Feiertag

Vatertag und Himmelfahrt: Der Ursprung des Feiertags

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Diskussion um Feiertage in Deutschland

Diskussion um Feiertage in Deutschland

Hin und wieder fallen Feiertage auf einen Wochenendtag. In der Politik wird diskutiert, in diesen Fällen Feiertage in der Woche nachzuholen.

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Berlin.  Für die einen ist Christi Himmelfahrt, für die anderen Vatertag. Während Jesus in den Himmel stieg, geht es heutzutage oft um Alkohol.

  • Am 26. Mai 2022 feiern Christinnen und Christen Christi Himmelfahrt
  • Das ist ein kirchlicher, aber auch bundesweit gesetzlicher Feiertag
  • Am gleichen Tag feiern viele auch Vatertag
  • Wir erklären, was an Christi Himmelfahrt begangen wird – und was das mit Vätern zu tun hat

Für die einen ist es ein christlicher Feiertag, für die anderen ein willkommener Anlass, sich gehörig zu betrinken: Christi Himmelfahrt und Vatertag fallen auch in diesem Mai wie jedes Jahr auf den selben Tag. 2022 ist es der 26. Mai.

Wie der Name des Feiertags schon vermuten lässt, hat Christi Himmelfahrt mit der biblischen Geschichte Jesu Christi zu tun. Erst die Kreuzigung, dann die Auferstehung, anschließend stieg Jesus wieder zu Gott auf – Christi Himmelfahrt ist ein wichtiger Feiertag im Christentum.

Mit der Bibel hat der "Vatertag", wie er heute in Deutschland begangen wird, jedoch kaum etwas zu tun. Denn er wird heutzutage vor allem von Männern dafür genutzt, um in Gruppen mit bierbeladenen Bollerwagen durch die Landschaft zu wandern.

Woher die verschiedenen Bräuche kommen, lesen Sie in der Übersicht.

Was sind Bedeutung und Ursprung von Christi Himmelfahrt?

An Christi Himmelfahrt feiern Christinnen und Christen, dass Jesus, der Sohn Gottes, zu seinem Vater in den Himmel zurückkehrt. Das erklärt schon der Name des Feiertags. Während die eigentliche Himmelfahrt, also die Heimkehr Christi ins Himmelreich, in der Bibel als sichtbarer Vorgang erzählt wird, sieht die heutige Theologie die Erzählung etwas anders.

Christi Himmelfahrt müsse heutzutage als Teilaspekt der Osterbotschaft verstanden werden, erklärte der alt-katholische Theologieprofessor Günter Eßer aus Bonn unserer Redaktion. Die bildliche Himmelfahrt Jesu sei ein Symbol dafür, dass Gott dessen Leben, Wirken und Tod angenommen habe.

Dabei sei die Himmelfahrt nicht wortwörtlich zu verstehen, sagt Eßer: "Himmel meint in diesem Zusammenhang in poetischer oder symbolischer Sprache die Aufnahme eines Menschen in die Lebenswirklichkeit Gottes. Also das, was wir auch als 'ewiges Leben bei Gott' erwarten können", so der Theologe. "Es ist das, was nach christlichem Verständnis alle Glaubenden erwartet."

Die moderne Botschaft aus Christi Himmelfahrt ergibt sich laut Eßer allerdings aus einem Detail in der Apostelgeschichte. Nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren ist, fragen zwei Engel die hinterherstarrenden Jünger, warum sie in den Himmel schauen.

Christi Himmelfahrt soll eine Botschaft sein, sagt Theologe

"Im Zusammenhang mit Christi Himmelfahrt ist die Botschaft eindeutig", erklärt Eßer. "Schaut nicht in den Himmel, schaut nicht auf das, was unwiderruflich vorüber ist. Sondern schaut auf das, was vor euch liegt."

Statt auf den Himmel solle man auf die Menschen und ihre Sehnsucht nach Heil und Heilung schauen - frei nach der Bibel: "Was ihr den Geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan (Matthäus 25,40)".

