Infektionszahlen in den Kommunen“, erläuterte eine Regierungssprecherin.

Das Land habe am Freitag mit einer neuen Verordnung die Regeln verschärft und insbesondere die erlaubte Personenzahl bei privaten Feiern stark eingeschränkt. Besonders betroffene Kreise und Städte könnten weitere Maßnahmen verfügen. „Die Infektionslage ist in Niedersachsen noch nicht so dramatisch wie in manchen anderen Bundesländern“, sagte Regierungssprecherin Kathrin Riggert. Gleichwohl sei die Lage aufgrund des schnellen Anstiegs der Zahlen auch in Niedersachsen besorgniserregend.

14 Kommunen überschreiten Grenze, Delmenhorst weiter Spitzenreiter

Am Sonntag überschritten 14 Kreise und kreisfreie Städte in Niedersachsen die 50er-Marke: In der Stadt Delmenhorst lag der Wert nach Angaben des Landesgesundheitsamtes bei 314,6, es folgten Kreis Cloppenburg (205,6), Kreis Vechta (186,3), Kreis Grafschaft Bentheim (126,1), Kreis Verden (114,5), Kreis Oldenburg (100,8), Kreis Osterholz (86,0), Stadt Osnabrück (82,9), Kreis Hildesheim (80,1), Kreis Diepholz (68,6), Kreis Emsland (65,1), Kreis Schaumburg (62,7), Kreis Osnabrück (65,9) sowie Region Hannover (54,0).

In diesen betroffenen Regionen sind private Treffen jetzt auf zehn Menschen aus zwei Haushalten beschränkt – egal, ob zu Hause, draußen oder im Restaurant. Die Gastronomie muss um 23 Uhr schließen. Außerdem müssen Menschen mit Wohnsitz in diesen Regionen auch damit rechnen, dass sie nicht mehr überall hin reisen oder in Hotels übernachten dürfen. Ferner wird die Maske auch an einigen Orten unter freiem Himmel zur Pflicht – wo genau, entscheidet die betroffene Kommune.

Weitere Informationen zu Corona in der Region:

Corona-Verstöße bei Kontrollen am Wochenende

Polizei und Ordnungsämter waren überall unterwegs. In Hannover überprüfte die Polizei die Einhaltung der Corona-Regeln in 15 Bordellen. 9 verstießen gegen Vorschriften und wurden geschlossen. Da zwei Bordelle trotzdem weitermachen, mussten die Beamten in der Nacht zum Sonntag dort erneut eingreifen. Eine Bar verstieß gegen die Sperrstunden-Regelung, sie wurde um kurz nach Mitternacht geschlossen – eine andere Bar wurde dicht gemacht weil sie kein Hygienekonzept vorlegen konnte. Auch ein Friseursalon und eine Spielhalle wurden geschlossen.

Im Hotspot Delmenhorst schlossen Polizei und Ordnungsamt ein Friseurgeschäft, weil die Angestellten keine Mund-Nasen-Bedeckung trugen, außerdem bekamen zwei Gastronomen Ärger, weil sich dort nach der Sperrstunde noch Gäste aufhielten. In 31 Fällen wurde in der Innenstadt die Maskenpflicht nicht eingehalten. Im Landkreis Oldenburg wurden private Partys aufgelöst, weil sich dort Menschen aus zu vielen unterschiedlichen Haushalten aufhielten.

Corona-Verstöße auch in Salzgitter

In Salzgitter stellte die Polizei Verstöße gegen die Sperrstunde fest, die dort ebenfalls seit Freitag für das Stadtgebiet gilt; ein Restaurant, ein Kulturzentrum und eine Spielhalle wurden geschlossen.

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Drei Verstöße gegen die Sperrstunde in Salzgitter

In anderen Landkreisen und Städten, in denen über 100 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in einer Woche errechnet wurden, wurden kaum Verstöße bei Kontrollen festgestellt. „Die Leute halten sich an den Vorschriften“, sagte ein Sprecher der Polizei in Nordhorn in der Grafschaft Bentheim. Lediglich eine Privattreffen mit mehr als zwei Haushalten musste aufgelöst werden. Auch in Cloppenburg, Vechta und Verden berichtete die Polizei am Sonntag nur von kleineren Verstößen beispielsweise ein fehlenden Masken.

Schule beginnt wieder

Am Montag geht der Unterricht wieder los – eine Schließung der Schulen wie im Frühjahr soll wenn irgend möglich verhindert werden. Das Kultusministerium empfiehlt den weiterführenden Schulen in Kreisen mit einem Wert von mehr als 50, dass dort auch im Unterricht Masken getragen werden sollen – eine Pflicht dazu wurde aber bisher nicht verhängt. Die örtlichen Gesundheitsämter können weitere Maßnahmen beschließen, etwa einen Wechselbetrieb, bei dem die Hälfte der Klassen wochen- oder tageweise zu Hause unterrichtet wird, oder auch Schulschließungen.

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