Super-Wahljahr 2021

Bürgermeister-Kandidaten für Herzberg beantworten 8 Fragen

| Lesedauer: 8 Minuten
Die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl 2021 in Herzberg (von links): Christopher Wagner (parteilos), Matthias Melzer (CDU) und Sascha Schwerin (parteilos).

Die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl 2021 in Herzberg (von links): Christopher Wagner (parteilos), Matthias Melzer (CDU) und Sascha Schwerin (parteilos).

Foto: Photo Sterner/Sarah-Rebecca Kreiner/Privat / HK-Montage

Herzberg.  Vor der Bürgermeisterwahl am 12. September in der Stadt Herzberg haben wir den Kandidaten Fragen zu mehreren Themen gestellt. Hier ihre Antworten.

Am Sonntag, dem 12. September, wird in Herzberg ein neuer Bürgermeister gewählt. Unsere Zeitung hat im Vorfeld beide Kandidaten zu kommunalpolitischen Themen befragt. Für die schriftlichen Antworten wurde jeweils die gleiche Zeichenanzahl vorgegeben. Die Veröffentlichung der Antworten erfolgt nach der Reihenfolge der Nachnamen laut Alphabet.

Was wären für Sie die wichtigsten Aufgaben bzw. Baustellen als Bürgermeister in Ihrem ersten Jahr im neuen Amt?

Mathias Melzer (CDU): Eine neue Straßenausbausatzung mit dem Rat verabschieden, damit wir endlich wieder in unsere Straßen investieren können. Neubau- und Gewerbegebiete ausweisen, um mehr Zuzug zu generieren. Herzberg aktiver vermarkten.

Sascha Schwerin (parteilos): Ich möchte einen Schulterschluss zwischen Verwaltung, Bürger:innen und Politik herbeiführen. Die Herzberger:innen sollen zu Verwaltung und Politik wieder Vertrauen fassen können und individuelle Ansprechpartner haben, die sich ihrer Sorgen annehmen.

Christopher Wagner (parteilos): Die Eigentümer in der Fußgängerzone für eine positive Veränderung gewinnen. Der Radweg nach Sieber, das Schwimmbad Scharzfeld, die Verkehrsbelastung in der Stadt, eine Antwort zum Umgang mit dem Straßenausbau geben. Zeigen, dass die Verwaltung ein verlässlicher Partner ist.

Welche Ideen haben Sie, um die Herzberger Innenstadt, insbesondere die Fußgängerzone, zu beleben? Halten Sie das Konzept einer Fußgängerzone in einer kleinen Stadt noch für zeitgemäß?

Mathias Melzer: Eingeschränkte Befahrbarkeit, Behinderten- bzw. Rolli-gerechte Pflasteranpassung, Wohnraum fördern, neue Konzepte zum Beispiel Co-Working-Space, Restaurants oder auch Mehrgenerationenhäuser fördern und begleiten.

Sascha Schwerin: Ja, eine Fußgängerzone ist weiterhin zeitgemäß, da sie Begegnungsstätte für alle sein sollte, in der man gern verweilt. Sie kann nur gemeinsam mit Gewerbe und Bürger:innen weiterentwickelt werden und muss über das Thema Einzelhandel hinausgehen.

Christopher Wagner: Eine reine Einkaufsstraße wird es nicht mehr geben. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir Möglichkeiten für Pop-up-Stores, Co-Working-Spaces, Gastronomie und Spielmöglichkeiten anbieten, um neue Anreize für Inhaber und Kunden zu schaffen.

Welche Vorschläge haben Sie, um Herzberg und die Ortsteile für Neubürger, besonders für junge Familien, attraktiv zu machen?

Mathias Melzer: Herzberg und seine Ortsteile sind gerade für Familien attraktiv, wir müssen das besser herausstellen und die Nähe zu Göttingen besser vermarkten. Wir haben leider zu wenig Neubaugebiete in der Stadt – aber auch neue Gewerbegebiete sichern Arbeitsplätze.