Nachzulesen ist die Geschichte der Himmelfahrt in der Bibel im Lukasevangelium 24,50–53 und in der Apostelgeschichte des Lukas 1,1–11.

Wann ist Himmelfahrt/Vatertag 2022?

Christi Himmelfahrt und Vatertag fallen in diesem Jahr auf Donnerstag, den 26. Mai. Die Termine für die nächsten Jahre sind folgende:

  • 2023: 18. Mai
  • 2024: 9. Mai
  • 2025: 29. Mai
  • 2026: 14. Mai

Warum ist Himmelfahrt immer an einem Donnerstag?

Das hat einen einfachen Grund: Christi Himmelfahrt ist im Kirchenkalender der 40. Tag der Osterzeit, also der 39. Tag nach Ostersonntag. Auch interessant: Warum Sie in der Karwoche kein frisches Hemd tragen dürfen

Weil Ostern aber immer an unterschiedlichen Daten ist, ist es Himmelfahrt eben auch. Der 40. Tag nach Ostern beruht auf der symbolischen Relevanz, die die Zahl 40 im Judentum und der Bibel hat – weshalb sie in der Bibel auch besonders oft vorkommt.

Günter Eßer erklärt dazu: "Die Zahl 40 hat im biblischen Kontext eine wichtige Bedeutung. Sie umschreibt einen Zeitraum, an dessen Ende ein Ereignis oder ein persönlicher Entscheidungsprozess abgeschlossen ist."

Die Zahl 40 in der Bibel:

  • Im Buch Exodus, der Beschreibung des Auszugs des biblischen Volkes Israel aus Ägypten, zogen die Israeliten angeblich 40 Jahre lang durch die Wüste.
  • Mose blieb der Bibel nach 40 Tage und 40 Nächte auf dem Berg Sinai, um die Zehn Gebote von Gott zu empfangen.
  • Der Prophet Elija wanderte 40 Tage und Nächte, um zum Gottesberg zu gelangen. Dort erkannte er Gott in einem Gewittersturm und einem leisen Wehen des Windes.
  • Die Geschichte der Versuchung Jesu, die in drei Evangelien erwähnt wird, fastet Jesus von Nazareth 40 Tage allein in der Wüste und muss dabei immer wieder den Versuchungen des Teufels widerstehen. Nach diesem Ereignis richtet sich auch die Länge der Fastenzeit vor Ostern: Sie dauert ebenfalls 40 Tage.
  • Und schließlich Himmelfahrt: In den 40 Tagen nach Ostern erschien Jesus seinen Jüngern, um ihnen vom Reich Gottes zu erzählen.

Ist Christi Himmelfahrt überall ein Feiertag?

Christi Himmelfahrt ist in allen 16 Bundesländern ein Feiertag. Das gilt auch für weite Teile Europas, wenngleich Länder wie Polen, Ungarn und Italien ihn inzwischen abgeschafft haben. Die kirchliche Würdigung des Ereignisses findet dort entsprechend am Sonntag nach dem Tag statt.

Warum ist Himmelfahrt auch Vatertag?

Am Vatertag haben Wandertouren mit Bier und Bollerwagen in Deutschland Tradition. Dass die feucht-fröhlichen "Herrenpartien" auf die Apostelgeschichte im Neuen Testament zurückgehen, wissen aber wohl die wenigsten.

Der ursprüngliche Vatertag entstand aus der christlichen Himmelfahrtsgeschichte, in der Jesus zu seinem Vater heimkehrt. Deshalb fällt bis heute der ursprüngliche Vatertag mit Christi Himmelfahrt zusammen.

Woher kommt der moderne Feiertag?

Der moderne Brauch, bei dem Söhne und Töchter ihren Vätern Geschenke machen, hat mit der Bibel allerdings nichts zu tun. Wie schon der Muttertag hat auch "Father's Day" seine Wurzeln in den USA.

Erfunden hat ihn eine Frau: Sonora Louise Smart Dodd aus der kleinen Stadt Spokane im US-Bundesstaat Washington. Ihr Vater hatte nach dem Tod seiner Ehefrau sechs Kinder allein groß gezogen.

