Fahrer oft betrunken: Viele Unfälle mit E-Scootern in Berlin

Berlin  Sie stehen, liegen und rollen an vielen Ecken: E-Scooter, elektrobetriebene Tretroller. Die angeblichen Shootings-Stars des innerstädtischen Verkehrs verursachen viele Unfälle und sind weniger beliebt als von vielen gedacht.

Fahrer von E-Tretrollern sind häufig Verursacher von Unfällen und zudem abends und nachts öfter betrunken unterwegs. Das geht aus einer Bilanz der Berliner Polizei für die ersten drei Monate seit der Erlaubnis für die Roller hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Einer neuen Umfrage zufolge hat eine große Mehrheit von 70 Prozent noch kein Interesse an dem neuen Fortbewegungsmittel. Orthopäden und Unfallchirurgen fordern derweil, dass ihr Wissen über Unfallrisiken und Verletzungsmuster bereits bei der Verkehrsplanung mit berücksichtigt wird.

Die neue Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK (Nürnberg) ergab, dass nur fünf Prozent der mehr als 1000 für die Studie befragten Erwachsenen bis Anfang Juli schon einen E-Scooter getestet haben - meist zum Freizeitvergnügen und weniger als Alternative für andere Verkehrsmittel.

25 Prozent würden ein solches Gerät gern mal ausprobieren - einerseits, um eine umweltbewusste Fortbewegungsmöglichkeit zu testen, andererseits, um den neuen Trend nicht zu verpassen, wie die Befragten als Hauptgründe angaben. Der Rest (70 Prozent) zeigte kein Interesse an den Gefährten.

E-Scooter sind in vielen Städten umstritten, weil sie überall abgestellt werden können und somit häufig auch zum Hindernis werden können, etwa für Menschen mit Behinderung auf Gehwegen.

Von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) kommt Kritik an den Mitte Juni erlaubten E-Tretrollern: "Im Namen unserer Patienten fordern wir, dass unser Wissen über Unfallrisiken und Verletzungsmuster aus unserer alltäglichen Versorgung von Unfallfolgen bereits bei der Verkehrsplanung und vor der Einführung von Neuerungen berücksichtigt wird", sagte Christopher Spering, Oberarzt an der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie der Universitätsmedizin Göttingen und Leiter der Sektion Prävention bei der DGOU. "Wir können Verkehrsteilnehmer, die mit E-Antrieb unterwegs sind, schlechter einschätzen. Man hört sie nicht kommen und sie sind schneller als gewohnt." Man wolle mit Stadtplanung und Politik früh an einen Tisch, "nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist".

Allein in Berlin registrierte die Polizei seit dem 15. Juni 74 Unfälle von Rollerfahrern. Dabei wurden 16 Menschen schwer und 43 leicht verletzt. Die häufigsten Ursachen für die Unfälle waren Fehler beim Fahren, unzulässige Benutzung von Gehwegen und Alkohol.

In 65 der 74 Fälle waren die Fahrer der E-Scooter schuld an dem Unfall. 27 Mal war niemand anderes beteiligt, sondern der Rollerfahrer stürzte von selbst. Die Polizei leitete 87 Ermittlungsverfahren gegen Fahrer ein. In 65 Fällen ging es um Trunkenheit im Straßenverkehr. Die Polizei verhängte 233 Bußgelder, vor allem wegen Fahrens auf dem Gehweg, zu zweit oder mit einem Telefon in der Hand.

Die Unfallzahlen der E-Tretroller sind schlecht vergleichbar mit entsprechenden Zahlen etwa von Radfahrern, weil die Anzahl der Fahrer, ihr Alter und die zurückgelegten Strecken sehr unterschiedlich sind. E-Scooter sind besonders beliebt bei Touristen und jüngeren Menschen. Sie werden vor allem in der Innenstadt und da besonders in den Ausgehvierteln benutzt. In Berlin sollen etwa 9000 E-Scooter zum Verleih stehen.

Die Polizei betonte: "E-Scooter sind kein Spielzeug, es sind Kraftfahrzeuge." Fahrer sollten zu ihrer eigenen Sicherheit immer einen Schutzhelm tragen, auch wenn das nicht vorgeschrieben sei. "Bereits ab 0,3 Promille kann bei einem Unfall Ihr Führerschein in Gefahr sein. Für Fahranfängerinnen und -anfänger oder Personen unter 21 Jahre gelten 0,0 Promille."

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