Sascha Schwerin: Herzberg ist bereits heute in vielen Teilen attraktiv. Die Infrastruktur, wie KiTa, Schule, Arzt, Bank und Nahversorgung müssen aufrechterhalten werden und nachhaltige Angebote in Schule (E-Lernen) und KiTa (Betreuungszeiten) ausgebaut werden.

Christopher Wagner: Wir haben ein sehr gutes Betreuungs- und Bildungsangebot von der Krippe bis zum Abitur. Die gilt es zu erhalten und in einzelnen Punkten anzupassen. Neben Baulücken im Bestand werden wir auch Möglichkeiten für den Neubau anbieten.

Kann die Stadt etwas dazu beitragen, um den Kulturbetrieb, also Konzerte, Theateraufführungen, gesellige Veranstaltungen, nach der langen Zeit der Pandemie wieder in Schwung zu bringen?

Mathias Melzer: Die Stadt unterstützt und begleitet den Kulturbetrieb in Herzberg stetig. Die Initiative für Feste wie Jues in Flammen, Juesseefest etc. müssen aber von den Bürgern ausgehen. Freiwillige Initiativen werden dann auch weiterhin von der Stadt wohlwollend begleitet.

Sascha Schwerin: Ich möchte Fördergelder im Haushalt etablieren, die dafür eingesetzt werden sollen. Die Fördermittel sollen Anreiz sein, den Kulturbetrieb in Herzberg zu beleben. Die Verwaltung kann organisatorisch und unterstützend als Netzwerk tätig werden.

Christopher Wagner: Die Herzberger Samstage kommen zurück auf die Bühne! Dies kann durch die Präsentation unserer Vereine ergänzt werden. Die Eröffnung des Deutschen Kaisers wird neue Impulse geben. Es gibt bereits weitere positive Signale, bekannte Veranstaltungen, wie z.B. das Juesseefest zurückzuholen.

Auch die Stadt Herzberg schwimmt nicht gerade im Geld, freiwillige Leistungen stehen da auf dem Prüfstand. Welche Lösungen sehen Sie, um dennoch öffentliche Einrichtungen wie Freibäder oder die Bücherei weiterhin betreiben zu können? Oder müssen sich die Menschen auf unabwendbare Einsparungen einstellen?

Mathias Melzer: Laufende freiwilligen Leistungen werden wir auch weiterhin aufrecht halten können. Allerdings werden wir derzeit im Bereich der freiwilligen Leistungen keine Investition in erheblichen Umfang vornehmen können. Hier müssen wir auf die Unterstützung von Bund, Land und Landkreis hoffen.

Sascha Schwerin: Wir müssen aufpassen, Herzberg nicht kaputt zu sparen, damit es für die Bürger:innen hier lebenswert bleibt. Ich werde dem Rat der Stadt nicht empfehlen, noch mehr bei freiwilligen Aufwendungen zu sparen. Ggfs. müssen Aufgaben aber optimiert werden.

Christopher Wagner: Um unsere öffentlichen Einrichtungen zu erhalten, müssen wir uns kontinuierlich darum kümmern. Es darf nicht zu einem Investitionsstau kommen, der uns vor unlösbare Probleme stellt. Gemeinsam mit dem Rat und unserem starken Ehrenamt werden wir das leisten.

Wie kann die Stadtverwaltung die ansässigen Wirtschaftsbetriebe stärker unterstützen?

Mathias Melzer: Ansässige Betriebe benötigen mehr Gewerbeflächen. Hier muss, um Abwanderung der Betriebe zu verhindern, zeitnah gehandelt werden. Wir liegen unterhalb des Durchschnitts der Gewerbesteuersätze der Nachbargemeinden, das sollte so beibehalten werden.

Sascha Schwerin: Ich werde im Rathaus eine Kontaktstelle Wirtschaft einrichten, um damit den Kontakt zu den Wirtschaftsbetrieben zu intensivieren. Die Anliegen der Betriebe müssen gebündelt werden um die richtigen zukunftsorientierten Entscheidungen zu treffen.

