Gedenken

Tag der Befreiung: Warum der 8. Mai so wichtig ist

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Drei mögliche Weltkriegs-Szenarien durch Ukraine-Konflikt

Drei mögliche Weltkriegs-Szenarien durch Ukraine-Konflikt

Kommt der dritte Weltkrieg? Darüber sorgen sich viele Menschen. Nicht zuletzt, weil Putin eine Alarmbereitschaft von Atomwaffen beauftragt hatte.

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Berlin  Am 8. Mai 1945 kapitulierte Deutschland gegen die Alliierten. Der Faschismus in Europa war besiegt. Trotzdem ist der Tag kein Feiertag.

  • Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa
  • Deutschland kapitulierte bedingungslos vor den Alliierten, Europa war von der Naziherrschaft befreit
  • Der Tag ist in der Bundesrepublik kein Feiertag – und trotzdem sehr wichtig

In den Geschichtsbüchern ist dieser Tag eine Zäsur: Am 8. Mai 1945 kapitulierte Deutschland gegen die alliierten Mächte der Sowjets, Amerikaner, Franzosen und Briten. Der 8. Mai markiert seither in Europa das Ende das Faschismus, das Ende des Mordens, das Ende der gewaltigen Gräueltaten der Nazis: den Tag der Befreiung.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs jährt sich 2022 zum 77. Mal, in ganz Deutschland finden zu diesem Anlass Gedenkveranstaltungen und Kundgebungen statt. Durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist der Tag der Befreiung in diesem Jahr etwas anders als sonst.

In den Vorjahren organisierte die russische Botschaft Kranzniederlegungen am 8. Mai. Ob während des Ukraine-Krieges auch so ist, war kurz vor dem Wochenende noch nicht klar. Zudem befürchten Behörden bei russischen Gedenkveranstaltungen für die sowjetischen Soldaten Zeichen, die die Unterstützung des Angriffskrieges gegen die Ukraine ausdrücken.

Debatte um Tag der Befreiung am 8. Mai 1945

Deutschland behandelte den Tag der Befreiung kurz nach Kriegsende sehr unterschiedlich: In der DDR wurde der Tag zum gesetzlichen Feiertag. Im Westen Deutschlands tat man sich mit der Aufarbeitung der Nazi-Zeit dagegen offensichtlich sehr schwer.

Bis der 8. Mai 1945 offiziell in einer Regierungserklärung zur Sprache kam, dauerte es 25 Jahre. Willy Brandt, als Kanzler der von SPD und FDP geführten Regierung, thematisierte den Tag im Jahr 1970 – und bekam Gegenwind.

Die Union wollte diese Regierungserklärung verhindern. "Niederlagen feiert man nicht", hieß es von ihnen. Zudem wollte man die eigene Schuld daran, die menschenverachtenden Machenschaften der Nazis und somit auch den Holocaust unterstützt zu haben, nicht noch mit einem Feiertag würdigen.

Tag der Befreiung: Aufarbeitung erst ab 80er Jahre

Eine richtige Debatte folgte erst 40 Jahre nach dem Ende des Krieges in den 80er Jahren: Markiert der Tag die militärische Niederlage Deutschlands? Oder steht er für die Befreiung von Faschismus, von der Ideologie der Nazis, die Millionen Menschen ermordeten?

Auch wenn heute letztere Sichtweise eher verbreitet ist, ist der Tag der Befreiung kein gesetzlicher Feiertag. Auch jetzt nicht, fast 80 Jahre nach Kriegsende. Und das, obwohl, so sagte es der damalige Kanzler Gerhard Schröder 2000 in einer Rede, niemand heute mehr ernsthaft bestreite, "dass der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung gewesen ist. Der Befreiung von nationalsozialistischer Herrschaft, von Völkermord und dem Grauen des Krieges". (bekö mit dpa)

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