Um ihn zu ehren und vom gerade erst eingeführten Muttertag inspiriert konnte Dodd zunächst die örtlichen Behörden überzeugen, am dritten Sonntag im Juni künftig auch der Väter zu gedenken. Zum ersten Mal passierte das 1910. Sechs Jahre später feierte Präsident Woodrow Wilson den Vatertag im Weißen Haus, doch erst 1972 erklärte ihn Richard Nixon zum offiziellen Feiertag.

Wie kam der Vatertag nach Europa?

In Europa begannen niederländische Zigarettenfabrikanten in den 1930er Jahren, den Vatertag als Gegenstück zum schon etablierten Muttertag zu verbreiten. Es seien "kommerzielle Propagandisten" gewesen, die den Vatertag auch in Europa heimisch machen wollten, bestätigt die Historikerin Susanne Rouette.

Mehr Brauchtum: Der Murmeltiertag – amerikanischer Brauch mit deutschen Wurzeln

In Österreich gilt Helmut Herz als Erfinder. Er war Werbeleiter einer Hemdenmanufaktur. In den 1950er Jahren dichtete er den Werbespruch "Vater sein ist vielfach Plag', drum leb er hoch, der Vatertag". Neben Ostern und Weihnachten sind die Tage vor Muttertag und Vatertag dort für den Handel zur umsatzstärksten Zeit des Jahres geworden.

Was ist der Herrentag?

Weil Männer, die keine Väter sind, offenbar auch gerne feiern und trinken wollen, nennt man den Tag landläufig immer häufiger Männertag. Regional heißt er auch Herrentag. Ursprünglich bezeichnete der Herrentag vermutlich den Tag, an dem ein Gutsherr oder Landbesitzer seinen Besitz umrundete, um seinen Besitzanspruch zu verdeutlichen.

Warum ziehen Männergruppen am Herrentag biertrinkend durch die Gegend?

Der Brauch, mit sogenannten Männerpartien und Bollerwagenladungen voll Alkohol in Gruppen durch die Landschaft zu wandern, hat seinen Ursprung im Berliner Raum des frühen 20. Jahrhunderts.

Überwiegend alleinstehende Männer begannen damit, sich am Feiertag Christi Himmelfahrt zu treffen und Ausflüge zu unternehmen. Die Treffen wurden schon damals mit reichlich Alkohol begossen.

Zwar wurde Christi Himmelfahrt als Feiertag in der DDR im Jahr 1967 abgeschafft, die Tradition konnte sich jedoch durchsetzen. Bis heute gehören Vatertagstouren vor allem in Nord- und Ostdeutschland zum Brauchtum.

Wie wird der Vatertag in Europa gefeiert?

  • Frankreich: Nachdem ein Feuerzeughersteller den Vatertag 1952 in Frankreich einführte, schloss sich die Regierung an und machte den Vatertag zum offiziellen Feiertag. Wie in den USA wird er am dritten Sonntag im Juni gefeiert. Kinder schenken ihren Vätern kleine selbstgebastelte Geschenke oder malen Bilder.
  • Niederlande: In den Niederlanden findet der Vatertag wie in vielen anderen Ländern am dritten Sonntag im Juni statt. Hier werden Männer von vorne bis hinten bedient und bekommen "typisch männliche" Geschenke wie Krawatten oder Zigarren überreicht.
  • Italien, Portugal, Spanien: Nach alter römisch-katholischer Tradition findet der italienische Vatertag am 19. März statt, dem sogenannten Josefstag. Gefeiert wird klassisch im Kreise der Familie: Mit gutem Essen und kleinen selbstgebastelten Geschenken für die Väter.
  • Russland: Im Osten Europas wird der Vatertag nur inoffiziell gefeiert, er fällt immer zusammen mit dem "Tag des Vaterlandsverteidigers". In manchen Betrieben ist es Tradition, dass Chefs ihren Angestellten kleine Geschenke machen. Auch die aus Deutschland bekannten Vatertagstouren gibt es sporadisch.

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