Christopher Wagner: Wir werden mit den Betrieben im Austausch stehen und ihre Vorhaben begleiten. Die Gewerbesteuer ist ein Standortfaktor. Durch ein attraktives Wohnumfeld können wir Arbeitskräfte gewinnen.

Natur- und Klimaschutz sind Themen, um die sich auch eine Kommune heutzutage kümmern muss. Wie steht die Stadt Herzberg da Ihrer Ansicht nach da, wo gibt es Nachholbedarf und was kann eine Stadt überhaupt in dieser Sache unternehmen?

Mathias Melzer: Auf die städtischen Gebäude müssen größtenteils Solarzellen installiert werden. Auch die Wasserkraft am Mühlgraben ist zur Gewinnung von Ökostrom nutzbar. Die städtischen Betriebe müssen nach und nach auf elektrobetriebene Fahrzeuge umgerüstet werden.

Sascha Schwerin: Klimaschutz fängt in der Kommune an! Städtische Gebäude müssen CO2-neutral aufgestellt werden. Städtische Fahrzeuge dürfen zukünftig nicht mehr mit Verbrennermotoren ausgerüstet sein. Mehr Blühwiesen müssen angelegt und nachgehalten werden.

Christopher Wagner: Wir haben mit der LED-Umrüstung unserer Straßen und einiger Photovoltaik-Anlagen einen Anfang gemacht. Dies müssen wir deutlich verstärken und konsequent fortsetzen. Eine Eigenversorgung der Gebäude ist das Ziel. Bei unseren Maschinen und Fahrzeugen müssen wir umdenken.

Können Sie uns in wenigen Worten beschreiben, wie Sie sich die Stadt Herzberg am Ende Ihrer Amtszeit vorstellen? Was wollen Sie erreicht haben, was ist Ihre Vision?

Mathias Melzer: Eine wieder wachsende Stadt, die ihr Angebot an die Bürgerinnen und Bürger nicht nur erhalten, sondern ausgebaut hat. Eine Stadt, die ihren Lebenswert selbstbewusst nach außen trägt und ihre Bevölkerung zufrieden und glücklich macht.

Sascha Schwerin: Alt und Jung fühlt sich in Herzberg wohl, die Innenstadt ist Anlaufpunkt für alle Generationen. Das „Wir“ steht im Vordergrund. Die Ortsteile sind wieder Teil der Gemeinschaft. Baulücken sind geschlossen und neue Bau- und Gewerbegebiete ausgewiesen.

Christopher Wagner: Die genannten Vorhaben sind zumindest begonnen. Der Austausch zwischen Verwaltung und Bürgern wird sich verbessert haben. Man wird eine Veränderung in der Fußgängerzone sehen. Die Stadt Herzberg am Harz soll als touristisches Ziel wahrgenommen werden.

Das sind die Kandidaten für die Bürgermeister-Wahl 2021 in der Stadt Herzberg:

Mathias Melzer (CDU), Alter: 48 Jahre, Wohnort: Herzberg am Harz, Familienstand: verheiratet, eine Tochter, Beruf: Rechtsanwalt, Hobbys: Fahrradfahren, Wandern, Familie und Freunde treffen

Sascha Schwerin (parteilos), Alter: 40 Jahre, Wohnort: Scharzfeld, Familienstand: verheiratet, zwei Söhne, Beruf: Diplom-Verwaltungswirt; Stadtkämmerer und Allg. Vertreter der Bürgermeisterin (CLZ), Hobbys: Imkern, Chorsingen, Wandern

Christopher Wagner (parteilos, Wahlvorschlag der SPD), Alter: 47 Jahre, Wohnort: Herzberg am Harz, Familienstand: verheiratet, eine Tochter, Beruf: Diplom-Verwaltungswirt, Hobbys: Reservistenarbeit und Katastrophenhilfe, Lesen und Wandern

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