Mord in Kita? Stadt Viersen warnt auf Facebook vor Gerüchten

Viersen.  Eine 25-jährige Erzieherin soll ein dreijähriges Mädchen in einer Kita getötet haben. Die Ermittlungen zu dem Fall dauern weiter an.

Trauernde legen vor dem Eingang einer Kindertagesstätte in Viersen bemalte Steine ab. Hier soll eine Erzieherin eine Dreijährige getötet haben.

Trauernde legen vor dem Eingang einer Kindertagesstätte in Viersen bemalte Steine ab. Hier soll eine Erzieherin eine Dreijährige getötet haben.

Foto: Sascha Rixkens / dpa

  • Die Ermittlungen rund um den Tod eines dreijährigen Mädchens in einer Kita dauern an
  • Die Stadt Viersen hat auf Facebook vor Gerüchten und Vorverurteilungen gewarnt
  • Eine 25 Jahre alte Erzieherin soll das Mädchen in ihrer Kindertagesstätte getötet haben
  • Die Frau wurde festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes, da nach der Obduktion laut Polizei endgültig klar war, „dass das Mädchen durch Fremdeinwirkung zu Tode gekommen ist“

In einer Kita in Viersen (NRW) soll ein dreijähriges Mädchen von einer Erzieherin getötet worden sein. Die 25-Jährige sei festgenommen worden und befinde sich wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Das teilten Staatsanwaltschaft und Polizei Mönchengladbach am Freitag mit. Zunächst wurde berichtet, dass die Verdächtige bereits wegen früherer Vorfälle in Kindergärten im Fokus der Ermittler gestanden habe. Dies ist laut Polizei Mönchengladbach jedoch falsch.

Am 21. April hatte es in der städtischen Kita einen Notarzteinsatz gegeben, weil das Mädchen nicht mehr geatmet hatte. Am 4. Mai sei das Kind im Krankenhaus gestorben, heißt es in der Polizeimeldung weiter. Das Krankenhaus hatte bereits vorher die Polizei alarmiert, da den Ärzten der Fall verdächtig vorkam.

Mord an Kita-Kind in Viersen: Polizei geht von Tod durch Fremdeinwirkung aus

Nach der Obduktion war laut Polizei endgültig klar, „dass das Mädchen durch Fremdeinwirkung zu Tode gekommen ist“. Wie genau das Kind starb, wurde zunächst nicht öffentlich gemacht. Hierzu sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach: „Um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden, machen wir derzeit keine weiteren Angaben.“

Erzieherin arbeitet nicht mehr in Kita in Viersen

Am Dienstag war die 25-Jährige als Tatverdächtige festgenommen und einen Tag später dem Haftrichter vorgeführt worden. Sie sitzt nun wegen Mordverdacht in Untersuchungshaft. Inzwischen ist die Frau offiziell nicht mehr in der Kita beschäftigt. Ob ihr erst nach ihrer Festnahme gekündigt wurde oder ob sie bereits vorher ihren Job verloren hatte, blieb unklar.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft schloss aus, dass ein Zusammenhang mit einer Brandstiftung in einer Kita in Viersen besteht. Weitere Details und Hintergründe des Geschehens nannten die Ermittler am Wochenende aus taktischen Gründen nicht. „Um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden, machen wir derzeit keine weiteren Angaben“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach.

So haben die Ermittler bislang die Todesursache nicht öffentlich gemacht und äußern sich auch nicht zum genauen Tatvorwurf. Auch zur Tatverdächtigen machten die Behörden keine weiteren Angaben. Näheres soll erst bei einer Pressekonferenz zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gemacht werden.

Gerüchte kursieren in Viersen – Stadt appelliert an die Bürger

Indessen haben die Stadtoberen von Viersen die Bevölkerung aufgerufen, sich nicht an der Verbreitung von Gerüchten zu beteiligen.

„Wir verstehen, dass der schreckliche Verdacht viele Menschen bewegt. Der Umstand, dass aufgrund der laufenden Ermittlungen mehr Fragen bestehen als Antworten mitgeteilt sind, trägt sicher zur Unsicherheit bei“, ist seit Samstag auf der Facebook-Seite des Rathauses zu lesen. Auch auf Vorverurteilungen sei zu verzichten.

Tatverdächtige soll doch nicht im Fokus von Ermittlungen gestanden haben

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hatte am Montag unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtet, dass die Erzieherin schon vorher im Fokus von Ermittlungen gestanden haben soll. Davon hatte auch die „Bild“ berichtet. Die Polizei Mönchengladbach hat nun aber in einer Klarstellung mitgeteilt, dass gegen die Beschuldigte vorher nicht wegen Übergriffen auf Kinder ermittelt worden sei. Die dpa hat inzwischen eingeräumt, dass es sich um ein „Missverständnis“ gehandelt habe.

„Weder der Polizei noch der Staatsanwaltschaft lagen vor der hier in Rede stehenden Tat diesbezügliche Hinweise vor“, heißt es in der Polizeimeldung. „Derartige Falschbehauptungen und weitergehende Spekulationen sind dem Erfolg der Ermittlungen nicht dienlich und vergrößern das Leid der Angehörigen und Betroffenen.“

Bürgermeisterin spricht von Entsetzen

Viersens Bürgermeisterin Sabine Annemüller drückte der Mutter des toten Kindes persönlich ihr Beileid aus. In einer offiziellen Stellungnahme schrieb Annemüller: „Das Entsetzen über den Verdacht, dass ein solches Geschehen sich in einer Kindertagesstätte ereignet haben könnte, hinterlässt uns sprachlos.“

Die Bestürzung in der Gemeinde ist groß, wie ein Pressesprecher der Stadt bestätigte. Vor der Kita seien Kerzen und Kuscheltiere abgelegt worden.

  • Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels berichteten wir unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur (dpa), dass die unter Verdacht stehende Erzieherin bereits wegen früherer Vorfälle in Kindergärten im Fokus von Ermittlungsbehörden stand. Das trifft nicht zu. Laut dpa kam es bei der Recherche zu einem Missverständnis. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler.

(dpa/jha/jas/raer)

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