Goslarer bestellt FFP2-Masken – und erlebt eine böse Überraschung

Goslar/Braunschweig.  In der Corona-Krise bestellt Peter Stosch aus Goslar Gesichtsmasken im Internet, um sie zum Einkaufspreis weiter zu geben – dann kommt der Zoll.

Eine Atemschutzmaske der Kategorie FFP2.

Eine Atemschutzmaske der Kategorie FFP2.

Foto: Christian Beutler / dpa

Der pensionierte Polizist Peter Stosch wollte in der Corona-Krise etwas Gutes tun, ist mit seiner Hilfsbereitschaft jedoch auf die Nase gefallen. Der 72-Jährige hat Masken im Wert von 3224,57 Euro im Internet bestellt.

Goslarer bestellt 387 hochwertige Gesichtsmasken im Internet

Als das Paket mit 387 Masken bei ihm angekommen ist, folgte die böse Überraschung: Das Zollamt forderte von dem Rentner Gebühren in Höhe von 1049,84 Euro. Wie es so weit kam und warum sich Peter Stosch so ärgert, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Als Helfer in Notsituationen bin ich seit Jahrzehnten oft in vorderster Stellung“, sagt er. Dieses Mal ging es um die Hilfe in Zeiten der Covid-19-Krise: „Ich wollte den Gewerbetreibenden rund um Goslar, der Polizei, sowie der örtlichen Feuerwehr helfen, Feinstaubmasken der Stufe FFP2 zu kaufen.“

FFP2-Gesichtsmasken bei Ebay bestellt

Über das Kleinanzeigenportal Ebay sei Stosch auf einen Lieferanten getroffen, den er durch das Impressum in Deutschland wähnte, berichtet er. Erst nach dem Überweisungsvorgang habe er bemerkt, dass es sich um einen chinesischen Anbieter handelte. Nach einer Woche habe er telefonisch durch die Braunschweiger Zollbehörde von den hohen Gebühren erfahren. Daraufhin habe das Transportunternehmen DHL das Paket zugestellt – und direkt die Zollgebühren kassiert.

„Ich war überrascht, als der DHL-Zusteller das Geld in bar von mir forderte. Aber ich zahlte den Betrag“, berichtet Stosch. Als der sich dann an DHL wandte, um das Geld zurückzubekommen, gab es nur eine automatisch generierte Antwort. Sein Fall werde bearbeitet und er solle sich in Geduld üben.

Keine Hoffnung, das Geld zurück zu erhalten

Beim Zollamt Goslar habe er zudem erfahren, dass die Kollegen dort nicht für ihn zuständig seien, sondern er sich an die Braunschweiger wenden soll. Eine Antwort und eine Auskunft, warum er so viel Geld an den Zoll zahlen muss, hat er, wie er sagt, dort nicht erhalten. Weil sich die Sache so lange hinauszögere, befürchtet der 72-Jährige nun, dass seine Einspruchsfrist abgelaufen sei. Er habe doch die Hoffnung gehabt, das Geld zurück oder wenigstens eine Ermäßigung zu erhalten.

Diese Hoffnung macht Thomas Czapla, Sprecher des Hauptzollamtes Braunschweig, auf Anfrage unserer Zeitung zunichte: Er erklärt, dass die auf den ersten Blick sehr hoch klingenden Zollgebühren von rund 30 Prozent rechtens seien. Czapla sei zwar nicht mit dem konkreten Fall von Stosch bekannt, rechnet aber vor, wie sie zustande kommen.

Keine Zoll-Ausnahmen für Masken und Schutzmaterial

Zunächst einmal, so der Sprecher, fällt bei jeglichen Waren, die aus Ländern außerhalb der Europäischen Union stammen, eine Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent an. Bei Textilien käme zudem noch eine Zollgebühr von 6,5 Prozent hinzu. Wenn jetzt noch ein zusätzlicher Betrag an den Lieferanten anfalle, dann sei er bei dem Prozentsatz.

Natürlich ist das ärgerlich, gibt auch Czapla zu, weil gerade in der heutigen Zeit die Masken dringend gebraucht werden. Bislang gebe es jedoch keine Ausnahmen, dass das Schutzmaterial von der Steuer befreit sei. „Das kann morgen schon ganz anders aussehen“, sagt der Pressesprecher.

„Unwissenheit schützt vor der Steuer nicht“

Er bekomme zudem öfter mit, dass Online-Kunden über Plattformen bei vermeintlich deutschen Lieferanten bestellen und sich dann am Ende erst herausstellt, dass sie aus Drittländern stammen: „Das ist das Risiko. Unwissenheit schützt leider vor der Steuer nicht.“ Weil nach den geltenden Gesetzen gehandelt worden sei, sehe er bei Peter Stosch keine Möglichkeit, dass er das Geld wiederbekomme.

Um die Zollgebühren durch den Verkauf der Masken wieder herauszubekommen, müsse der Goslarer sie jetzt überteuert anbieten, wie er sagt. Eigentlich wollte er sie zum Einkaufspreis von rund 8,30 Euro verkaufen. „Jetzt wird eine einzige Feinstaubmaske den Bruttopreis von 12 Euro erreichen“, beklagt er. Der Goslarer ist sauer: „Jetzt bin ich der Buhmann. Jeder Außenstehende wird denken, dass ich der Preistreiber bin.“

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