Christian Drosten warnt: Studie aus Italien ist alarmierend

Berlin.  Im Podcast spricht Christian Drosten über Todesfälle in Nembro und Corona. Der Charité-Virologe warnt vor zu schnellen Rückschlüssen.

Das ist der Coronavirus-Experte Christian Drosten

Der Virologe Christian Drosten hat damals schon SARS mit entdeckt. Nun ist er der führende Experte für das neuartige Coronavirus. Von der Berliner Charité aus berät er Politiker und klärt die Bürger auf.

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  • Zweimal wöchentlich spricht Christian Drosten im NDR-Podcast über den aktuellen Stand und die neuesten Erkenntnisse zum Coronavirus
  • Am 19. Mai äußerte er sich zuletzt über die italienische Gemeinde Nembro in der Lombardei
  • Hier gibt es laut Drosten besonders viele Todesfälle – im März so viele wie im ganzen Jahr 2019 zusammen
  • Dabei bezog er sich auf eine Studie aus der Gemeinde, an der die Charité Berlin beteiligt ist
  • Bei den Toten ist nur in etwa der Hälfte der Fälle das Coronavirus nachgewiesen worden
  • Der Virologe warnt: Corona sei nicht mit der Schweinegrippe-Pandemie 2009 zu vergleichen

Der Berliner Virologe Christian Drosten hat im NDR-Podcast am Dienstag, 19. Mai (Folge 42) davor gewarnt, das Coronavirus zu verharmlosen. Hintergrund ist eine Studie, an der auch die Berliner Charité beteiligt ist. Dort leitet Drosten das Institut für Virologie.

Die Studie zeige am Beispiel der kleinen norditalienischen Gemeinde Nembro, dass die gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie deutlich über die offiziellen Covid-19-Sterbezahlen hinausgehen könnten.

Demnach starben dort allein im März mehr Menschen als im gesamten vergangenen Jahr; nur rund die Hälfte von ihnen aber wurde als Covid-19-Todesfälle gemeldet. Der Übersterblichkeitseffekt sei extrem viel höher als die tatsächlich gemeldeten Fälle von Verstorbenen wegen der Covid-Infektionen.

Mehr lesen: NDR-Podcast: Drosten will „Kollateralschaden“ von Familien abwenden

Christian Drosten warnt vor Gefährlichkeit des Coronavirus

Drosten weiter: „Da sind also auch die Fälle dabei, die nie diagnostiziert wurden.“ Und es seien auch andere Todesursachen dabei, die nur indirekt mit dem Virus zusammenhingen: „Zum Beispiel, wenn die Leute nicht ins Krankenhaus gehen, weil sie Angst vor dem Virus haben.“

„Und ich finde es wichtig, das hier mal zu besprechen, weil einfach so viel angezweifelt wird. Weil ja auch dieser Eindruck in sozialen Medien immer noch kursiert, dass diese Erkrankung so harmlos ist wie eine normale saisonale Grippe“, sagt Drosten. Zuletzt hatte der Berliner Forscher vor Verschwörungstheorien gewarnt.

Unterschiede in der Sterblichkeit sehe man selbst, wenn sich das Virus nur ein paar Wochen in der Bevölkerung verbreitet habe – und dann der Lockdown kommt. „Selbst dann ist es eine frappierende Erhöhung in diesem Zeitraum.“

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Drosten: Coronavirus anders als Schweinegrippe

Weiter warnte Drosten davor, das Coronavirus mit der Schweinegrippe-Pandemie 2009 zu vergleichen und dabei auf ähnliche Effekte zu hoffen. Die WHO habe damals eine Warnung ausgesprochen, so der Forscher der Charité Berlin.

Man habe die Schweinegrippe damals als größere Gefahr eingeschätzt, als sie eigentlich gewesen sei, weil es bereits eine gewisse Herdenimmunität gegen den Erreger gegeben habe, so Drosten weiter. So seien die Viren mit einem Erreger verwandt gewesen, den es in Deutschland bereits gegeben habe. Das hatten die Forscher damals einfach nicht gewusst.

Das ist der Virologe Christian Drosten:

  • 2003 war Drosten einer der Entdecker des Sars-Virus. Zusammen mit einem anderen Forscher gelang ihm die Entwicklung eines diagnostisches Tests auf das Virus
  • Schon in seiner Habilitation an der Universität Frankfurt hatte er sich mit Nachweistests befasst. Seine Erkenntnisse zu Sars gab er damals schnell über das Internet bekannt und ließ andere daran teilhaben.
  • Von 2007 bis 2017 war er Leiter der Virologie in Bonn, seit 2017 arbeitet er an der Charité in Berlin.
  • Drosten wurde bereits mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet

(les/bekö)

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